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Zehnjähriges Jubiläum: Zehn Fakten zu iTunes

Apples Musikladen iTunes begann vor zehn Jahren, die Unterhaltungsindustrie komplett umzukrempeln. Zum Jubiläum zehn Fakten, die Sie vielleicht noch nicht kennen.

Von Christoph Fröhlich und Ralf Sander

Ihnen geht wohl der Arsch auf Grundeis, was?", soll Apple-Gründer Steve Jobs die Vertreter der Musikindustrie angefahren haben. Dabei wollte er sie eigentlich für seine Idee begeistern, einen Onlineshop für digitale Musik aufzuziehen. Irgendwie holte Jobs die zögernden Entertainmentindustriellen dann doch ins Boot und präsentierte am 28. April 2003 den "iTunes Music Store". Aus einem Startangebot von nur 200.000 Songs entstand der größte Musikhändler der Welt. Hier sind zehn Fakten über das Geburtstagskind, die Sie vielleicht noch nicht kennen.

1. Der 25-milliardste Song wurde von einem Deutschen heruntergeladen

Seinen letzten großen Meilenstein erreichte iTunes im Februar dieses Jahres, als der 25-milliardste Song heruntergeladen wurde. Phillip Lüpke aus Hannover hatte das Glück, im richtigen Moment zu klicken. Er kaufte den eher unbekannten Song "Monkey Drums (Goksel Vancin Remix)" von Chase Buch. Zur Belohnung spendierte Apple einen iTunes-Gutschein über 10.000 Euro.

2. Welcher Song als erster auf iTunes verkauft wurde, ist unbekannt

Leider war es uns nicht möglich herauszufinden, welcher Song als erster heruntergeladen wurde. Auch Apple konnte uns nicht helfen. Hier sind ein paar andere iTunes-Meilensteine:

  • Meistverkaufter Song am ersten Tag (28.4.03): "Stuck in a Moment" von U2
  • Meistverkauftes Album am ersten Tag: "Sea Change" von Beck
  • 25-millionster verkaufter Song (2003): "Let It Snow! Let It Snow! Let It Snow!" von Frank Sinatra
  • 100-millionster verkaufter Song (2004): "Somersault (Dangermouse Remix" von Zero 7
  • 500-millionster verkaufter Song (2005): "Mississippi Girl" von Faith Hill
  • 1-milliardster verkaufter Song (2006): "Speed of Sound" von Coldplay
  • 10-millardster verkaufter Song (2010): "Guess Things Happen That Way" von Johnny Cash

3. Es gab mal Porno-Werbung auf iTunes

Im Dezember 2012 gab es eine ganz besondere Bescherung für die Nutzer des noch jungen russischen iTunes-Stores: Wer auf "Mehr Filme in anderen Sprachen" klickte, wurde mit Werbung für pornografische Filme und Escort-Dienste beglückt. Angesichts der bekannten Prüderie Apples war sofort klar, dass es sich um einen Fehler handeln musste. Die Erklärung: Ein Programmierer hatte als Platzhalter für die URLs von Werbung Zeichenfolgen wie xxx eingetragen. Hinter den Platzhaltern fanden sich offenbar einige echte Seiten aus der Erotikbranche. Schließlich ist XXX ist ein internationales bekanntes Symbol für Pornografie.

4. iTunes ist nicht komplett auf Apples Mist gewachsen

iTunes wurde nicht von Grund auf bei Apple entwickelt, sondern basiert auf einer Software namens SoundJam MP, die 1998 veröffentlicht wurde. Dabei handelt es sich um einen frühen MP3-Player für Mac OS, der sich außerdem mit Musikspielern des inzwischen nicht mehr existierenden Herstellers Rio synchronisieren konnte. Apple hat SoundJam MP im Jahr 2000 übernommen und es zu iTunes weiterentwickeln lassen.

5. AC/DC und Apple gingen jahrelang getrennte Wege

AC/DC und Apple waren sich jahrelang spinnefeind. Noch im Jahr 2008 polterten die Altrocker, Apples digitaler Musikladen iTunes werde "die Musikwirtschaft umbringen". Fast 40 Jahre nach der Gründung der Band gab es offenbar ein Umdenken: Seit November 2012 gibt es die Songs der Altrocker exklusiv bei Apple zum Download. Es scheint sich für Angus Young und Co. gelohnt zu haben: 696.000 Songs verkauften die Australier in der ersten Woche. Seitdem befindet sich AC/DC auf dem "Highway to Sell".

6. iTunes hatte ein soziales Netzwerk - ohne Freunde

Ping? Was war das denn? Selbst eingefleischte Apple-Fans dürften das soziale Netzwerk Ping, eine Art Facebook für iTunes, nie zu Gesicht bekommen haben. Damit war es möglich, sich mit Freunden über Songs, Alben und Musik auszutauschen und den Idolen im Facebook-Stil zu "folgen". Zwei Jahre versuchte Apple, den Dienst zu etablieren. Vergeblich. Stattdessen ging er in die Technologie-Geschichte als einer der wenigen Flops des Steve Jobs ein.

7. iTunes war ursprünglich gar kein Musikladen

iTunes hat mittlerweile den größten Plattenladen der Welt: 26 Millionen Songs lagern auf den Servern von Apple, pro Minute werden rund 24.000 Musikstücke verkauft. Zwei von drei online verkauften Songs spülen dem iPhone-Hersteller Geld in die Kasse. Was viele Nutzer nicht wissen: Ursprünglich war iTunes eine reine Jukebox-Software zum Abspielen von Musikdateien, schnell kam das Bestücken des iPod als Aufgabe hinzu. Erst mit der vierten Software-Version im Jahr 2003, mehr als zwei Jahre nach dem Start, erweiterte Apple das Tool um einen eigenen Store.

8. Bruce Willis wollte Apple wegen iTunes (nicht) verklagen

Es war zu schön, um wahr zu sein. Im September vergangenen Jahres vermeldeten die britischen Boulevardzeitungen "The Sun" und "Daily Mail", dass Bruce Willis seinen drei Töchtern unbedingt seine umfangreiche iTunes-Sammlung vererben will. Weil das in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Apple nicht vorgesehen ist, habe er seine Anwälte in Stellung gebracht. Viele Medien - leider auch stern.de - brachten die Meldung, die sich später als Ente entpuppte. Willis' Ehefrau Emma Hemming-Willis twitterte einen kurzen Kommentar: "Das ist keine wahre Story."

9. Steve Jobs tauschte Preismodell gegen Kopierschutz

iTunes Plus wurde 2007 eingeführt und bietet inzwischen alle Songs ohne Kopierschutz und mit hoher Klangqualität an. Den Wegfall des Digitalen Rechtemanagements hatte Steve Jobs der Unterhaltungsindustrie mühsam abgerungen. Bis dahin kosteten alle Songs 99 Cent, was den Plattenlabels aber nie gefiel. Man einigte sich auf ein dreistufiges Preismodell (69 Cent, 99 Cent, 1,29 Euro) und als Gegenleistung auf die Abschaffung des Kopierschutzes.

10. Die berühmte Silhouetten-Werbung für iPod/iTunes ist das Ergebnis eines Flops

Der erste Werbespot für den 2001 neu eingeführten iPod zeigte einen jungen Mann, der zu "Take California" von den Propellerheads ein wenig unbeholfen durch seine Wohnung tanzt. Mit dem Ergebnis war Apple aber nicht zufrieden, und auch im Web erntete es Spott. Susan Alansangen, Art Direktorin bei der Werbeagentur Chiat/Day, hatte #link;en.wikipedia.org/wiki/IPod_advertising;daraufhin die Idee#, schwarze Silhouetten von tanzenden Menschen mit weißen iPods vor einfarbigen knalligen Hintergründen zu zeigen. Das Konzept wurde sowohl für Werbespots als auch für Printreklame umgesetzt. Am 7. Oktober 2003 wurde der erste TV-Spot in dieser Optik ausgestrahlt, der zugleich iPod und den iTunes Music Store bewarb. Apples Silhouetten wurden zu Ikonen der Werbegeschichte.