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was-macht-eigentlich: Wilfried Erdmann

Der Einhandsegler war der erste Deutsche, der es schaffte, IM ALLEINGANG den Globus zu umrunden. Fast zwei Jahre brauchte er mit seinem sieben Meter langen Kielschwerter für die Strecke von 30 223 Seemeilen

Der Einhandsegler war der erste Deutsche, der es schaffte, IM ALLEINGANG den Globus zu umrunden. Fast zwei Jahre brauchte er mit seinem sieben Meter langen Kielschwerter für die Strecke von 30 223 SeemeilenZur Person

: EIN MANN, EIN BOOT - Wilfried Erdmann auf seiner »Kathena Nui« in der Nähe von Neuseeland. Die 30000 Meilen lange Route in Ost-West-Richtung gilt als besonders schwierig, der 60-Jährige muss dabei die ganze Zeit gegen den Wind segeln. Mit demselben Schiff war Erdmann schon 1984/85 um die Welt geschippert. 1968 kam er von seinem ersten Törn rund um den Erdball zurück (rechtes Foto). Wenn der Berufssegler und Autor an Land ist, lebt er mit seiner Frau Astrid und Sohn Kym im schleswig-holsteinischen Goltoft

Wo sind Sie gerade?

Mitten in der Tasmansee zwischen der Südspitze Neuseelands und Tasmanien.

Wie sind Wetter und Temperatur?

Es ist ein schöner Tag, nur Windstärke sechs heute morgen, im Moment abgeflaut. Trotzdem habe ich natürlich meine Ölhaut an, ich lebe ja in drei Häuten, der normalen Haut, der Salzhaut und der Ölhaut.

Wie viele Tage wird die Reise noch dauern?

Ich habe am 188. Tag den Scheitel erreicht, bin sozusagen auf der Heimreise und denke, dass ich Mitte Juli in Cuxhaven sein werde.

Aber Sie sind nicht im Zeitrahmen - wird der Proviant reichen?

Ich bin leider überhaupt nicht im Zeitlimit. Das Stück zwischen Kap Hoorn und Neuseeland hat viel mehr Zeit beansprucht als geplant, aber ein 60-Jähriger hat es nicht mehr so eilig. Der Proviant ist ein Problem. Trotz der vielen Reisen, die ich schon auf dem Buckel habe, habe ich mich diesmal zu knapp versorgt. Ich wollte das Boot leicht halten. Jetzt muss ich die Vorräte rationieren und denke, es wird schon reichen. Nur wird das Essen eben sehr eintönig.

Was gab's heute?

Reis, Reis, Reis. Und Currysauce aus dem Glas.

Das klingt nicht so, als ob Sie es besonders lecker fanden.

Nach 190 Tagen bietet der Küchenzettel keine Überraschungen mehr. Ich esse auch nur zweimal am Tag und bin dünn wie ein Storch.

Was macht die größten Schwierigkeiten - Essen, Gegenwind, Kälte oder Einsamkeit?

Das Essen war auf dieser Fahrt ein Thema wie nie zuvor. Lange Zeit im Pazifik hatte ich so ein glibbriges Gefühl aus Unzufriedenheit, Sehnsucht, Meilengier in mir und immer so einen Heißhunger, dagegen anzuessen, irgendetwas Besonderes zu mir zu nehmen. Vielleicht ist Essen diesmal deswegen so ein Thema geworden. Mit der Einsamkeit habe ich ja Erfahrung. Natürlich ist die Stimmung manchmal gedrückt.

Sie hatten Ende Januar eine Serie von fünf Stürmen und danach einen »Breakdown«. Wie sind Sie wieder hochgekommen?

Zwei dieser Stürme waren richtig demoralisierend, und ich habe furchtbare Schläge eingesteckt. Ich habe mich dann einfach fallen lassen, alle Segel geborgen bis auf das winzige Try-Segel, mich in der Kajüte auf den Fußboden gelegt und die Dinge laufen lassen. Und dann habe ich, um mich abzureagieren, einen Hammer genommen und einen Aluminiumtopf zerhauen. Klar, da floss auch was durchs Gesicht.

Gibt es technische Ausfälle?

Ich habe alles ganz gut im Griff. Allerdings leiden die Segel sehr durch die Am-Wind-Kurse und das ständige Killen und Knallen. Zum Glück habe ich zwölf Stück mit. Aber es ist völlig anderes Segeln als vor dem Wind.

Also ist dieser Wahnsinnstörn doch ganz anders als erwartet?

Ja, ich habe mit wesentlich mehr Nord- und Südwinden gerechnet. Die Realität hier unten ist ganz anders. Und diese Realität ist auf so einem kleinen Schiff sehr spürbar.

Wie ist ihre körperliche und seelische Verfassung?

Die physische Verfassung ist okay, obwohl Kniegelenke und Ellbogen durch die häufige Schräglage enorm beansprucht werden. Selbst beim Kochen liegt man mehr, als dass man steht. Aber ich bin ja zäh. Und die psychische Verfassung ist im Moment prächtig. Dass mein Sohn Kym mich vor ein paar Tagen mit einem kleinen Flugzeug gefunden und aus der Luft fotografiert hat, hat mich sehr aufgebaut.

Was vermissen Sie im Moment am meisten?

Den richtigen Wind, der das Boot endlich mal richtig schiebt.

Wo wären Sie in diesem Augenblick am liebsten?

Ich bin sehr gern hier an Bord meines Schiffes, das sich bisher sehr gut geschlagen hat. In meinem Alter wird ja alles sehr endlich, und ich weiß, dass ich eine so lange schöne Strecke nie wieder segeln werde.

Informationen im Internet:

www.wilfried-erdmann.de

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