HOME

Welfen-Auktion: Da sitzt der Geldbeutel locker

Niedrige Schätzpreise lockten viele "Otto Normalverbraucher" zur Versteigerung tausender Welfenschätze auf das Schloss Marienburg. Aber die Kunstobjekte drohen auf Privattoiletten ihren Geschichtswert zu verlieren.

Die Sehnsucht nach ein wenig königlichem Flair macht freigiebig. "Man will einfach ein Stück Royalty, ein Stück der Welfen bei sich zu Hause haben", sagt der Manager der Kunstmesse Köln, Gérard Goodrow. Bei der Versteigerung tausender Welfenschätze auf Schloss Marienburg bei Hannover erzielte das Auktionshaus Sotheby's in rasendem Tempo Höchstpreise. Für Kunstexperten ist das keine große Überraschung - in der Branche ist zu hören, die Schätzpreise seien extra niedrig angesetzt worden, um viele Käufer zu animieren.

Bereits nach wenigen Tagen war der ursprünglich erwartete Gesamterlös der zehntägigen Auktion in Höhe von 12 Millionen Euro weit überstiegen. Nun sollen bis zum 15. Oktober nach Angaben des Frankfurter Kunstberaters der Welfen, Christoph Graf Douglas, rund 30 Millionen Euro in die Kasse kommen.

Scharfe Kritik

"Das waren Lockpreise. So kann ich mir auch selber einen Erfolg basteln", sagt der Generaldirektor des Deutschen Historischen Museums in Berlin, Prof. Hans Ottomeyer zu den angegebenen Schätzwerten im Auktionskatalog. Kunstberater Graf Douglas wertet den bisherigen Erfolg dagegen als "ungewöhnlich" - zumal ihm einige Experten des Kunstmarktes einen Flop prophezeit hatten. "Das ist viel zu riskant, diese Menge verkauft ihr nie", habe Douglas anfangs zu hören bekommen.

Die Auktion von Adelsbesitz - eine der größten seit den Versteigerungen der Häuser Thurn und Taxis und Baden - ruft unterdessen weiter scharfe Kritik hervor. Als Konsequenz sind mehrere Objekte aus der Versteigerung wieder herausgenommen worden - bei ihnen wird vermutet, dass sie von den Architekten der Marienburg, Conrad Wilhelm Hase und Edwin Oppler, für das Schloss geschaffen wurden.

Von der "Geschichtsvernichtung" bis zu würdigen Plätzen

Museumsdirektor Ottomeyer, der selbst einige Stücke für sein Haus ersteigern ließ, beklagt eine "Geschichtsvernichtung" bei etwa einem Fünftel der Versteigerungsobjekte. "Es ist ein großes Stück Landesgeschichte, das über den Tresen geht." Das Land Niedersachsen etwa hätte sich im Vorfeld intensiver einschalten müssen. Eine Sprecherin des Kulturministeriums betonte indes, es seien vor der Versteigerung umfangreiche Prüfungen gemacht worden.

Viele der historischen Kunstobjekte - bislang vor allem Gemälde, Waffen und Rüstungen - wurden vor allem nach England, Russland, in die Niederlande und andere Länder weltweit verkauft. Auch entfernte Verwandte der Welfenfamilie hätten einige Stücke erstanden, erzählt Graf Douglas. Doch nicht immer scheint sicher, dass die königlichen Kostbarkeiten auch einen würdigen Platz finden.

"Den Helm, den hängen wir uns aufs Klo"

Museumsdirektor Ottomeyer erzählt, er habe Interessenten bei der Besichtigung der Kunstschätze sagen hören: "Den Helm, den hängen wir uns aufs Klo" oder "Egon, dieses Silber-Service, das will ich zu Weihnachten haben". Aus Sicht Ottomeyers wollten manche Käufer mit den Stücken lediglich angeben: "Dann kann der Zahnarzt sagen, schaut mal, der Sekretär ist aus dem königlichen Haus Hannover."

Für viele "Otto Normalverbraucher" werden die angebotenen Kunstobjekte unerschwinglich bleiben - manchmal jedoch gehen die Stücke auch weit unter dem Schätzwert weg. Ein 18 Zentimeter großer Krug aus dem 19. Jahrhundert etwa wechselte für 72 Euro den Besitzer, angepeilt waren mindestens 150 Euro.

Monika Wendel/DPA / DPA