Mit der erfolgreichen Comedy-Serie "Arrested Development" gelang Will Arnett (55) der große Durchbruch. Seitdem ist er nicht nur ein gefeierter Schauspieler, sondern hat sich auch als Synchronsprecher einen Namen gemacht, etwa als Batman in "The LEGO Movie" oder als Stimme von BoJack Horseman in der gleichnamigen Animationsserie. Mit der Dramedy "Is This Thing On?", die von Bradley Cooper (51) inszeniert wurde und am 19. März in die deutschen Kinos kommt, schlägt Arnett nun ganz neue Töne an.
In dem Film verkörpert Arnett Alex Novak, dessen Ehe mit Tess (Laura Dern, 59) kurz vor dem Aus steht. Als Tess eine Beziehungspause vorschlägt, stimmt Alex nur widerwillig zu. Eines Abends landet er in einem Comedy-Club, um seinen Frust im Alkohol zu ertränken. Doch dann findet er sich auf der Bühne wieder, greift zum Mikrofon und beginnt, über sein Leben und seine gescheiterte Ehe zu witzeln - zur eigenen Überraschung mit großem Erfolg. Fortan steht er regelmäßig auf der Bühne, fest entschlossen, eine Karriere als Stand-up-Comedian zu starten.
Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur spot on news erzählt Arnett, wie er sich auf die Rolle vorbereitet hat und wie es für ihn war, mit einem ungewohnt ernsten Film Neuland zu betreten.
Sie hatten zuvor keine Erfahrung als Stand-up-Comedian. Wie war es für Sie, im Rahmen der Rollenvorbereitung erstmals selbst auf der Bühne zu stehen und Stand-up zu machen?
Will Arnett: Es war furchteinflößend und unglaublich aufregend zugleich. Ich wusste: Jetzt gibt es kein Zurück. Wir hatten all das Comedy-Material geschrieben, das Alex in den verschiedenen Sets spielen sollte und dann ging die Vorbereitung los. Ich trat jeden Abend im Comedy Cellar in New York auf, manchmal mehrmals pro Abend, und suchte nach den passenden Witzen für den Film. Auf der Bühne wurde ich als Alex Novak angekündigt, was großartig war, weil ich das Stand-up-Material so unter realen Bedingungen erproben konnte. Trotzdem war es jedes Mal aufs Neue beängstigend, auf diese Bühne zu gehen, ganz allein dazustehen, ohne Möglichkeit, sich zu verstecken.
Ich erinnere mich besonders an einen Samstagabend: Der Comedy Cellar war bis auf den letzten Platz gefüllt, die Stimmung elektrisierend. Wir beschlossen, ein paar Witze zu versuchen. Die Witze kamen auch wirklich gut an. Es war ein ausgelassener Samstagabend, die Leute hatten gute Laune, die Stimmung war perfekt. Wir spielten rund zehn Minuten, und es lief großartig: großes Gelächter im Raum. Dann sagte Liz, die im Film sich selbst spielt und als Managerin des Comedy Cellar auftritt, ich solle doch noch kurz in den Nebenraum gehen, gleich um die Ecke. Also bin ich fünf Minuten später dort aufgetreten, dasselbe Set. Und plötzlich: nichts. Kein Laut, kein Kichern, totale Stille. Ich hätte mir wenigstens gewünscht, eine Grille zirpen zu hören. Aber da war gar nichts. Nur Bradley Cooper, den ich hinten im Raum stehen sah, lachte leise. In so einem Moment heißt es einfach: weitermachen. Und genau das ist das Faszinierende daran - es ist gleichzeitig demütigend und aufregend. Du stehst da, hast zehn Minuten lang Witze erzählt, und obwohl du gnadenlos baden gegangen bist, fühlst du dich danach irgendwie unbesiegbar.
Der Film nutzt Stand-up als erzählerisches Mittel. Inwieweit haben Ihre eigenen Lebenserfahrungen bei der Vorbereitung auf den Film geholfen?
Arnett: Im Grunde, glaube ich, ist es so: Mein eigenes Leben hat mir immer in allem geholfen - auch in der Comedy. Alles, was man erlebt, sind Erfahrungen, Informationen, die man aufnehmen und später nutzen kann. Diese Eindrücke, die Beziehungen und Dynamiken zu den Menschen um einen herum, schulen uns Künstler und Schauspieler darin, wie wir uns zu anderen verhalten, wie wir reagieren und in Verbindung treten.
Mich hat diese Geschichte sofort fasziniert. Sie ist inspiriert von der wahren Geschichte des Comedians John Bishop. Als er mir erzählte, wie sehr ihm Stand-up geholfen hat, sich zu öffnen, hat das etwas in mir ausgelöst. Während der Dreharbeiten merkte ich, dass ich auf eine ganz ähnliche Weise verletzlich wurde wie Alex im Film. Ich machte mit dem Material eine Erfahrung, die seiner sehr ähnlich war. Es ist also nicht meine Geschichte, aber ich kann mich in vielem wiederfinden.
Sie sind bislang vor allem für Ihre komödiantischen Rollen bekannt. In diesem Film standen Sie nun erstmals im Zentrum eines ernsteren Films. Wie haben Sie darauf reagiert, dass Ihre Darstellung von Kritikern so gut aufgenommen wurde?
Arnett: Es war wirklich schön. Ich freue mich sehr, dass der Film bei so vielen Menschen etwas ausgelöst hat. Wir hatten das Glück, bei zahlreichen Q&As und Veranstaltungen dabei zu sein und dort konnte ich mit Zuschauern sprechen, die den Film gesehen haben. Viele erzählten mir, sie hätten sich in bestimmten Momenten wiedererkannt - Sätze wie "Das kenne ich auch" oder "Genau so habe ich das auch erlebt" zu hören, fühlte sich unglaublich an. Besonders bewegt hat mich, dass einige sagten, sie hätten nach dem Film mit ihren Partnern lange Gespräche über ihre eigenen Erfahrungen geführt. Solche Reaktionen sind für mich die größte Belohnung, zu wissen, dass ein Film Gespräche anstößt und Menschen einander näherbringt. Das war wirklich etwas ganz Besonderes.
Wie hat der Film Ihre Sicht darauf verändert, was es bedeutet, sich nach Rückschlägen neu zu entdecken und dabei zu sich selbst zu finden?
Arnett: Sie hat sich sehr verändert. Wenn mich jemand fragen würde, ob ich diesen Film vor zehn Jahren hätte machen können oder selbst noch vor fünf Jahren, als wir am Drehbuch arbeiteten, müsste ich klar sagen: nein. Ohne Bradley Cooper wäre das ohnehin nicht möglich gewesen, er war im gesamten Prozess unverzichtbar - beim Schreiben, bei der Regie, in seiner gesamten künstlerischen Perspektive.
Ich habe in den vergangenen Jahren gelernt, dass es nie zu spät ist, eine neue Geschichte zu erzählen. Wir sind mehr als nur die Summe unserer Erfahrungen. Entscheidend ist, welche Geschichte wir wählen. Wenn jemand sagt: "Ich bin eben so ein Typ", dann antworte ich: "Das stimmt so nicht." Wir alle sind das, was wir uns selbst zuschreiben. Sagst du: "Ich bin jemand, der das schafft", dann wirst du genau das tun. Ich glaube, wir haben viel mehr Kontrolle über unsere Erfahrungen, als wir oft annehmen. Diese Erkenntnis begleitet mich schon lange und vermutlich hat sie mir erst ermöglicht, diesen Film in genau dieser Form zu machen.