Experten-Tipps Untreue und Beziehung ohne Sex – Stefanie Stahl beantwortet Beziehungs-Fragen

Stefanie Stahl ist Psychologin und betreibt eine psychotherapeutische Praxis
Stefanie Stahl ist Psychologin, betreibt eine psychotherapeutische Praxis und gibt ihr Wissen in Büchern und Podcasts weiter
© Susanne Wysocki
Stern-User fragen, die Beziehungs-Experten antworten! Stefanie Stahl ist eine der bekanntesten Stimmen aus dem Bereich Psychotainment. Sie und ihr Kollege Lukas Klaschinski geben Tipps rund um Liebe und Partnerschaft.

Stefanie Stahl ist Psychologin, Bestseller-Autorin ("Das Kind in dir muss Heimat finden") und Podcast-Host. In "So bin ich eben" spricht sie alle zwei Wochen mit dem Psychologen und Podcast-Experten Lukas Klaschinski über psychologische Themen und gibt Hilfestellung. Nun haben die zwei die Koffer gepackt und sind mit einem zweistündigen Programm durch Deutschland gereist. In München trifft der stern die Psychologie-Experten und stellt ihnen die Fragen, die die Instagram-Follower:innen eingeschickt hatten.

Frau Stahl, braucht jeder Mensch einen Partner?

Stefanie Stahl: Man sollte die Wahlfreiheit haben. Man kann ein sehr glückliches Leben ohne Partnerschaft haben. Ich habe ein Ranking: Für mich ist es das Schönste, in einer guten Beziehung zu sein. Danach kommt ein gutes Single-Leben, dann eine schlechte Partnerschaft und dann eine mieses Single-Leben.

Kann man mehrere Menschen lieben?

Lukas Klaschinski: Ich glaube schon. Aber ich denke, Polyamorie birgt eine Gefahr für Menschen, die eigentlich bindungsängstlich sind. Sie leben das, um ihre Bindungsangst nicht spüren zu müssen.

Stefanie Stahl: Man kann in den einen verliebt sein und den anderen lieben. Aber ob man zwei gleichzeitig lieben oder in zwei gleichzeitig verliebt sein – ich weiß nicht. Der Unterschied liegt dabei in der körperlichen Anziehung. Wenn man verknallt ist, geht es ja anfangs vor allem darum.

Ist eine Beziehung ohne Sex möglich?

Lukas Klaschinski: Ja, aber ist langweilig. (lacht)

Stefanie Stahl: In der Jugend ist Sex viel relevanter. Das relativiert sich im Alter.

Lukas Klaschinski: Im Ernst, Sexualität ist eine wichtige Art, um Bindung aufzubauen. Ohne Kuscheln und Körperlichkeit leidet eine Bindung. Wenn man zwei Minuten Körperkontakt hat, wird das Hormon Oxytocin ausgestoßen und das ist wichtig für das Bindungsgefühl.

Wie lässt sich Untreue verzeihen?

Stefanie Stahl: Das Wichtigste ist, dass der untreue Partner Verantwortung übernimmt und Maßnahmen der Wiedergutmachung initiiert. Es hängt natürlich auch von der Verletzbarkeit der betrogenen Person ab. Menschen, die ein labiles Selbstwertgefühl haben, haben damit sehr viel länger zu kämpfen.

Lukas Klaschinski: Man muss irgendwann einen Schlusspunkt setzen, sonst beschäftigt man sich nur noch mit diesem Thema. Man ist sich bewusst, dass es passiert ist, aber man holt es nicht bei jedem Streit wieder hervor.

Wie kann ich nach einer Trennung lernen loszulassen?

Stefanie Stahl: Zwei Dinge sind bei Trennungen wichtig: die Selbstwertkränkung und der Kontrollverlust. Nur weil sich jemand trennt, sagt das gar nichts über den Selbstwert aus. Man sollte versuchen, sich aus dieser Schleife von Gedanken wie „Ich war es nicht wert“ oder „Was hat die andere Person, das ich nicht habe“ herauszuholen. Was einen fast in den Wahnsinn treiben kann, ist das Gefühl, die Kontrolle verloren zu haben. Stattdessen sollte man sich lieber auf andere Dinge konzentrieren, auf Bereiche, in denen man die Kontrolle hat, den Beruf, Freundschaften, Aktivitäten. Zuguterletzt, streicht das Selbstmitleid!

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