1001 Nacht Der Glitzer von Bollywood


Inder lieben alles, was blitzt und blinkt. Je mehr Steinchen und Spiegelchen - umso besser. Doch auch hierzulande sorgen die Millionenerfolge der Shah Rukh Khan-Filme für eine regelrechte Indien-Hysterie.

Auf der diesjährigen Berlinale kam es zu Ausnahmezuständen als der gerade einmal 1,70 Meter große Filmbeau den Roten Teppich betrat. Kein Wunder: Khan soll mehr weibliche Fans haben als die Kollegen Cruise, Pitt und Willis zusammen. Dank Wirtschaftaufschwung werden auch in der Zwölf- Millionen-Metropole Delhi Klamotten gekauft wie noch nie. Und Anlässe zum Herausputzen gibt es in Indien traditionell viele: Hochzeiten, Familienfeiern und noch mal Familienfeiern.

Und Europa zieht nach. Auf Fashionshows in Paris und London laufen grazile Schönheiten in glitzernden Saris, perlbestickten Kleidern und elfengleichen Kopftüchern über den Laufsteg. Nicht nur junge Modetrendsetterinnen wie der russische Tennisstar Maria Kirilenko tragen ihre Begeisterung für die Glitzersaris öffentlich zur Schau. In unzähligen Internetforen, bei Ebay oder YouTube wird die unbegrenzte Vielfalt, Pompösität und Wandlungsfähigkeit der Indien-Mode diskutiert, angepriesen und schwärmerisch ins Bild gesetzt.

Viele Konsumentinnen und Konsumenten sind bereit, für die modische Kleidung, die ihre Idole tragen, tief in die Tasche zu greifen. Hemden im Stils des Leinwandoutfits Shah Rukh Khans kosten in den Designerläden dieser Welt um die 250 Euro. Auch Hollywoodstars wie Cate Blanchett, Renée Zellweger und Diane Krüger flanieren gerne in indischen Stoffen. Modeschöpfer wie Roberto Cavalli, Giorgio Armani oder Oscar de la Renta wählen für ihre Modekleider glitzernde Stoffe und Stickereien. Die ausländischen Aufträge für die indische Modeindustrie erreichen spielerisch Milliardenbeträge.

Wirtschaftsboom auf schmalen Schultern?

Es besteht auch Grund zur Hoffnung, dass dieser Aufschwung nicht wieder einmal auf Kosten von Kindern oder Jugendlichen passiert. Vor allem die indische Regierung versucht, Kinder aus Fabriken zu holen, ihnen zu Schulbildung und Lebensunterhalt zu verhelfen. Hinzu kommen Initiativen von überwiegend internationalen Unternehmen. Sie investieren in Entwicklungsprojekte und schließen sich Kampagnen gegen Kinderarbeit an. Mit acht Prozent Wachstum sieht sich die indische Industrie einem enormen Entwicklungsprozess gegenüber, wie Eimar Barr vom UN-Kinderhilfswerk Unicef sagt. "Wie nutzen wir die Vorteile dieses massiven Wirtschaftswachstums so, dass jeder davon profitiert, auch die armen Gesellschaftsschichten? Das ist die Kernfrage", sagt der Unicef-Mitarbeiter. Das Problem ist, sicherzustellen, dass der Wirtschaftsboom nicht dazu führt, dass mehr Kinder von der Arbeit angezogen werden. Gerade immer mehr Prominente werden sich dieser Problemlage bewusst und engagieren sich öffentlich und massiv gegen Kinderarbeit, wie unlängst die Berliner Hip-Hop-Gruppe Culcha Candela.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker