60 Jahre Bikini Erfolgsgeschichte in zwei Teilen


"Er ist so klein, dass er alles über die Trägerin enthüllt bis auf den Mädchennamen ihrer Mutter", sagte einst Louis Réard über seine explosive Erfindung. Aus der Mode kam der Bikini nie, nun feiert er sein 60-jähriges Jubiläum.

Ganz in Gold zieht er in dieser Saison die Blicke auf sich: Der Bikini, den das deutsche Top-Model Eva Padberg auf Plakaten des Otto-Versands trägt, wirkt wie die perfekte Ergänzung zu ihrem wohlgeformten Körper. Damit fügt er sich nahtlos in die "Ikonographie" eines Kleidungsstücks, das fast alles den schönen Frauen verdankt, die ihn werbewirksam anzogen. 60 Jahre wird der Bikini in diesem Sommer alt. Und doch erscheint er im immer neuen modischen Gewand so jugendlich, sexy und spektakulär, dass auch die Oben-Ohne-Strände dieser Welt ihm nichts anhaben können.

Bond-Girl als Bikini-Grazie

Weltberühmt wurde die Schweizerin Ursula Andress, als sie 1962 in dem Film "James Bond - 007 jagt Dr. No" als Muscheltaucherin Honey Ryder tropfnass und schön wie eine Meeresgöttin den Fluten entstieg. Das Höschen zierte ein Militärgürtel mit Goldschnalle, an dessen Seite ein breites Messer steckte. Die Schauspielerin wirkte so verführerisch und selbstbewusst, dass das Publikum hingerissen war. Bis heute gilt Andress als Bikini-Grazie schlechthin. Über 40.000 Pfund erzielte vor fünf Jahren bei einer Versteigerung in London ihr legendärer Badeanzug, der nach ihren Vorgaben in einer Nachtschicht von der Kostümbildnerin zusammengenäht worden war. Andress selbst hatte ihn nach den Dreharbeiten eigentlich wegwerfen wollen.

Von ihrem Mythos zehrte noch vor vier Jahren die attraktive Oscar- Preisträgerin Halle Berry. Als Bond-Girl in "Stirb an einem anderen Tag" schreitet sie aus dem Wasser, allerdings im orangefarbenen Zweiteiler mit Triangel-Top. Doch ihr breiter weißer Gürtel mit großem Messer grüßt klar in Richtung ihrer Vorgängerin. Klar auch, dass Berry mit dieser Szene selbst zum Teil des kollektiven Bikini- Gedächtnisses werden sollte. Ähnlich einprägsam waren Bilder von Brigitte Bardot, Raquel Welch, Claudia Schiffer oder Heidi Klum.

Zuerst Badeverbot für Bikini

Der Spagat zwischen "nackt" und doch "angezogen" - das ist es wahrscheinlich, was den Bikini so spannend macht. "Er ist so klein, dass er alles über die Trägerin enthüllt bis auf den Mädchennamen ihrer Mutter", sagte Bikini-Erfinder Louis Réard. Als der Maschinenbauingenieur am 5. Juli 1946 im Pariser Nobelbad "Molitor" sein Modell erstmals vorstellte, hatte er für die Vorführung eine Nackttänzerin angeheuert. Kein Mannequin traute sich, die knappen Badekleider anzuziehen. "Plötzlich kam Micheline Bernardini mit dem Bikini-Badeanzug hervor, und alles hielt den Atem an. Es war so unerwartet, als wenn wir auf einen anderen Planeten gebracht worden wären", berichtete ein Journalist.

Réard hatte eine Medienbombe gezündet. Nicht umsonst nannte er seine Erfindung nach einem winzigen Pazifik-Atoll, auf dem die Vereinigten Staaten wenige Tage zuvor Nukleartests vorgenommen hatten und das daher in allen Schlagzeilen auftauchte. Zunächst erhielt der als schamlos empfundene Bikini vielerorts Badeverbot. Und das, obwohl es schon in der Antike zweiteilige Badekleidung gab. Doch Réards Bikini war der erste mit "Schnur"-Höschen und einem BH aus kleinen Stoff-Dreiecken. Sogar die Modezeitschrift "Vogue" ignorierte den Zweiteiler über Jahre und die katholische Kirche versuchte ihn sogar von Italiens und Spaniens Stränden zu verbannen. Erst in den freizügigeren 60er Jahren setzte er sich durch. Der busenfreie Einteiler "Monokini" hingegen, den der Designer Rudi Gernreich 1964 vorstellte, verschwand bald wieder von der Bildfläche.

Heute gibt es nur noch saisonale Modegefechte zwischen dem klassischen einteiligen Badeanzug und dem Bikini. Mal hat der eine, mal der andere Oberwasser. Doch das zählt kaum, besitzen doch viele Frauen beides. Und dank Eva Padberg erwarten den Bikini ohnehin goldene Zeiten.

Stefanie Schütte/DPA DPA

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