HOME

Angela Merkel: Das Kleid kennen wir doch!

Die Jacke ist auffällig, vor allem auffällig bunt: Angela Merkel erschien zu den Salzburger Festpielen mit einem Oberteil, das Opernfreunden seltsam bekannt vorkam. Sie trug es zum dritten Mal! Was bei Stars eine Sünde ist, geht bei Frau Merkel in Ordnung.

Von Jens Maier

Rote Streifen, die wie Blitze vor einem türkis-farbigen Hintergrund aufleuchten, daneben grüne Mosaik-Muster am Ärmel, gelbe Karos und rosa Bordüren: Dieses Oberteil bleibt in Erinnerung. Besonders, wenn es eine Bundeskanzlerin trägt. Und vor allem, wenn sie dies zum dritten Mal tut.

Angela Merkel war am Wochenende der Stargast der Salzburger Festspiele. Am Samstagabend schaute sie sich mit Ehemann Joachim Sauer die Uraufführung der Oper "Romeo und Julia" von Charles Gounod an. Vor dem Festspielhaus stieg sie in einem bunten Outfit aus ihrer Limousine. Ein Outfit, das vielen sehr bekannt vorkam. Es war exakt dasselbe, das sie bereits 2002 bei den Bayreuther Wagner-Festspielen an hatte.

Finden Sie es okay, dass Angela Merkel ihre Kleider aufträgt?

Tunika-Kleid im Kalifornien-Urlaub gekauft

Ein Regierungssprecher bestätigte, dass es sich um dasselbe Kleid handelte. "Frau Merkel hat das Tunika-Kleid bei einer Kalifornien-Reise gekauft und bereits 2002 bei den Bayreuther Festspielen getragen", sagte er der "Bild"-Zeitung. Was der Sprecher offenbar nicht wusste: Es war nicht das einzige Mal, dass Merkel die Jacke bereits getragen hatte.

Schon 1996, damals noch mit Kurzhaarfrisur, erschien sie so in Bayreuth. Und damit nicht genug. Das Kleider-Recycling setzte Merkel am Sonntagabend fort. Diesmal mit einem Kostüm. Opernfreunden kam der lila schimmernde Stoff sofort bekannt vor. Sie hatte das Kostüm schon 2007 in Bayreuth getragen.

Kleider-Recycling mit Methode

Das Kleider-Recycling hat bei Angela Merkel Methode. Immer wieder benutzt sie Garderobe aus dem Bestand ihres Kleiderschranks, um sie neu zu kombinieren. Selbst das Skandal-Kleid von Oslo, bei dem Merkel die Öffentlichkeit mit einem tiefen Dekolletee überraschte, war lediglich ein "Neuarrangement aus dem Bestand der Bundeskanzlerin", wie das Kanzleramt damals mitteilte.

Bei Stars ist das mehrmalige Tragen von Kleidern auf dem roten Teppich ein absolutes No-Go. Die Bundeskanzlerin tut es trotzdem. "An sich keine Sünde", meint Marcus Luft, Modechef der Zeitschrift "Gala". Grundsätzlich würde er eine Kanzlerin in Dior - ähnlich wie Carla Bruni in Frankreich - zwar schöner finden, doch eine pragmatische Kanzlerin sei ihm lieber, als eine Show-Frau. Problematisch sei etwas ganz anderes: "Ihre Outfits sind schlicht und ergreifend unvorteilhaft für ihren Körper. Da hilft auch mehrmaliges Tragen nichts", sagt Luft.

Dass die Kanzlerin nicht immer ein glückliches Händchen bei der Wahl ihrer Kleider bewiesen hat, zeigen Fotos aus der Vergangenheit: Hässliche Schwitzflecken unter den Achseln oder eine schwarze Federboa - schon oft sorgten Merkels Outfits für kontroverse Diskussionen. Ein Comeback ihres tiefen Ausschnitts, den sie bei der Opern-Eröffnung in Oslo trug, ist also nicht ausgeschlossen.