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Modewoche: Sneakers aus Milch, Goodie Bags für Obdachlose und mutige Mode: Das war die Fashion Week Berlin

Die letzten Jahre wollte man in der Modebranche nicht wirklich etwas von der Fashion Week Berlin wissen. Dieses Jahr ist das anders. Innovative Ideen wie Sneakers aus Milchprodukten und Goodie Bags für Obdachlose begeistern.

Models laufen über den Laufsteg auf der Show von Dawid Tomaszewski während der Fashion Week Berlin

Nicht nur die Messen, auch die Shows auf der Fashion Week waren gut besucht. Wie hier die Laufsteg-Präsentation von Designer Dawid Tomaszewski.

DPA

Der Hauptsponsor Mercedes Benz zog sich 2018 deutlich von der Fashion Week zurück; Designer wie Michael Michalsky blieben der deutschen Modewoche ebenfalls fern; auch Blogger und Influencer sprachen sich öffentlich gegen die Veranstaltung aus. Die vergangenen Jahre war die Fashion Week in Deutschland kein besonders angesagter Ort zum kreativen Austausch oder zur Inspiration. Das ist in diesem Jahr anders: Die Designer nutzten die Modewoche wieder, um sich Promis, Influencern und Medienvertretern zu präsentieren, die Besucherzahlen stiegen an und insgesamt schien man wieder Lust zu haben sich modisch auszutauschen. Erstmals seit drei Jahren zeigte auch Kilian Kerner wieder Designs in Berlin – mit deutlichen Botschaften.

Ein Fazit der Modewoche: Es gibt bei der Messe "Panorama" einen Besucherrekord zu verzeichnen. Im Vergleich zur vergangenen Wintersaison sei sie bereits am Eröffnungstag um zwanzig Prozent gestiegen, teilten die Veranstalter mit. Von den Zweifeln, die zuletzt immer wieder an der Berechtigung traditioneller Modemessen geäußert wurden, sei wenig zu spüren. Über 600 Aussteller hatten sich auf der Panorama-Messe mit aufwändigen Ständen besonders ins Zeug gelegt und die Besucher beeindruckt. 

Modische Innovationen auf der Fashion Week Berlin

Insgesamt hatten sich Veranstalter, Aussteller und Designer dieses Jahr besonders bemüht, innovativ zu sein. Ein Beispiel: Erstmals in den zwölf Jahren Fashion-Week-Geschichte haben sich vier Hochschulen zusammengetan, um Arbeiten ihrer Absolventen auf dem Laufsteg zu präsentieren. Bei "Neo Fashion" gab es daher kreative Designs und kunstvolle Looks zu sehen, die zwar in der Alltagsgarderobe fehl am Platz sind, aber dem Mode-interessierten Publikum ein breites Design-Spektrum aufzeigten. Es war außerdem die längste Fashion Show der Modewoche: Sie dauerte ganze zwei Stunden.

Ein weiteres Highlight der Fashion Week: Auf der NEONYT-Messe sorgten Sneakers aus recycelten Milch-Bestandteilen für große Augen. Das nachhaltige Label "nat-2" hat einen Schuh aus komplett natürlichen Materialien entwickelt. Auf der Website des Labels wird erklärt, wie das funktionieren kann: "Unser Produktionspartner entwickelte ein Biopolymer bestehend aus dem Milcheiweiß Kasein. Das Kasein wird aus Rohmilch hergestellt, die nicht mehr verkehrsfähig ist und nach gesetzlichen Regelungen nicht als Lebensmittel verwendet werden darf. Zwei Millionen Tonnen Milch werden in Deutschland jährlich entsorgt! Wir verwerten einen Rohstoff, der unvermeidbar anfällt und bisher nicht genutzt wurde. Schon gar nicht für Schuhe." Das Label ist bekannt für seine nachhaltigen High-End-Sneaker.

Schuhe aus recycelbarem Material von nat-2

Die Brand nat-2 ist für nachhaltige High-End-Sneaker bekannt. Die Sneakers aus Milchprodukten sind die neueste Idee.

Goodie Bags für Obdachlose

Viele Influencer, Promis und andere Besucher zeigen sich auf Veranstaltungen wie der Fashion Week gern mit Goodie Bags in der Hand: Geschenktüten der Labels und Veranstalter mit modischen Aufmerksamkeiten. Die Obdachloseninitiative "One Warm Winter" hat in diesem Jahr zusammen mit der Modemesse SEEK ganz besondere Goodie Bags erstellt: Aus gespendeter Kleidung gibt es die erste modische Geschenktüte für Obdachlose, die "One Warm Winter Give Bag". Vorab riefen die Initiatoren ausstellende Modelabels auf, Kleidung aus ihren Lagerbeständen und früheren Kollektionen zu spenden. Und auch Messebesucher, Influencer und Fashionistas hatten während des dreitägigen Mode-Events die Möglichkeit, den vor dem Messegelände aufgebauten Schiffscontainer mit Kleidung zu füllen.

Die vollgepackten Taschen werden am 23. Januar auf dem Neujahrsempfang der Obdachlosen an Bedürftige verschenkt. Dominic Czaja von "One Warm Winter" findet: "Mit der Give Bag setzt die Fashion-Branche ein wichtiges Zeichen in puncto Bewusstsein und Nachhaltigkeit. Endlich kommt in die Tüte, was in der Industrie häufig auf der Strecke bleibt: Nächstenliebe."

Verwendete Quellen: Website der Fashion Week Berlin / Website "nat-2" / Website "One Warm Winter"