Die müssen Sie kennen Solange Azagury, Schmuckdesignerin


Der ehemalige Gucci-Chef Tom Ford machte sie zum neuen Star beim Luxus-Juwelier Boucheron, jetzt wagt sie sich an Massenware: Die Britin Solange Azagury steht hinter der ersten Designer-Schmuckkollektion von H &M.

Nein, sie mag es nicht, im Mittelpunkt zu stehen, vor den Kameras der Weltpresse schon gar nicht. Viel lieber bleibt sie in ihrem Laden in der Londoner Westbourne Grove, da sind Wände wie Böden mit rotem Samt und roter Seide ausgeschlagen, schummerig-schön wie im Inneren einer Schmuckschatulle. Doch mit der pränatalen Atmosphäre ist jetzt Schluss, da kann Solange Azagury ihre braunen Rehaugen noch so verängstigt aufreißen. Sie wird demnächst die erfolgreichste Schmuckdesignerin der Welt sein, Punkt.

Vom 25. November an bringt nämlich der schwedische Bekleidungskonzern Hennes & Mauritz eine Kollektion mit rund 40 von ihr entworfenen Schmuckteilen heraus, in 22 Ländern und einer ähnlichen Dimension wie die "Lagerfeld for H & M"-Stücke aus dem Vorjahr.

Entstanden war die Idee im Frühjahr bei den H & M-Strategen in Stockholm und dies aus zweierlei Gründen: Das Weihnachtsgeschäft ist wichtig wie in jedem Jahr, und Schmuck hat als Accessoire in der Mode an Bedeutung gewonnen. Der Kontakt zu Solange Azagury war dann fast logisch: Denn Rot, so wie die Weihnacht und die Liebe, sollte die Kollektion werden, und wenn jemand ein Faible für diese Farbe hat, dann ja wohl sie.

Die 44-jährige Engländerin mit dem französisch-baskischen Namen gilt in der Branche als eine Art Kronjuwel, seit sie im Oktober 2001 als Kreativdirektorin beim ehrenwerten Pariser Juwelier Boucheron anheuerte. Der gehört seit 2000 zur Gucci-Group, und so war es Tom Ford, der sie engagierte, um das verstaubte Traditionshaus bei einer jüngeren Klientel wieder zum Funkeln zu bringen.

Azagury gehört nämlich zu jener Generation von Schmuckdesignern, deren Entwürfe der Branche einen Weg in die Zukunft weisen. "Was Schmuck zu sein hat und wie er aussehen soll, darüber gibt es keine feste Vorstellung mehr", sagt sie. "Auch die Art, ihn zu tragen und zu kaufen, ist spielerisch geworden, Schmuck soll heute auch mal lustig sein, auffällig." Also entwirft sie "Giftringe" mit Geheimfach, Fassungen aus schwarzem Gold und arbeitet mit ungeschliffenen Diamanten. "Schmuck kann man aus allem machen", sagt sie, "selbst aus Plastik oder Steinen am Strand."

Inzwischen hat sie es zu illustrer Kundschaft (Nicole Kidman, Jude Law, Madonna, et cetera) und kulturellen Ehren gebracht: Ihre Arbeiten waren im Britischen Designmuseum zu sehen, im Pariser Musée des Arts Decoratifs gehören sie zur ständigen Ausstellung.

Nach fast drei Jahren verließ sie 2004 Boucheron - in den Zügen zwischen London und Paris fühlte sich die zweifache Mutter nicht so wohl wie in ihrem kuscheligen Laden. Der H & M-Auftrag kam ihr gerade recht. Mit Ausnahme des Farbdiktats ließ man ihr nämlich freie Hand bei ihren Entwürfen; das H & M-Atelier kümmerte sich um die Herstellung. Dass sie für die Massenschneider aus Schweden nicht mit dem edelsten Gestein arbeiten würde, damit konnte sie sehr gut leben: "Ich bin froh, wenn ich mal eine Zeit lang keine Diamanten sehen muss."

Dirk van Versendaal print

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