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Karstadt New Generation Awards: Neue Schneider braucht das Land

In Berlin leben, zwischen 20 und 40 Jahre alt sein und Kleider mit erkennbarer Philosophie entwerfen - das sind die Kriterien, die die Designer erfüllen müssen, um für den Nachwuchspreis der Berlin Fashion Week nominiert zu werden. stern.de stellt die Kandidatinnen vor.

Von Stefanie Luxat und Cathrin Dobelmann

Kaviar Gauche

Kaviar Gauche

Das passt aber auch alles so wunderbar zusammen bei Kaviar Gauche: Kaum ist das neue Label aus Berlin 2003 von Alexandra Fischer-Roehler, 31, und Johanna Kühl, 27, gegründet, landet es schon im Herzen von Schauspielerin Heike Makatsch, die prompt für Bekanntheit sorgt. Die Lederhandtaschen in Halbmond-Form werden im Nu zum It-Bag. Glamouröse Auftritte berühmter Stars wie Charlize Theron und Brittany Murphy in Kaviar Gauche-Couture tun ihr übriges für das Label der beiden Esmod-Absolventinnen. Doch die Geschichte von Kaviar Gauche handelt nicht nur von Glamour, sie hat auch Substanz: Was 2003 mit einer Guerilla Fashionshow vor dem Kaufhaus Colette in Paris anfing, wurde stetig fortgesetzt: Zum Beispiel 2006 in London, mit der Präsentation ihrer Sommer 2007-Kollektion und der Auszeichnung mit dem "Visionary Award". Ende 2006 feierte das Label seinen derzeitigen Höhepunkt: Die Designerinnen gehören zu den Finalisten des "Swiss Textile Award", einem der wichtigsten europäischen Modepreise. Ihre Kollektionen gibt es mittlerweile in New York, Tokio, London, Paris - in insgesamt 10 Ländern zu kaufen. Für den Kosmetikhersteller Dr.Hauschka haben sie gerade ein multifunktionales Ledertäschchen designt. Und dann hat Alexandra Fischer-Roehler, wie man unschwer am Doppelnamen erkennen kann, auch noch den Film-Regisseur Oskar Roehler ("Elementarteilchen") geheiratet. Es bleibt glamourös.

www.kaviargauche.com

Lala Berlin

Lala Berlin

Die Siegerin. Ach nein, doch nicht. Was für ein Versehen: Am 7. Juni verschickt die PR-Frau der LalaBerlin-Designerin Leyla Piedayesh eine Pressemitteilung, in der es heißt: "Lala Berlin gewinnt den Karstadt New Generation Award". Sechs Tage später folgt die Richtigstellung per E-Mail: "LalaBerlin hätte selbstverständlich NICHT gewonnen, sei nur mit vier weiteren nominiert." Seltsam. Ob die Gewinnerin (es sind ausschließlich Frauen nominiert) des Karstadt New Generation Awards bereits fest steht oder jemand nur ein bisschen zu lala im Kopf war, man weiß es nicht. Zumindest nicht vor kommenden Sonntag, wenn der Preis um 10 Uhr in Berlin überreicht wird. Doch egal, ob das Designerlabel LalaBerlin gewinnt oder nicht, den Erfolg der ehemaligen MTV-Redakteurin Leyla Piedayesh, 36, wird das sicher kaum beeinflussen. 2004 zeigte die Berlinerin mit iranischer Herkunft ihre erste Strickkollektion auf der Modemesse Premium in Berlin. In kürzester Zeit wurde ihr Spitzname Lala durch die Kollektion, die nach eigenen Angaben "eine Mischung aus Großstadt-Couture mit viel Herz und High-End-Strick" ist, zur Designer-Marke, die mittlerweile international für Interesse sorgt. 2006 hat LalaBerlin die erste eigene Boutique in Berlin eröffnet und ist mittlerweile in mehr als 60 Läden weltweit erhältlich. Zur prominenten Fangemeinde gehören unter anderem Claudia Schiffer, Mark Owen und Christiane Paul. www.lalaberlin.com

Macqua

Macqua

Eigentlich wurde Meike Vollmar regelrecht zum Modemachen gezwungen. Nicht mit Gewalt, sondern aus der Not heraus, nichts Passendes zum Anziehen zu finden. Bei einer Körpergröße von 1,90 Meter blieb der heute 29-jährigen nur noch der Selbstversuch an der Nähmaschine. Und der glückte. Seit drei Jahren betreibt sie nun ihr eigenes Label Macqua. Die Mode ist ein Mix aus Grunge und Luxus, lässig elegante Kleider aus Jersey oder Seide, die mit strengen Elementen wie Leder und rauen Schnürungen gebrochen werden. "Wenn ich von zuviel Luxus umgeben bin, habe ich das Bedürfnis nach Trash", erklärt die Designerin, die bereits 2004 zu den Finalisten des Mode-Nachwuchspreises von Moet & Chandon gehörte. Sie selbst bezeichnet sich als "Anti-Chamäleon", als jemand, der Anpassung ablehnt und sich von Gegensätzlichkeiten angezogen fühlt. Kein Wunder, dass ihre Heimatstadt Berlin gleichzeitig wichtigste Inspirationsquelle ist. In einem kleinen Atelier in der Oderberger Straße am Prenzlauer Berg entstehen ihre Entwürfe, die mittlerweile in weltweit 20 Geschäften verkauft werden. Neben Deutschland und Italien hängen die Macqua-Klamotten vor allem in Japan.

www.macqua.com

Talkingmeanstrouble

Talkingmeanstrouble

Für Andrea Hartwig sind unnötige Details wie überflüssige Worte. Modischen Firlefanz, den mag die Berliner Designerin nicht. Zumindest nicht mehr. Denn nach der Trennung von Partnerin Sarah Elbo, mit der sie 2003 das schrille Modelabel "Hartbo+L'wig" gegründet hatte, geht Hartwig seit zwei Jahren eigene Wege. Die 27-Jährige entwirft unter dem etwas umständlich lang klingenden Namen Talkingmeanstrouble elegante Kleider aus fließenden Stoffen, die Ton in Ton aufeinander abgestimmt sind. Harmonie statt lauter Dissonanz - deutlicher hätte die Abgrenzung zum Ex-Label kaum sein können. Für ihre zweite Karriere mit der "TMT"-Linie hat sich die Esmod-Absolventin Schwester Bianca, 29, ins Boot geholt, die sich vor allem um Finanzen, Logistik und den eigenen Shop in der Alten Schönhauser Straße in Mitte kümmert. Dass Mode nicht immer laut sein muss, werden die Hartwig-Geschwister am kommenden Sonntag während des Karstadt New Generation Award unter Beweis stellen können. Es ist ihre erste große Modenschau, von der sie sich die nötige Aufmerksamkeit von deutschen und internationalen Einkäufern und Journalisten erhoffen. "Eine der regulären Schauen, für die man einen fünfstelligen Betrag hinlegen muss, hätten wir nicht auf die Beine stellen können", muss Andrea Hartwig zugeben, "Aber auch ohne zu gewinnen, ist dieser Award eine riesige Chance für uns".

www.talkingmeanstrouble.com