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Designer-Kleidung für Muslima Warum Dolce&Gabbana aufs Kopftuch setzen

Dolce&Gabbana
Schick mit Schleier: Abaya-Kollektion nennt Dolce&Gabbana seine Modelinie, die sich an muslimische Frauen wendet.
© Hersteller
Islam-Mode kann mehr als Kopftuch: Dolce&Gabbana haben eine Kollektion aus traditionell islamischer Kleidung auf den Markt gebracht - und damit eine hitzig Diskussion ausgelöst.

Mit einer Hochglanz-Kampagne fing alles an: Anfang des Jahres lancierte das italienische Modehaus Dolce&Gabbana eine komplett Islam-konforme Kollektion mit fein bestickten langen Gewändern, den Abayas. Auch Teil der limitierten Linie: Hidschabs, also der typische Kopf- und Brustschleier der Frauen, mit Blumenmustern. Traditionelle Schnitte treffen hierbei auf feine Seide und filigrane Spitze. Die moderne Muslima trägt D&G und sendet damit eine klare Botschaft: Religiöse Kleidung kann auch trendbewusst sein.

Auch das schwedische Modehaus H&M zeigte in einem Werbespot erstmals ein Model mit Kopftuch, weitere westliche Modehäuser wie DKNY, Tommy Hilfiger und Mango brachten in der Vergangenheit Muslim-Fashion-Kollektionen heraus. Die Stücke waren limitiert und meist um den Fastenmonat Ramadan in den Läden erhältlich. Die Absatzzahlen zeigen aber: Es besteht das ganze Jahr über Bedarf nach Hidschabs und Co.

Sind Muslima-Gewänder bald neben Bikinis zu finden?

Die Islam-Kollektionen finden jedoch nicht überall Anklang. Kritische Töne kommen mitunter aus Frankreich. Dort herrscht ein umstrittenes Burka-Verbot und schon seit 2004 darf die religiöse Zugehörigkeit nicht mehr offen an Schulen zur Schau gestellt werden. Diese Gesetze zielen vor allem auf islamische Frauen und Kinder ab. Eine deutliche Gegenbewegung zu Dolce und Gabbana’s Kollektion, die genau diese offene Präsentation religiösen Glaubens fördert und bestärkt.

Die französische Sozialistin Laurence Rossignol, Ministerin für Familie, Kinder und Frauenrechte nannte Firmen wie H&M und D&G in einem Interview mit dem Radiosender RMC "unverantwortlich", da sie Islam-Mode für den Westen produzieren und vertreiben und damit das Einsperren des weiblichen Körpers befürworten und unterstützen würden. Zu dem Argument, dass Frauen diese Kleidung aus freien Stücken trügen, gab die Ministerin einen Satz von sich, den sie bereuen sollte: "Es gab auch amerikanische Neger, die für Sklaverei waren." Für diesen Kommentar erntete sie einen riesigen Shitstorm.

Das Kopftuch als "religiöser Imperativ"

Auch aus der Modewelt gibt es Gegenstimmen: Pierre Bergé, langjähriger Partner des Modeschöpfers Yves Saint Laurent, findet Muslima-Fashion "skandalös“ und sagt: "Ich dachte immer, dass ein Modeschöpfer dazu da sei, Frauen schöner zu machen, ihnen Freiheit zu geben, und nicht Komplize dieser Diktatur zu sein, die Frauen dazu zwingt, sich zu verstecken. Verzichtet auf Geld, habt Überzeugungen!“ Es scheint, als könne man von YSL so schnell keine Abaya-Kollektion erwarten.

Auch die deutsche Politik meldet sich zu Wort: Volker Beck von den Grünen sieht das Kopftuch als "religiösen Imperativ“. Passt ein Schleier, der für viele das Symbol für weibliche Unfreiheit ist, überhaupt in die Fashionwelt? Eigentlich geht es bei Mode doch um die freie Entfaltung und das nach-außen-Tragen der eigenen Persönlichkeit - und um Milliarden-Umsätze.

Muslimischer Mode-Markt ist riesig

Designer und Einzelhandel sehen in dem medienwirksamen Launch von Muslima-Mode für die rund 1,6 Milliarden Muslime weltweit einen, von westlichen Marken, bisher unerschlossenen Markt. Von diesem Kuchen wollen viele als Mode-Labels ein Stück abbekommen. Denn laut eines Reports über islamische Wirtschaft von Thomson Reuters und Dinar Norm haben Muslime im Jahr 2013 weltweit Kleidung und Schuhe im Wert von etwa 266 Milliarden Dollar gekauft. Für das Jahr 2019 wird einen Anstieg auf zirka 484 Milliarden Euro erwartet. Damit stellen Muslime die Konsumentengruppe, mit dem größten wirtschaftlichen Absatzwachstum dar, denn laut dem Nachrichtendienst Al Jazeera sollen bereits 2020 etwa 29 % der Weltbevölkerung muslimischen Glaubens sein.

"Modest clothing" gefragter als Hidschabs

Was aber wünschen sich diejenigen, die es wirklich etwas angeht: junge Muslime, die den Trends folgen und trotzdem ihrem Glauben treu bleiben möchten? Die amerikanische Cosmopolitan hat fünf junge Frauen zu genau diesem Thema befragt und eine zündende Idee ergab sich aus den Interviews: die Frauen wünschen sich mehr „modest clothing“, also schlichte, nicht trend-orientierte oder körperbetonte Mode in den gängigen Läden wie zum Beispiel Maxikleider oder lange Röcke. Hidschabs trügen die meisten sowieso nur zu besonderen Anlässen.

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Martyna Rieck/Grazia

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