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Interview

CEO von Manolo Blahnik: Kristina Blahnik: "'Sex and the City' war ein echter Glücksfall für uns"

Kristina Blahnik leitet seit 2010 das Schuh-Imperium ihres Onkels Manolo. Im Gespräch mit dem stern verrät sie, wie es zur Zusammenarbeit mit "Sex and the City" kam und wie sich die Marke unter ihrer Führung entwickeln soll.

Kristina Blahnik ist die Nichte von Manolo Blahnik

Kristina Blahnik kennt das Unternehmen ihres Onkels Manolo seit sie sechs Jahre alt ist

Frau Blahnik, wie ist Ihre Beziehung zu Manolo Blahnik, dem Gründer des Unternehmens?

Er ist mein Onkel, der Bruder meiner Mutter. Und das ist er auch heute noch, viel mehr als mein Geschäftspartner. Ich nenne ihn sogar noch im Büro "Onkel Lollo", weil ich damals nicht Manolo sagen konnte. Daran hat sich also nichts geändert. Unser Business ist kein Unternehmen, es ist eher wie eine riesige Familie. So will ich es auch weiterführen. Obwohl wir heute natürlich viel größer sind als zu Beginn, wo nur sechs Leute beschäftigt waren. Jetzt sind wir fast 200. Unter anderem, weil wir im Juli eine Fabrik in Mailand gekauft haben. 

Kein Vergleich zu früher.

Wirklich nicht. Ich bin mit sechs Jahren mit meiner Mutter nach England gezogen und ich war jeden Tag nach der Schule dort. Ich bin sozusagen in einem Schuhkarton aufgewachsen. Meine Mutter und mein Onkel haben alles gemacht: Schuhe verkauft, ausgepackt, wenn sie von den Fabriken gekommen sind, Pressearbeit, Interviews. Und nach der Schule so gegen 15 Uhr habe ich meine Hausaufgaben oben gemacht, dort im Büro. Das war mein Leben bis ich zwölf Jahre alt war. Es war mein Zuhause. 

Eigentlich sind Sie aber Architektin. Wie kam es, dass Sie ins Unternehmen wechselten?

Ich habe immer während der Ferien im Geschäft geholfen. Mein Herz gehört dem Design. Egal, ob Schuhe, Interior, Architektur oder etwas anderes. Das ist meine Leidenschaft. Als ich 18 Jahre alt war, habe ich mich dann entschieden, weil ich großes Interesse an Mathematik und Design habe, dass ich Architektur studiere. Und was ich als Architektin gelernt habe, ist nicht nur das Strukturieren, oder Proportionen, sondern auch vieles in Sachen Management. Als Architekt muss man vorhersehen, wie etwas, das man heute skizziert, später aussehen soll. Eine Brücke von der Idee zum Endergebnis bauen. Mit Wörtern oder Skizzen. Wenn man eine Vision hat, muss man mehreren Leuten erklären können, wie sie aussehen soll. Und das ist auch heute noch meine Aufgabe: dass ich Visionen sichtbar mache, erkläre, aufschreibe, aufzeichne. Das habe ich als Architektin gelernt. 

Was sind Ihre Visionen für die Marke?

Allem voran steht der Erhalt, das Verteidigen unserer Werte. Ich möchte, dass der Name Manolo Blahnik auch in 100 Jahren noch für das Gleiche steht: Design, Schönheit, Komfort, Integrität, Ehrlichkeit. Nicht nur in Sachen Schuhe, auch in anderen Bereichen. 

Der "typische" Manolo-Blahnik-Schuh gehört sicher auch dazu, er findet sich in jeder Kollektion wieder. 

Genau, eine ungezwungen elegante Silhouette. Eine verhältnismäßige Perfektion gepaart mit Komfort. Der eine, den du siehst und fühlst. Das ist der klassische Schuh von Manolo Blahnik.

Bekannt geworden ist das Unternehmen ja vor allem durch "Sex and the City" und eben diesem klassischen Schuh. Carry Bradshaw trug ihn sogar bei der Hochzeit mit "Mr. Big". Wie kam es dazu?

Völlig zufällig. Wie Schicksal. Es sollte so passieren. Candace Bushnell, die Autorin der Bücher, hatte eine Passion für Manolo Blahnik. Das hat sie auch in ihren Bücher geschrieben. Und dann ist die Marke auch in der Serie gezeigt worden. Es war nicht wie heute durch Product Placement. Es wurde nichts dafür bezahlt. Es passierte einfach durch die Leidenschaft der Autorin.

Also ein Glücksfall.

Ja, ein echter Glücksfall. Wir hatten Glück.

Die beste Werbung, die man haben kann.

Definitiv.

Was ist denn für die Zukunft noch geplant?

Manolo Blahnik: Der typische Schuh

Den typischen Manolo-Blahnik-Schuh und alle weiteren Modelle aus der aktuellen Kollektion gibt es in Deutschland nur an fünf Verkaufspunkten, drei davon sind bei den APROPOS The Concept Stores in Hamburg, München und Köln

Wir haben viel vor. Wir haben gerade unsere eigene Fabrik gekauft. Eine Möglichkeit, mehr zu lernen, mehr mitzubekommen aus der Produktion. Wir wollen nun auch sehen, wie wir etwas zurückgeben können. Wie wir Leuten helfen können, etwa mit Charity-Projekten. Wir arbeiten etwa mit einer Organisation, die sich für Hunde engagiert, die liegen meinem Onkel sehr am Herzen. Ein weiteres Projekt ist es, den Leuten zu zeigen, was wir schon alles erschaffen haben. Modelle aus den 70ern zu präsentieren, dass die Menschen davon lernen können, von unserer Erfahrung und Geschichte. 

Manolo Blahnik selbst ist auch noch stark involviert?

Ja, er ist der Patriarch. Er ist noch sehr stark dabei, klar. 

Was, wenn Sie oder Ihr Onkel nicht mehr dabei sind? Wer könnte es weiterführen?

Wir wollen weiterhin alles als Familie aufbauen. Die Kultur und Werte sollen beibehalten werden. Es ist eine große Aufgabe, so ein Unternehmen weiterzuführen. Man muss sein ganzes Herzblut hineinstecken. Es ist spannend, so etwas zu Lebzeiten erleben zu dürfen. Wer das später machen soll, ist jetzt natürlich noch nicht klar und auch kein Thema. Es ist ja noch ein langer Weg bis dorthin. Meine Stieftöchter sind sieben, wer weiß, ob sie daran Spaß hätten.