Mode Glamourös und elegant


Die Pariser Mode ist tragbarer geworden, mit Anleihen aus ost-europäischer Folklore und japanischer Fischerei. Für den Glamour sorgen die Stars aus Hollywood - allen voran Sharon Stone.

Wie eine Bienenkönigin schwirrt Sharon Stone in den Saal. Umgeben von einem summenden Schwarm aufgeregter Journalisten und Fotografen hatte die Hollywood-Diva am Dienstagabend in Paris Mühe, in die erste Sitzreihe der Modenschau ihres neuen Werbepartners Dior zu gelangen. Die Szene zeigt, dass die französischen Prêt-á-Porter-Schauen in dieser Saison deutlich an Glamour gewonnen haben. Ungewöhnlich lang war die Warteschlange vor den Defilees, prall gefüllt die Reihen, launig die Stimmung.

Schon die Kulisse ließ die Schau von Dior-Designer John Galliano für Frühjahr/Sommer 2006 zum Ereignis werden: Unter der grandiosen Glaskuppel des frisch renovierten Grand Palais schritten die Models über einen schier endlos lang scheinenden Laufsteg. Ihre Kleider wirkten frisch, hübsch und sexy. "Nude" hatte Galliano als farbliches Motto ausgegeben: Hautfarbener Chiffon, manchmal mit Abstufungen in Orange oder Pink, umschmeichelte die Modelkörper wie ein Schleier. Schmale Seidenkleider waren mit Spitze besetzt oder mit Jetperlen bestickt, dazu gab es scharf geschnittene Trenchcoats oder bauschige Ledermäntel mit riesigen Knöpfen. Gebrochen wird die Zartheit der Gewänder durch Jeansjacken mit Leder oder punkartige Hosen mit Netzbesatz.

Neue Tragbarkeit

Nach der Schau lud Dior zur großen Wien-Ausstellung. Und da standen die Besucher vor dem Gustav-Klimt-Gemälde "Nuda Veritas" von 1900 - der "nackten Wahrheit". Doch selbst wenn sich Galliano von der dort dargestellten schönen Unbekleideten mit Blüten im Haar vielleicht hat inspirieren lassen, den Spruch über dem Bild hat er sich nicht zu Herzen genommen. "Vielen gefallen ist schlimm" steht da unter anderem. Doch vielen gefallen wird der einstige "junge Wilde" der Modewelt mit dieser Kollektion auf jeden Fall.

Auch der wohl dienstälteste "Wilde" der Szene, Jean Paul Gaultier, propagierte Tragbarkeit. Seine Entwürfe stehen im Zeichen östlicher Folklore: Weiße Bauernblusen mit folkloristischen Stickereien in Rot und Schwarz, Häkelspitze und goldgelbe, durch Rüschen, Volants und Raffungen aufgeplusterte, Blütenkleider. Ein Kleid aus Ähren und kunstvolle Kopfbedeckungen mit Stoffblüten, Kirschen und Schleifen erzeugten bei manchem Zuschauer dieser ebenfalls rappelvoll besetzten Schau allerdings das Gefühl, gleich würde die Erntekönigin gekrönt. Gaultier kontrastiert das ländliche Element mit urbanem Business-Look, perfekt sitzenden Nadelstreifenanzügen und engen Woll-Kostümen.

Japanische Roben aus Bambus

Sommerlich Leichtes war bei Issey Miyake zu sehen. Einige Entwürfe waren dem Element Wasser gewidmet, als meerblau gemustertes Trägerkleid oder schwarzes Fischnetz-Gewand. Andere waren von japanischen Landschaftszeichnungen inspiriert mit schmalen beigefarbenen Kostümen mit grünem Blattmuster. Alles fließt hier ruhig dahin. Als Eyecatcher schickte Miyake-Designer Naoki Takizawa zum Schluss ein Kleid aus Korsett- und Krinolinenstägen über den Laufsteg. Dieses "Kleidergerüst" wirkte wie eine poetische Robe aus Bambus.

Die Sanduhr-Silhouette propagiert die italienische Marke Costume National. Corsagenkleider in Weiß, Grau oder leuchtendem Rot sind knapp auf Figur geschneidert. Kostbar wirken kunstvolle Stickereien oder glitzernde Jetperlen in dunklem Blau. Die Taille wird mit einem breiten Gürtel betont. Rasant geschnittene Hosen in Schwarz oder Smaragdgrün und zarte farblich abgestimmte Chiffonblusen sowie glänzende Trenchcoats verleihen dem von Designer Ennio Capas gezeichneten Bild einer "Femme Fatale" Jugendlichkeit, Frische, Sexyness - fast wie bei Dior.

Stefanie Schütte/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker