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John Galliano vor Gericht Seine Sucht machte ihn zum Hitler-Freund


"Ich habe eine Sucht." John Galliano hat sich in Paris vor Gericht zu seinen rassistischen Pöbeleien geäußert. Er beteurte, kein Antisemit zu sein. An den verbalen Aussetzern seien seine Tabletten- und Alkholsucht schuld gewesen.

"Dreckiges Judengesicht, Du solltest tot sein!", soll er gesagt haben. Oder auch "Ich liebe Hitler." Klingt nach den Sprüchen eines Neo-Nazis, doch sie stammen von einem exzentrischen Modedesigner, der auch schon mal in Unterhosen auf dem Laufsteg stand. Der britische Modeschöpfer John Galliano muss sich seit Mittwoch wegen angeblicher Nazi-Pöbeleien vor einem Pariser Gericht verantworten. Dem 50-Jährigen wird in zwei Fällen die schwere Beleidigung von Besuchern einer Brasserie vorgeworfen.

"Ich habe eine Sucht", gab Galliano vor dem Strafgericht in seiner Wahlheimat Paris zu. Er sei von Alkohol, Schlafmitteln und Valium abhängig, nun allerdings "auf dem Wege der Genesung", sagte Galliano, der gerade eine zweimonatige Entziehungskur in die USA hinter sich hat. Der exzentrische Brite war in einer weiten schwarzen Hose und einer dunklen Jacke erschienen, trug dazu ein Tuch um den Hals. Die Haare sind noch immer lang, er trägt sie offen.´An die bösen Vorfälle in einem Pariser Cafe im Februar, will sich Galliano aber nicht mehr erinnern können. "Ich erinnere mich nicht mehr genau daran, was vorgefallen ist", sagte er.

Galliano nach Schicksalsschlägen aus der Bahn geworfen

Im Februar pöbelte der britische Modeschöpfer in einer Kneipe im Schwulen- und Szeneviertel Marais ein Pärchen an und beschimpfte es nach dessen Aussage unter anderem als "dirty jewish face" ("dreckige Judenfresse"). Als das Paar ihn bei der Polizei anzeigte und der Vorfall bekannt wurde, meldete sich eine Frau, die Galliano bereits im Oktober noch derber beschimpft und beleidigt haben soll. Zeitgleich geriet ein Video in Umlauf, in dem der Designer sagt: "Ich liebe Hitler."

Galliano sagte, er habe in den vergangenen Jahren - vor allem nach dem Tod seines Vaters im Jahr 2005 und dem Tod eines sehr engen Freundes zwei Jahre darauf - unter enormem beruflichem Druck gestanden und immer mehr getrunken. Um trotz seiner ständigen Reisen und der vielen Arbeit schlafen zu können, habe er Tabletten eingenommen, an die sein Körper sich mit der Zeit gewöhnt habe. "Bisweilen habe ich sogar tagsüber schon welche genommen", sagte Galliano, der jahrelang gefeierte Designer des französischen Traditionshauses Dior. "Ich habe erst in meiner Entziehungskur begriffen, wie tödlich diese Mischung war."

Urteil wird in einigen Wochen gefällt

Der exzentrische Brite ist seit dem Skandal um die Vorwürfe arbeitslos. Das Modehaus Dior, das auch das Label "John Galliano" kontrolliert, setzte ihn Anfang März vor die Tür. Viele Weggefährten glauben unterdessen nicht, dass Galliano wirklich ein Hitler-Verehrer und Judenhasser ist - vor allem weil der Brite als Schwuler selbst zu einer von den Nazis verfolgten Minderheit gehört. Nach dem Dior-Rausschmiss berichteten etliche Branchenkollegen zudem über Gallianos Trunksucht sowie Schwierigkeiten, sich in der Realität zurechtzufinden.

Das Pariser Gericht wird sein Urteil in einigen Wochen fällen. Auf öffentliche rassistische Beleidigungen stehen in Frankreich bis zu sechs Monate Haft und 22.500 Euro Geldstrafe. Gefängnisstrafen werden allerdings nur äußerst selten für ein solches Delikt verhängt.

mai/AFP/DPA DPA

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