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Rohstoffe, Lieferketten und Co.: Fair Fashion: Ab wann gilt Mode eigentlich als nachhaltig?

Nachhaltige oder grüne Mode, Eco oder Fair Fashion: Diese Begriffe hat fast jeder schon mal gehört. Aber was muss erfüllt sein, damit Mode wirklich nachhaltig ist?

Nachhaltige Mode: Was ist das?

Fair Fashion: Was genau ist das eigentlich? Reichen recycelte Stoffe aus, damit Mode nachhaltig ist?

Grüne oder nachhaltige Mode, Fair oder Eco Fashion: Diese Begriffe hat sicher jeder schon mal irgendwo gehört. Und oftmals gibt es ein gutes Gefühl, wenn man Mode kauft, die diese Bezeichnung trägt. Denn dann denkt man doch direkt, dass man etwas Gutes für die Umwelt getan hat. Ist dem denn auch wirklich so? Anna Blattert, Designerin des Labels Freitag, findet: nicht wirklich. "Nur ein bisschen nachhaltiger zu sein, reicht nicht. Deshalb spreche ich auch lieber von Kleidung als von Mode, denn die heutige globalisierte Modeindustrie mit ihren schnell getakteten Kollektionszyklen steht in direktem Widerspruch zu Nachhaltigkeit." 

Die Designerin erklärt die selber definierten Nachhaltigkeits-Ansprüche des Taschenherstellers Freitag, der vor fünf Jahren auch eine eigene Kleiderlinie namens F-Abric entwickelt hat, so: "Stoffe und Kleider, die ohne Ressourcen-Verschwendung, endlose Transportwege und überflüssigen Einsatz von Chemie produziert und zu fairen Bedingungen in Europa hergestellt werden und am Ende ihres Produktlebenszyklus komplett biologisch abbaubar sind". Das mache für sie Nachhaltigkeit aus. 

Sofie Schop, Sustainability Director bei G-Star RAW, sieht das ähnlich: "Nachhaltige Mode bedeutet für uns, für die Zukunft zu gestalten, und im Idealfall ist diese Zukunft zu 100 Prozent kreisförmig. Indem wir auf ein geschlossenes Kreislaufsystem hinarbeiten, imitieren wir die Natur - wo es kein Abfallkonzept gibt - so viel wie möglich." Sie findet: "Nachhaltige Mode geht offensichtlich weit über das eigentliche Endprodukt hinaus. Wir übernehmen Verantwortung für alle Auswirkungen auf Mensch und Planet in der gesamten Wertschöpfungskette, von den sozialen Bedingungen bis hin zum chemischen Einsatz und den Auswirkungen auf das Klima."

Schop erklärt, dass man bei G-Star RAW schon sehr nachhaltig denkt: "Unsere kürzlich eingeführten Denim Modelle sind speziell für die Wiederverwendung entwickelt. Bei der Herstellung der Jeans von morgen setzt G-Star RAW auf einen kreislaufbasierten Ansatz, wodurch die Jeans zu 100% recycelbar sind. Jedes dieser Modelle ist aus Bio-Baumwolle und einer nachhaltigen Stretchfaser, um sie besonders komfortabel zu machen. Nur erneuerbare Energien wurden verwendet, um diese Produkte zu schaffen und null schädliche Chemikalien wurden während des gesamten Produktionsprozesses angewendet. Dazu gehört das Indigo-Färben, Herstellen und Waschen der Kleidungsstücke. Darüber hinaus wurde während des Waschvorgangs kein einziger Tropfen Wasser verschwendet", erklärt sie ein Beispiel.

Nachhaltige Mode: Diese Kriterien müssen erfüllt sein

Damit ein Produkt tatsächlich nachhaltig ist, muss zumindest einer dieser Aspekt gänzlich erfüllt sein:

  • Verwendung von Bio-Rohstoffen: Kleidung aus Bio-Rohstoffen ist - im Gegensatz zu synthetischen Fasern, bei denen sich beim Waschen Mikroplastik über das Abwasser in unsere Meere absetzt - schonend für die Umwelt. Der Grund: Um die Erde und das Grundwasser nicht zu verunreinigen, werden während der Produktion keine Pestizide, chemischen Dünger oder Insektizide eingesetzt. 
  • Ressourcen schonende Herstellung: Bei der Herstellung von Kleidung sind ein geringer Wasser- und Energieverbrauch, kurze Lieferwege und die Verwendung von schnell nachwachsenden Rohstoffen wichtig, um nachhaltig zu sein. Materialien wie Bambus, der bis zu einem Meter pro Tag nachwachsen kann oder die Verwendung von "Abfallprodukten", werden immer wichtiger.
  • Re- und Upcycling: Mode aus recycelten Stoffen zu machen, ist nachhaltig. Man sollte Kleidung außerdem bestenfalls recyceln können. Ebenso ist das Upcyceln wichtig, wenn es um Nachhaltigkeit geht: Designer verwenden dafür ausrangierte Kleidungsstücke oder andere Dinge/Materialien und machen Neues daraus. 
stern Modecheck: Diese Upcycling-Ideen sind echte Hingucker – und tragen zur Nachhaltigkeit bei
Bal Designs macht Taschen aus alten Basketbällen

Bal Designs ist ein Label der litauischen Designerin Rita Balta. In ihrer Heimat ist Basketball ein echter Volkssport, die Sportler sind Helden. Diesen Hype wollte sie in ihren Designs widerspiegeln. Sie verwendet ausgediente Basketbälle und stellt aus diesen einzigartige Mäppchen, Umhänge- und Gürteltaschen her. Jeder Look ist anders, je nachdem, was für ein Ball der Wahl-Kölnerin in die Hände gerät. 

  • Fair gehandelt: Bei mit "fairtrade" ausgezeichneter Mode können Sie sicher sein, dass beim An- und Verkauf oder beim Kauf von Rohstoffen ein fairer Handel stattgefunden hat. "Fairtrade" heißt auch: angemessene Preise für die Rohstoff-Bauern, faire Löhne und Arbeitsbedingungen für die Näher und Näherinnen und keine Kinderarbeit. 
  • Lokal produziert: Kleidung sollte bestenfalls da produziert werden, wo sie gebraucht wird. Das spart unnötige Transportwege und somit CO2. Ideal ist es, wenn die gesamte Lieferkette in Deutschland stattfindet, wenn die Kleidung auch hier verkauft wird. Bestenfalls sollten auch Stoffherstellung sowie die Fertigung der Kleidung von deutschen Firmen umgesetzt werden. Das unterstützt die heimische Wirtschaft und sichert die Arbeitsplätze hierzulande.

Erfüllt ein Produkt nur Teile eines Aspektes und wirbt trotzdem mit "nachhaltiger Mode", nennt man das "Greenwashing". 

Lena Gercke verlegt ihre Modenschau in den eigenen Hausflur

Designerin: "Nachhaltigkeit ist allein noch kein Verkaufsargument"

Designerin Anna Blattert findet, dass man noch an vielen Dingen arbeiten kann, wenn es um Nachhaltigkeit geht: "Die Mode ist geprägt durch hohe Internationalisierung und ebenso hohe Intransparenz. Die großen Herausforderungen lassen sich gar nicht so einfach auf ein einzelnes Land herunterbrechen." Das sieht auch Sofie Schop so und findet, dass man immer weiter informieren muss und als große Marke gemeinsam mit dem Kunden zu Nachhaltigkeit beitragen müsse. 

Anna Blattert findet allerdings: "Der Anteil der Kunden, die proaktiv nach nachhaltig produzierter Kleidung sucht, liegt im tiefen, einstelligen Prozent-Bereich - dieser Anteil wird hoffentlich noch stark wachsen. Aber auch die Hersteller sind gefragt, denn egal von welchem Produkt wir sprechen: Nachhaltigkeit ist allein noch kein Verkaufsargument - nur wenn Kleidung auch funktional und gut designt ist, kann sich das Produkt durchsetzen."

Was kann man denn als Verbraucher tun, um auf Nachhaltigkeit zu achten? Zum einen: auf die Symbole auf der Kleidung achten, die für Nachhaltigkeit stehen. Sofie Schop erklärt zudem: "Jeder kann nachhaltige Entscheidungen treffen, Sie können leicht beginnen, indem Sie sich nachhaltig um Ihre Kleidungsstücke kümmern; durch weniger Waschen und das bei niedrigeren Temperaturen und durch den Kauf von langlebigen Gegenständen können Sie einen großen Einfluss nehmen." 

Das findet auch Anna Blattert und sieht darin nur Vorteile: "Um beim Begriff des Umweltbewusstseins zu bleiben: Dieses wird oft mit teuren Preisen in Verbindung gebracht. Wenn man sich aber ein nachhaltiges, qualitativ hochwertiges Produkt leistet, das einen für Jahre begleitet, statt alle paar Wochen ein neues Billig-Shirt, ist das nicht nur für besser für die Umwelt, sondern auch fürs Portemonnaie."