Naturkosmetik Schönheit, biologisch abbaubar


Längst ist der Bio-Boom nicht mehr nur aufs Essen beschränkt. Wer seinem ganzen Körper etwas Gutes tun will, cremt und pudert nur noch mit dem Gütesiegel "Natur". Stars machen es vor, die schönheitsbewusste Restbevölkerung folgt.

Julia Roberts schwört ebenso darauf wie Madonna oder auch Brad Pitt - spätestens seitdem Hollywood-Größen sich zu deutscher Naturkosmetik bekannt haben, boomt die Branche. Immer mehr Frauen - und zunehmend auch Männer - wollen sich mit "sanften" Produkten ohne synthetische Zusätze pflegen. Das Marktvolumen für Naturkosmetik in Deutschland hat sich Schätzungen zufolge seit 2003 auf rund 650 Millionen Euro verdoppelt. Auf der "Vivaness" in Nürnberg, der ersten eigenständigen Messe für Naturkosmetik, präsentieren 165 Unternehmen noch bis zum Sonntag ihre Produkte von der Rosencreme bis zum "Aroma Roll-On".

Der Boom aus der Tube

Im gesamten Kosmetik-Markt besetzt die Naturkosmetik mit Marken wie Dr. Hauschka, Lavera, Weleda, Logona oder Farfalla mit einem Anteil von 6,3 Prozent bisher nur eine Nische. Doch während der Gesamtmarkt kaum noch wachse, erziele die Naturkosmetik zweistellige Zuwachsraten, erläutert die Branchenexpertin Cornelia Schellenberg. "Einzelne Unternehmen haben Zuwächse bis zu 30 Prozent." Dominierend ist die Hautpflege mit einem Marktvolumen von 215 Millionen Euro, gefolgt von Bade- und Duschzusätzen (96 Millionen), dekorativer Kosmetik (87) und Haarpflege (62).

Die Kundschaft ist vor allem weiblich und gehört der Generation 35 plus an. Die Frauen sind auch bereit, gutes Geld für die "sanfte Pflege" auszugeben: Naturkosmetik entwickle sich hin zum Premium-Produkt, heißt es in der Branche. Die Zunahme von Allergien und Hauterkrankungen verstärke die Nachfrage noch. Daneben habe der Markt seinen Boom auch den weiten Distributionskanälen zu verdanken: Ähnlich wie Bio-Lebensmittel findet man die Tuben und Tiegel mit Naturkosmetik längst außerhalb des Fachhandels, zum Beispiel in Drogeriemärkten, Apotheken oder sogar bei Discountern. Auch der Versandhandel spiele eine Rolle.

Kasse machen mit Natur

Mit dem Boom wachsen aber auch die Probleme. Viele Anbieter haben erkannt, dass sich unter dem Label "Natur" Geld verdienen lässt. "Ein Naturkosmetik-Produkt ist für die Verbraucherin schwer zu erkennen", sagt Expertin Schellenberg. Denn es gebe keine verbindliche Definition, geschweige denn ein einheitliches Siegel. "Pseudo-Naturkosmetik", ein "Gemisch aus natürlichen und synthetischen Stoffen", werde deshalb auf dem Markt ebenfalls angeboten. Auch die frühere Bundesverbraucherministerin Renate Künast (Grüne) sprach sich kürzlich für eine einheitliche Kennzeichnung aus, die Naturkosmetik von konventionellen Produkten klar abgrenze.

Stephan Maurer/DPA DPA

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