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Schmuck: Wie Modeuhren wirklich ticken

Egal, ob Emporio Armani, Burberry oder Chanel - viele Designermarken stürzen sich ins boomende Uhrengeschäft. Doch so hochwertig wie ihre Mode sind die Zeitmesser nicht immer.

Von Michèlle Mussler

Wie enttäuschend: Die jüngst gekaufte Designeruhr, die im Schaufenster noch goldfarben glänzte, entpuppt sich nach wenigen Wochen als überzogenes Nickelgerippe. Statt edlem Geschmeide umschlingt schwarzes, stumpfes Metall das Handgelenk. Auch wenn das Zeichen einer Luxusmarke das Gehäuse ziert - ein Qualitätsprodukt ist es deswegen noch lange nicht. Denn viele Modefirmen lassen ihre Zeitmesser günstig und mit minderwertigen Materialien in Asien produzieren. Anschließend kleben sie das Firmenlogo darauf, kalkulieren etliche hundert Prozent Marge und behaupten, alles sei vom Feinsten. Kenner nennen es den Zifferblatt-Trick. Und der Kunde fällt nicht selten darauf rein. Hauptgrund: Geblendet vom Luxuslogo und dem hübschen Design, unterlassen es viele, sich die Uhren einmal genauer anzuschauen.

Ein geschulter Blick und der Ticker-Bluff ist enttarnt: Zeitmesser, die keinen "St.Steel"-Aufdruck für Edelstahl oder die kein "585"-Goldzeichen auf dem Gehäusedeckel haben, sind meist mit einer minderwertigen Beschichtung veredelt. Fehlt ihnen zudem ein Qualitätslogo wie das "Swiss made"-Siegel, deutet dies daraufhin, dass sie in Fernost gefertigt wurden. Häufig besitzen solche Modelle ein batteriebetriebenes Quarzwerk, das in der Herstellung nur etwa drei Euro kostet. Sie laufen zwar ebenso präzise wie hochwertige Mechanikuhren, doch ihre Elektronik wird nur für kurze Zeit produziert. Danach ist eine Reparatur ausgeschlossen.

Der Konzern Fossil produziert für Armani und DKNY - in Asien

Der amerikanische Großkonzern Fossil, der Modelle für Labels wie Emporio Armani, DKNY oder Marc by Marc Jacobs produziert, macht keinen Hehl daraus, dass seine Produkte aus Asien stammen. "Viele Zeitmesser sind schon für etwa 100 Euro erhältlich. Dafür bekommt der Kunde zwar kein handgefertigtes Meisterstück, aber eine Uhr, die zum Lifestyle der Designermarke passt", heißt es aus der Fimenzentrale. Für die Uhrenelite, die Hersteller der Haute Horlogerie, gelten solche Modelle höchstens als Modeschmuck. Sie bemängeln, dass bei vielen Zeitmessern nicht das Werk den Preis bestimmt, sondern der Markenschriftzug und das Design. Als Einstiegsprodukt in die Markenwelt der Designer sollen sie vor allem Kunden anzulocken, die sich normalerweise keines der exklusiven Kleidungsstücke oder Accessoires leisten könnten.

Doch nicht jede Uhr, die den Namen eines Modelabels auf dem Zifferblatt trägt, stammt aus einer asiatischen Billigschmiede. Firmen wie Burberry, Gucci und Calvin Klein lassen ihre Uhren in der Schweiz produzieren. Sie kosten zwar zwischen 200 und 1000 Euro, doch das "Swiss made"-Siegel garantiert dem Träger, dass das Werk nach dem hohen schweizerischen Qualitätsstandard gefertigt wurde. Designhäuser wie Chanel, Dior oder Louis Vuitton leisten sich sogar eigene Manufakturwerkstätten. "Es widerspräche dem Geist unserer Marke, einfach Produkte anderer Hersteller zu nehmen und unser Label draufzukleben", sagt Albert Bensoussan, Chef der Uhrensparte von Louis Vuitton. Seit 2002 arbeiten seine Experten in La Chaux-de-Fonds an neuen Komplikationen. Das Resultat: exklusive Zeitmesser namens Tambour und Speedy im typischen Monogramm-Design, die teilweise mit mechanischen Manufakturkalibern ausgestattet sind.

Die Konkurrenz aus der Modebranche ist den alteingesessenen Uhrenherstellern ein Dorn im Auge. Nicht zuletzt, weil eine der spektakulärsten Erfindungen der vergangenen Jahre aus dem Atelier eines Designhauses stammt. 2005 fertigte Chanel das erste Tourbillon mit Keramikplantine sowie einen Chronographen mit Chronometerzeugnis im coolen Schneeweiß. Die Modewelt war entzückt, die Uhrenbranche verblüfft.

Doch mittlerweile haben einige Hersteller der Haute Horlogerie entdeckt, dass die Liaison mit einem Modelabel auch fruchtbar sein kann. Zwecks Vermögens- und Imagesteigerung fertigt die anerkannte Manufaktur Vaucher von Parmigiani nun hochwertige Mechanikwerke für Hermès. Die jüngste Zweckehe schloss in diesem Frühjahr das Modelabel Ralph Lauren mit dem Luxusgüterkonzern Richemont, zu dem auch Piaget, Cartier oder auch A. Lange & Söhne gehören. Die ersten Sprösslinge sind für Herbst 2008 angekündigt.