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Swap-Partys: Tausche Armani- gegen Gucci-Kleid

Die Jagd auf Designerschnäppchen hat einen neuen Namen: Swapping! Auf Partys werden Kleidung und Designobjekte statt teuer gekauft, einfach getauscht. stern.de-Mitarbeiterin Claudia Beekmann war auf Schnäppchenjagd.

Not macht ja bekanntlich erfinderisch, was im schnelllebigen Modezirkus durchaus von Vorteil sein kann: Die luxusverwöhnte Modekundin verwandelt sich derzeit kurzerhand in die kreative Schnäppchenjägerin, die trotz Geldmangel très chic der Finanzkrise entgegen stolziert. Nachdem sie Schnäppchen bei Ebay gejagt und sich die neuesten Designerteile im Netz geliehen hat, "swappt" sie nun in der realen Welt für den guten Zweck.

Der Trend "Swappen statt Shoppen", sprich "Tauschen statt Kaufen" kommt aus den USA. Swap-Partys sollen die Krise im eigenen Kleiderschrank ausbügeln. In Berlin, München und in Hamburg, wurde auf Swap-Partys bereits getauscht, was das Zeug hält. Und das durchaus mit Stil, dank des Sponsorings eines Vodka-Herstellers. Damit die Tauschwut nicht wie eine Tupperparty wirkt, fand das Geben und Nehmen im trendigen Ambiente, samt blauem Teppich für Prominenz, wie Kimberly Stewart, Heike Makatsch, Daniel Brühl und Dana Schweiger, statt.

Vorab hatten viele Teilnehmer bereits ihre gut erhaltenen oder ungetragenen Klamotten gespendet und in Jetons umgetauscht. Diese Marken fungieren als Währung der Party, ein Jeton entspricht dem Gegenwert von einem Euro. 80 Punkte sind allerdings das Höchste, was man für ein gespendetes Kleidungsstück bekommen kann. Wer zusätzlichen Jeton-Bedarf hatte, konnte direkt auf der Party weitere dazukaufen. Alles, was an diesem Abend keinen Abnehmer fand, wird in Secondhand-Läden weiter verkauft. Dieser Erlös und der Umsatz der Party stiftete der Vodkahersteller an die Deutsche Aidshilfe e.V.

In Hamburg habe ich mich selbst auf Schnäppchenjagd begeben. Meine 400 Swap-Punkten erschienen mir wie ein kleines Vermögen und ich malte mir bereits vorab die atemberaubendsten Roben aus, die ich in meiner 20 mal 20 Zentimeter Handtasche heimtragen wollte. Enden sollte der Abend jedoch mit einer flauschigen Fellmütze, einer wundervollen Kette von Patrik Muff, einem Nietenarmband von Jimmy Choo for H&M und einem kleinen Adrenalinstoß beim Anblick meiner Lack-Peeptoes an den Füßen einer anderen Frau.

Nicht nur auf Swapping-Partys, sondern auch in den eigenen vier Wänden gilt immer öfter das Motto: Meins für Deins! Vor 30 Jahren tauschten unsere Mütter schon mit Freundinnen, um der damaligen Krise zu trotzen. Ihre Töchter eifern ihnen heute mit Prosecco und Partymusik nach. So geht das Tauschvorhaben zu Hause oft in einen lustigen Mädelsabend über.

"Swapping ist vor allem ein Szene-Trend der eine neue Andersartigkeit und sogar eine Form des Protests in die ausgereizte Konsumwelt bringt", sagt Trendforscher Marc Völler. Es gilt als hip, sich dem klassischen Kommerz nicht zu unterwerfen, ebenso wie ein verstärktes Bewusstsein und Nachhaltigkeit in der Mode. Der Trend verbindet das virtuelle Konzept von Ebay und überführt es in die Realität zu einem neuen, erlebbaren Konsum-Event.

Mir jedenfalls hat die Schnäppchenjagd nicht nur Spaß gemacht, sondern ich bin mit dem guten Gefühl nach Hause gegangen, "recycelt" und dabei nicht unnötig Ressourcen verbraucht zu haben. Und das Beste am neuen Shoppingtrend: Er hat endlich mal keine Ebbe in meinem Geldbeutel hervorgerufen.

Claudia Beekmann