Take That Vier sind wieder da!


Ihr Comeback ist geglückt. Ohne Robbie. Dafür mit dem ersten Album, das sie selbst begeistert. Genau wie ihr neuer Look. Für den stern zeigen Take That Mode für Männer, die noch immer gern spielen.

Als Take That sich 1996 trennten, haben Sie alle eine Wiedervereinigung ausgeschlossen. Jetzt haben Sie doch noch einmal von vorn begonnen. Warum?

Howard Donald: Diesmal läuft alles ganz anders. Wir haben jetzt viel mehr Freiheit, viel mehr Kontrolle über unser Schicksal als Band. In den vergangenen elf Jahren ist viel passiert, wir haben uns alle sehr verändert. Drei von uns sind jetzt Väter, wir führen ein Familienleben, das uns sehr wichtig ist. Für mich persönlich ist Take That jetzt nur noch ein angenehmer Job.
Gary Barlow: Es dreht sich nicht mehr alles um die Band. Wir alle haben unsere Familien, unser Privatleben. Das würden wir für nichts wieder aufgeben. Ich sehe Take That heute eher als ein geliebtes Hobby. Jason Orange: Trotzdem war mein erster Gedanke, als die Idee einer Revival-Tour entstand: Bitte nicht noch mal! Ganz ehrlich, ich hatte Angst davor, dass alles von vorne losgeht: die extremen Gefühle, die Band-Dynamik, die Kämpfe mit dem Management. Schließlich habe ich Jahre gebraucht, um mit alldem fertig zu werden.

Howard, Sie haben öffentlich bekannt, dass Sie nach dem Ende der Band Selbstmordgedanken hatten. Was war so schlimm für Sie?

HD: Ich war einfach nicht bereit zu gehen. Es war, als hätte meine erste große Liebe angerufen und gesagt: "Alles ist aus. Ich will dich nicht mehr." Ich konnte es einfach nicht glauben. Für mich lief doch alles perfekt. Ich war total schockiert.
JO: Ging mir ganz anders. Ich war dankbar. Es war höchste Zeit, dass wir in die Realität entlassen wurden!

Wie war das damals? Gab es für Sie alle kein Leben jenseits der Band?

GB: Nein, es gab nichts anderes. Jede private Minute verbrachten wir gemeinsam.
HD: Wir hatten nie eine Auszeit, kaum Momente, in denen wir das alles hätten verarbeiten können. Es passierte einfach mit uns, wir waren komplett fremdbestimmt. Heute entscheiden wir, was wir tun wollen und in welchem Maße. Wenn es keinen Spaß mehr macht, hören wir auf. Mark Owen: Wir sind alle tief gefallen. Keiner von uns will das noch mal erleben.

Damals waren Sie eine Boyband, Teenie-Stars. Wie fühlen Sie sich jetzt: als eine "Man-Band", die erwachsene Musik macht?

GB: Zumindest fühlen wir uns nicht wie gefallene Stars, die krampfhaft ein Comeback versuchen. Wenn wir eines vermeiden wollen, dann verzweifelt zu wirken. Keiner von uns hat die vergangenen zehn Jahre nachts wach gelegen und sich gewünscht, wieder berühmt zu sein.
JO: Ich kämpfe immer noch mit der Vorstellung, dass ich jetzt wieder Popstar in einer Ex-Boyband bin. Ich versuche, dem entspannt zu begegnen, aber ich merke doch, dass ich innerlich auf Distanz bin.
HD: Ich weiß genau, was Jason meint. So viel Spaß wie wir damals hatten, so falsch hat es sich im Grunde angefühlt. Wir waren eine Fake-Band, die erfolgreiche Popsongs gemacht hat. Und ich war ein ganz normaler Typ aus Manchester, der sich bestimmt keine Platte von Take That gekauft hätte.

Gefällt Ihnen Ihre eigene Musik heute besser?

HD: Ich würde heute keine Zeit mehr mit einer Band verschwenden, deren Musik ich nicht mag. Heute arbeiten wir unter ganz anderen Vorzeichen. Wir kennen das Business, haben viel gelernt und uns als Menschen und Musiker weiterentwickelt. Dieses Album ist das erste, das wirklich von uns stammt. Ich bin sehr stolz darauf, und jede Auszeichnung, die wir jetzt bekommen, bedeutet mir mehr als alle Preise zusammen, die Take That damals bekam.

Vor fünf Wochen haben Sie den Brit Award für Ihre Erfolgssingle "Patience" gewonnen, am Vortag ist Ihr ehemaliger Bandkollege Robbie Williams in eine Entzugsklinik eingewiesen worden. Wie ging es Ihnen damit?

MO: Zuerst habe ich gedacht: Wir können da nicht auftreten, das wäre total geschmacklos! Aber dann habe ich mit den anderen gesprochen, und wir waren uns einig, dass Rob mit der Band nichts mehr zu tun hat. Er ist jetzt Privatsache. Unsere persönlichen Genesungswünsche hat er längst erhalten, das ist kein Thema für die Medien oder eine Bühnenansprache.
GB: Außerdem findet er toll, was wir machen, er liebt unser Album. Ich bin mir sicher, dass er nicht gewollt hätte, dass wir seinetwegen die Brits absagen.

Wie eng ist Ihr Kontakt heute zu ihm?

MO: Wir telefonieren ab und zu. Und wir haben immer gesagt: Unser Happy End als Band wäre es, wenn wir fünf wieder zusammen auftreten würden. Darauf hoffen wir immer noch. Ich habe in einem Interview gelesen, dass Robbie gern bei unserer Revival-Tour vergangenes Jahr dabei gewesen wäre, aber er musste ja selbst auftreten.

Glauben Sie das?

MO: Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich wäre es einfacher zu sagen: Das war's, und jeder geht weiter seinen eigenen Weg. Aber für mich ist es wichtig, dass wir privat aufeinander zugegangen sind und uns verziehen haben. Diese Annäherung konnte nicht öffentlich oder über die Presse passieren.

In einem Interview hat Robbie Williams gesagt, dass er all sein Geld, all seine Preise hergeben würde, wenn er Ihr Leben führen könnte, Gary, mit Frau und Kindern...

GB: Wie alt ist er? 31, 32?
MO: 33.
GB: Also, worüber sprechen wir? Er hat ja noch sein halbes Leben vor sich. Es ist ja nicht so, dass er das alles nicht haben kann. Es ist seine Entscheidung. Ich glaube nicht, dass ihm das schlaflose Nächte bereitet.

Aber offensichtlich schafft er es nicht, seine Freundinnen länger als ein paar Monate zu halten. Und er ist tablettenabhängig...

GB: Vielleicht genießt er sein Leben ja auch so, wie es ist. Wissen wir's? Vielleicht ist, glücklich und ausgeglichen zu wirken, das falsche Image, wenn man Robbie Williams heißt. Ich kenne ihn nicht mehr gut genug, um das beurteilen zu können, keiner von uns tut das. Wir alle wünschen ihm das Beste, aber ich kann wirklich keine Fragen zu seinen Lebenszielen beantworten.

Bereuen Sie, wie Sie sich ihm gegenüber damals verhalten haben?

MO: Es gibt eine Reihe von Dingen, die ich bereue. Nicht nur, wie die Trennung von Rob abgelaufen ist. Ich wünschte, ich hätte damals mehr Selbstwertgefühl besessen. Ich habe mich nicht genug eingemischt, habe zu selten meine Meinung geäußert. Ich wünschte, ich wäre damals schon der Mann gewesen, der ich heute bin. Aber ich kannte mich selbst noch nicht.
JO: Die Band war ein schwieriges Ding. Es gab eine ganz klare Hackordnung, eine Hierarchie. Ich fühlte mich nie gut genug, nie gleichwertig. Im Nachhinein blieb in mir das Gefühl, den Kampf gegen die anderen verloren zu haben.
HD: Wir waren alle etwas brainwashed. Das war nicht nur das Management, das waren vor allem wir selbst. Ich besaß auch keine so starke Persönlichkeit, dass ich mich für mich oder die anderen Jungs hätte einsetzen können. Ich habe mich mittreiben lassen. Die ganze Sache ist uns entglitten...

Offiziell ließen Sie damals verlauten, dass Sie alle genug Rock'n'Roll gehabt hätten und die Band auf dem Höhepunkt des Erfolgs begraben wollten. Nun wollen Sie's doch noch mal wissen. Glauben Sie, dass das funktioniert: Take That ohne die Girls, die Drogen, die ganzen Provokationen?

JO: Wissen Sie, da war vieles erfunden. Take That war niemals wirklich Rock'n'Roll. Im Gegenteil, wir hatten ein viel zu sauberes Image. Die Band hatte mit Drogen nichts am Hut. Klar, wir haben mal ein bisschen was getrunken oder geraucht, aber harte Drogen gab es nicht. Robs Probleme begannen eigentlich erst, nachdem er die Band verlassen hatte.
MO: Wenn ich mir die Filme von früher ansehe, begreife ich selbst kaum, was das für ein Wahnsinn war. All diese Mädchen, die sich auf uns gestürzt haben. Es gab welche, die die ganze Nacht vor meinem Fenster "Babe" gesungen haben. Unfassbar!

Und wie ist das heute mit den Fans? Ein paar höfliche Autogrammwünsche, und das war's?

MO: Es ist alles weitaus weniger hysterisch. Die Fans unterstützen uns eher sportlich-freundschaftlich - so wie Fußballanhänger, die ihre Mannschaft anfeuern. Ich habe den Eindruck, dass auch sie glücklich sind, jetzt alte Weggenossen wiederzutreffen. Denen geht es, glaube ich, gar nicht mehr so sehr um uns. Die möchten den anderen nur endlich ihre Geschichten der vergangenen zehn Jahre erzählen!

Wie gehen Ihre Familien mit dem Comeback um? Wissen Ihre Kinder, dass ihren Daddys mal Slips auf die Bühne geworfen wurden?

GB: Nein, sie sind noch zu klein. Mein Sohn ist sechs, meine Tochter vier. Howards ältere Tochter bekommt allmählich eine Ahnung davon, wie berühmt die Band mal war. Wenn wir im Fernsehen sind oder wir sie zu einem Auftritt mitnehmen, wo ein 30-köpfiges Orchester unsere Songs spielt - das lieben sie natürlich.

Wie werden Sie das zukünftig vereinbaren - die Band und Ihr Familienleben?

MO: Wir brauchen regelmäßige Auszeiten, anders geht es nicht. Wir arbeiten ein paar Monate am Stück, produzieren, gehen auf Tour, geben alles für unsere Fans, aber danach ist Familienzeit. Dann gehen wir nach Hause und sind wieder Papis. Mann, ich kann es kaum erwarten!

Interview: Philipp Tingler print

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