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Trend: Mode mit Moral

Die Welt retten und dabei gut aussehen: Ökomode ist momentan angesagter denn je. Doch welche dieser Klamotten werden wirklich unter fairen Bedingungen hergestellt? stern.de stellt fünf Labels vor, die auf soziale Gerechtigkeit setzten.

Von Cathrin Dobelmann

Katharine Hamnett

Cameron Diaz trägt ihre Mode, ebenso Naomi Campbell und Peaches Geldorf: Kaum ein anderes Ökolabel ist momentan angesagter als das von Katharine Hamnett. Die britische Designerin entwirft T-Shirts und Pullover aus hundert Prozent pestizidfreier Baumwolle, die mit warnenden Slogans wie "Save the Future" bedruckt sind. Bereits seit den Achtziger Jahren engagiert sich Hamnett für Fair Trade-Mode aus ökologisch korrekten Materialien. Schlüsselerlebnis war eine Reise nach Mali, bei der sie sah, unter welch fatalen Bedingungen Bekleidung entsteht. Nicht selten erkrankten Baumwollfarmer durch giftige Schädlingsbekämpfungsmittel oder sie wurden durch erhöhte Pestizidpreise in die Armut gedrängt. Katharine Hamnett stellte damals nicht nur ihre Produktion auf Fair Trade um, sie setzt sich seitdem auch für Hilfsorganisationen wie Oxfam und die Enviromental Justice Foundation ein, die für ein ökologisches Bewusstsein in der Modebranche kämpfen.

Armedangels

Fair Trade-Mode zum Selbstgestalten: Als die beiden Studenten Martin Höfeler und Anton Jurina vor zwei Jahren feststellten, dass Ökoklamotten oft gähnend langweilig aussehen, gründeten sie kurzerhand ihren eigenen Onlineshop Armedangels. Das Besondere: Jeder, der sich auf ihrer Homepage registrieren lässt, kann Vorschläge für Drucke und Logos erstellen, die von anderen Usern bewertet werden. Die besten werden anschließend auf T-Shirts aus ökologischer Baumwolle geprägt, die unter fairen Bedingungen entstehen. Für ihre demokratische Design-Idee erhielten sie 2007 den mit 250.000 Euro dotierten Gründerpreis der Wirtschaftswoche. Sich auf dem Gewinn auszuruhen, das kam für die beiden Kölner nicht in Frage. Demnächst sollen ihre bedruckten Shirts und Pullover auch in Geschäften erhältlich sein. Übrigens: Von jedem verkauften Kleidungsstück, das je nach Modell zwischen 30 und 80 Euro kostet, spenden die Armedangels-Macher 3,33 Euro an verschiedene Hilfsprojekte.

Noir

Eigentlich hatte Peter Ingwersen Archäologie studieren wollen. Doch statt nach ungeahnten Bodenschätzen zu buddeln, entdeckte der Däne recht schnell seine Begeisterung für Öko-Mode. 2006 gründete er das Label Noir, das Klamotten aus luxuriösen und ökologisch korrekten Materialien herstellt. Wie erfolgreich seine Linie mittlerweile ist, konnte man im vergangenen Februar während der Londoner Modewoche beobachten. Die Kritiker waren von seiner sexy Kollektion, die aus transparenten Blusen, edlen Hosen und feinen Lingerie-Kleidern besteht, begeistert. Hergestellt werden seine Ökostücke in Uganda. Dort gründete der Designer vor kurzem auch die Stoff-Firma "Illuminati ll", die hochwertige Bio-Baumwollsorten züchtet und sicherstellt, dass die Fabrikarbeiter vor Ort faire Löhne, eine medizinische Grundversorgung und eine gute Ausbildung erhalten. Allerdings hat Ingwersens Öko-Engagement seinen Preis: Für das gute Gefühl, hundertprozentig gerechte Mode zu tragen, müssen seine Kundinnen schon mal bis zu 800 Euro hinblättern.

Kuyichi

Fair Trade-Mode, die auch ohne den erhobenen Zeigefinger auskommt: Obwohl die niederländische Streetwearmarke Kuyichi lässige Jeans und Shirts aus biologisch angebauter und fair produzierter Baumwolle herstellt, steht der Öko-Gedanke nicht im Vordergrund. "Wir haben uns bewusst entschieden, den grünen Aspekt unserer Mode nicht zu kommunizieren, um nicht gleich als Ökos abgestempelt zu werden", sagt Toni Tonnaer, Geschäftsführer des 2001 gegründeten Unternehmens. Aus diesem Grund sind Kuyichi-Klamotten weder mit plaktativen Biosiegeln beklebt, noch sind sie in einschlägigen Läden erhältlich. Stattdessen werden sie zu Preisen zwischen 90 und 200 Euro in Szenegeschäften und Kaufhäusern wie Peek & Cloppenburg angeboten. Nur wer sich die Jeans oder Shirts genauer anschaut, wird entdecken, dass er ein Ökoprodukt gekauft hat. In den Kleidungsstücken sind nämlich kleine Etiketten mit der Aufschrift "Follow the trail of your clothes" eingenäht. Über einen Code, den man auf der Kuyichi-Homepage eingeben kann, können Kunden erforschen, aus welchen Ländern das Rohmaterial stammt und wie es gewebt und gefärbt wurde.

Veja

Turnschuhe aus ökologischen Materialien? Zugegeben, das klingt erst einmal verdächtig nach ausgelatschten Biotretern und schwitzenden Füßen. Doch die Sneaker der französischen Marke Veja, die 2005 von Sébastian Kopp und François-Gislain Morillon gegründet wurde, können mit herkömmlichen Modellen locker mithalten. Das Design ist stylish und erinnert an coole Oldschool-Sneaker aus den Siebzigern. Gefertigt werden sie in Brasilien aus chromfrei gegerbtem Naturleder und ökologischer Baumwolle. Die Sohlen bestehen aus wildem Naturkautschuk, der aus dem Amazonas-Gebiet stammt. Der Grundgedanke von Veja ist, Produkte zu fertigen, bei denen Umweltschutz und Menschenrechte gleichermaßen berücksichtigt werden. Aus diesem Grund lassen Kopp und Morillon ihre Schuhe ausschließlich in Fabriken produzieren, in denen Kinderarbeit tabu ist und faire Arbeitsbedingungen herrschen. Auch wenn die Herstellung umweltschonender Materialien oft wesentlich teurer ist – auf den Verkaufspreis schlägt es kaum merklich nieder. Da die Marke gänzlich auf Werbung verzichtet, kosten Modelle wie der "Veja Volley", ein Sneaker mit großem "V"-Logo, nur etwa 70 Euro.