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PORTRÄT: SCARLETT JOHANSSON: SCHAUSPIELERIN

Glaubt man Robert Redford, dann ist Scarlett Johansson eine reife Frau. Der selbst schon etwas knittrige Star bezeichnete seine junge Schauspielkollegin als Teenager, der auf die Vierzig zugeht.

Glaubt man Robert Redford, dann ist Scarlett Johansson eine reife Frau. Der selbst schon etwas knittrige Star bezeichnete seine junge Schauspielkollegin als Teenager, der auf die Vierzig zugeht. Auch Scarletts Mutter kann sich die Ernsthaftigkeit ihrer 17-jährigen Tochter nur erklären, indem sie in ihr die weise Seele einer Siebzigjährigen vermutet. Scarlett selbst hält sich hingegen für ziemlich normal und verweist gerne darauf, dass schließlich nicht alle Jugendlichen automatisch gehirnamputierte Shopping-Junkies sein müssten, auch wenn sie das Gefühl hat, dass die meisten amerikanischen Drehbuchautoren genau das glauben.

Tatsächlich entspricht die Schauspielerin mit dänisch-polnischen Vorfahren schon rein äußerlich nicht dem gängigen Cheerleaderklischee, dafür ist sie eine Nuance zu blass, ihre Nase eine Spur zu sehr gen Himmel gerichtet und ihre Stimme eine Oktave zu dunkel, so als rauchte sie seit ihrer Kindergartenzeit Kette. Und weil Scarlett eben mehr beschäftigt als die Frage, wer sie zum Schulball begleitet, graut es ihr auch vor all den frischgeschrubbten Hollywoodgören, deren größtes Verdienst es ist, bei Filmpremieren ihren jugendlichen Körper in engen Tops auszustellen.

Diese Art von Publicity ist Scarlett zuwider; lieber verkörpert sie eine glaubhafte Figur in einem kleineren Independence-Film wie »Ghost World«, als in einem Teenie-Blockbuster der Marke »Scream if you know what you did last summer at the Cheerleader Camp« nach kurzfristigem Starruhm zu streben. »Wenn du nur des Ruhmes wegen schauspielerst, wirst du unglücklich enden«, sagt Scarlett, und das klingt tatsächlich nach einer sehr weisen Erkenntnis für eine Heranwachsende. Mit acht gab sie ihr Debüt an der Seite von Ethan Hawke in einem Off-Broadway-Stück, mit zwölf agierte sie in dem Sozialdrama »Manny & Lo« so überzeugend, dass Robert Redford auf sie aufmerksam wurde und sie für seinen »Pferdeflüsterer« verpflichtete. Die Rolle der Grace, die bei einem Reitunfall schwer verunglückt, verhalf Scarlett zum großen Durchbruch auf der Leinwand.

Ein großartiger Kerl

»Alte Seele«, wisperte es anschließend wieder durch die Gazetten, weil auch die letzten Kritiker erkannt hatten, dass dieses Mädchen mehr Drama in einen stummen Blick legen kann als manche ihrer gleichaltrigen Kolleginnen in einen ganzen Dialog. Scarlett fand es dagegen viel anstrengender, sich nach nur drei Reitstunden nicht den Hals zu brechen.

Seitdem wartet sie einfach gelassen ab, bis sich ihr Äußeres der inneren Reife angepasst hat. So lange beweist sie der Welt wie zuletzt in »The Man Who Wasn't There«, dass Ernsthaftigkeit nichts mit dem biologischen Alter zu tun hat. Deshalb freute sie sich in ihrem kürzlich abgedrehten Streifen »Eight Legged Freaks« auch am meisten über ihren 13 Jahre älteren Kollegen David Arquette: »Er ist ein echtes Kind. Ein großartiger Kerl!«

1984

am 22. November wird Scarlett Johansson in Manhattan, New York, geboren.

1993

fängt Scarlett an, Schauspielunterricht zu nehmen, und hat ihren ersten Auftritt in dem Theaterstück »Sophistry«mit Ethan Hawke.

1994

spielt sie zum ersten Mal in einem Film mit. Prominenter Kollege in »North« ist der damals noch unbekannte Elijah Wood.

2000

übernimmt Scarlett eine Hauptrolle in »Ghost World«, für die sie den »Toronto Film Critics Association Award« bekommt .

2000

spielt sie an der Seite von Nastassja Kinski in dem Emigrantendrama »An American Rhapsody«.

2001

macht sie ihren High-School-Abschluss und beschließt, zunächst ein Jahr freizunehmen und dann in New York Film zu studieren.

Andrea Benda, 27, hat nach eigenen Einschätzungen die Seele einer 28-Jährigen und die Sportlichkeit einer sehr, sehr alten Frau.