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Revival-Show abgesetzt: Roseanne, die Rassistin: Sie ist ein Symbol für alles, was in Amerika gerade falsch läuft

Seit Jahren fällt US-Comedy-Superstar Roseanne Barr mit peinlichen Tweets auf. Dabei ist sie ein Ausnahmefall, in dem die Kunst nicht von der Künstlerin getrennt werden kann. Aber nicht nur davon erzählt der aktuelle Skandal um die Absetzung ihrer Show.

Roseanne: Das sagt das Netz zur rassistischen Äußerung

Roseanne ist nicht mehr zu retten. Weder die Comedy-Ikone und ihre Gesinnung, noch die gleichnamige Serie mit ihren bissigen Geschichten über eine Arbeiterfamilie aus dem Mittleren Westen. Am Ende brauchte es nur einen einzigen Tweet, in dem Valerie Jarrett, einst Beraterin des damaligen US-Präsidenten Barack Obama, von Roseanne Barr als Baby der "Muslimbruderschaft und Planet der Affen" beleidigt wurde.

Der TV-Sender ABC setzte "Roseanne", den gerade neuaufgelegten Sitcom-Klassiker aus den Neunzigern, daraufhin ab.  "Roseannes Twitter-Mitteilung ist abscheulich, abstoßend und stimmt nicht mit unseren Werten überein, und wir haben entschieden, ihre Show abzusetzen", wurde Channing Dungey, Präsidentin von ABC Entertainment, in einer Mitteilung zitiert. Viele Branchenkollegen wie Zoe Saldana, Patricia Arquette oder Don Cheadle reagierten empört auf den Tweet der Komikerin.

Roseanne

Roseanne Barr im März bei der Premiere der Revival-Staffel ihrer Sitcom in Los Angeles

Roseanne abgesetzt: "Unglaublich traurig"

Auch Schauspieler und Mitarbeiter der Serie distanzierten sich per Twitter von Barr. "Es ist unglaublich traurig und schwierig für uns alle, denn wir haben eine Show geschaffen, an die wir glauben, auf die wir stolz sind und die die Zuschauer lieben - eine Show, die anders ist als die Meinungen und Wörter eines Mitglieds der Besetzung", schrieb Schauspielerin Sara Gilbert. Sie würde nicht mehr für die Show arbeiten, verkündete Wanda Sykes, die als beratende Produzentin an Bord war, in einem Tweet. Und Emma Kenney, auch bekannt aus der Hitserie "Shameless", berichtete, dass sie ihrem Agenten gerade mitteilen wollte, nicht mehr für "Roseanne" arbeiten zu wollen, als sie von der Absetzung der Show erfuhr.

Roseanne ruderte anschließend zwar eilig zurück, löschte den Tweet und entschuldigte sich bei Jarrett und "allen Amerikanern". Es täte ihr wirklich leid, dass sie einen schlechten Witz über Jarretts Politik und ihr Aussehen gemacht habe: "Ich hätte es besser wissen sollen. Vergebt mir, mein Witz war schlechter Geschmack."

Doch aus dieser Nummer kommt sie nicht mehr raus. Nicht dass es eine große Überraschung wäre: Roseanne präsentiert sich vor allem über Twitter seit Jahren mit einer äußerst fragwürdigen Weltsicht. In Postings, die sie zwischendurch immer wieder löscht, gibt sie mal die Verschwörungstheoretikern, mal schürt sie Islamophobie, mal verbreitet sie Antisemitismus, und immer mal wieder mischt sich auch ein rassistischer Kommentar unter ihre ungefilterten Verbalattacken auf den gesunden Menschenverstand.

Vielen US-Amerikanern spricht sie damit im Trump-Zeitalter aus der Seele. Aber was heißt schon im Trump-Zeitalter? Die Ära des unwahrscheinlichsten aller Präsidenten scheint nur ans Tageslicht zu bringen, was mindestens unter der Oberfläche schon seit Jahrzehnten schwelt in einem Land, das den meisten Bürgern eben nicht so unbegrenzte Möglichkeiten bietet, wie es uns weismachen will.

Roseanne hat in der Vergangenheit immer wieder ihre Unterstützung für Trump betont, der auch deshalb den großen Erfolg des "Roseanne"-Revivals wohlwollend kommentierte. Die Show mit Barr in der Hauptrolle konnte seit dem Neustart im Frühjahr in den USA durchgehend herausragende Einschaltquoten verbuchen - wohl auch aufgrund der politischen Kontroversen rund um den alles überstrahlenden Kopf der Serie. Deshalb kann in Roseannes Ausnahmefall auch nicht die Kunst von der Künstlerin getrennt werden, weil sie ihre Ikone darauf aufgebaut hat, dass ebendiese Grenze verschwimmt.

Ein nationales Klima aus Hass und Ignoranz

Und deshalb hat Roseanne natürlich auch zahlreiche Fürsprecher, die zurzeit ihre Zweifel an der Absetzung der Serie äußern. Der Sänger Ted Nugent zweifelt den rassistischen Gehalt des Roseanne-Tweets ebenso an wie der rechte Verschwörungstheoretiker Mark Dice. "Roseanne wurde gefeuert, weil wir in einer politisch korrekten Welt leben", sagte der republikanische Stratege Noelle Nikpour in einer Talkshow bei "Fox News". Gerüchten zufolge könnte der TV-Sender "Fox" sogar Roseannes Show von ABC übernehmen.

Und so wird der ganze Skandal um Roseanne, die Rassistin, zum Symbol für alles, was in Amerika gerade falsch läuft - und Roseanne zur Symbolfigur, an der sich ein völlig zerrüttetes und zutiefst verstörtes Land reiben kann. Wahrscheinlich konnte ihre Serie nur aufgrund des nationalen Klimas aus Hass und Ignoranz ein derart furioses Comeback feiern.

Ein Comeback, das jetzt ein jähes Ende gefunden hat. Roseanne ist endgültig nicht mehr zu retten. Noch ist unklar, ob diese Diagnose auch für ihr ganzes Land gilt.

Im Video: "Roseanne" wird nach rassistischem Tweet von Hauptdarstellerin abgesetzt