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Meinung

Irrer Goebbels-Vergleich: Grönemeyer macht klare Ansage gegen Rechts – und ein paar Leute im Netz verlieren den Verstand

Herbert Grönemeyer hat auf seinem Konzert in Wien gemacht, was er bei so ziemlich jedem seiner Konzerte macht: Er hat sich deutlich gegen Rassismus und Hetze geäußert. Und sonst, fragt ihr? Nun, ihr habt die Rechnung ohne "das Netz" gemacht.

Herbert Grönemeyer

Herbert Grönemeyer hatte noch nie Angst, sich politisch klar zu positionieren. Sein Anti-Nazi-Song "Die Härte" liegt inzwischen satte 26 Jahre zurück. Und auch in schwierigen Zeiten wie diesen lässt er kein Konzert verstreichen, ohne ein paar klare Worte gegen rechten Hass und Hetze zu finden

Insofern war auch seine Ansage in Wien vom vergangenen Donnerstag business as usual. "Ich kannte das nur vom Hörensagen, in Zeiten zu leben, die so zerbrechlich, so brüchig und so dünnes Eis sind", ruft der Sänger den 14.000 Fans in der ausverkauften Stadthalle zu. "Und ich glaube, es muss uns klar sein, auch wenn Politiker schwächeln – das ist, glaube ich, in Österreich nicht anders als in Deutschland – dann liegt es an uns."

Herbert Grönemeyer: "Es liegt an uns"

Es folgt ein typischer Grönemeyer'scher Aufruf, keinen Millimeter nach Rechts freizugeben. Es liege an uns zu diktieren, wie eine Gesellschaft auszusehen hat: "Diese Gesellschaft ist offen und humanistisch." Angemessene Worte also in unruhigen Zeiten.

Aber dann hat ein Clip des kurzen Monologs den Weg ins Netz gefunden – und dort ein virales Eigenleben entwickelt, das fassungslos macht. Der Autor Bernd Stegemann schreibt dazu allen Ernstes: "Der Tonfall, mit dem Grönemeyer sein Publikum politisch anheizt, macht mir ein wenig Angst. Ich sags ungern, aber er klingt wie ein Redner vor 1945."

Diese, gelinde gesagt, eigenwillige Lesart wird derzeit von rechten Trollen nur allzu dankbar aufgegriffen: "Es erinnert an die Goebbelsche Sportpalastrede 1943", schreibt einer. "Gröhlemeyer (sic!) hat aus der Geschichte nichts gelernt." Deutschland bleibe sich treu, was Redner und Zuhörer betreffe, schreibt ein anderer.

Gegen so viel Schwachsinnigkeit gehen die Tweets mit geistig gesunder Einordnung der Ansage und ihres Inhalts fast verloren:

Das wäre alles schon schlimm genug, würde nicht auch noch Götz Frömming – immerhin der Sprecher für Bildung und Forschung der AfD im Bundestag – den Schwachsinn aufgreifen und ebenfalls den Sportpalast-Vergleich ziehen:

So wird dieser eigentlich so egale Shitstorm zum Politikum. Weil er endgültig beweist, dass die geballte Dummheit der sozialen Medien mit der AfD endgültig auch in den Bundestag eingezogen ist.

tim