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Skurrilitäten auf Twitter: Laura erzählt von den schrägsten Erlebnissen, die sie als Plattenladen-Verkäuferin hatte

Sie traf Menschen, die Pappaufsteller umboxen, CDs absichtlich mit Farbe beschmieren oder andere Kunden mit ihrer Handtasche schlagen: Die Kundschaft in Plattenläden war etwas spezieller als die im Supermarkt nebenan. Gut, dass Laura Major nun aus dem Nähkästchen plaudert!

Eine junge Frau in einem Plattenladen

Ein Job im Plattenladen: Vor einem Jahrzehnt noch eine feine Sache, heute fast schon Geschichte

Unsplash

Für Studenten war es noch vor zehn, fünfzehn Jahren der Traum schlechthin, einen Nebenjob als Verkäufer im Plattenladen zu ergattern. Den ganzen Tag mit dem eigenen Musikwissen protzen, Fachgespräche führen und nebenbei die Lieblingsmusik laufen lassen. Wer hier hinterm Tresen lümmeln konnte, verdiente zwar nicht die Welt, hatte aber ganz bestimmt Spaß – und immer feinstes Entertainment. Denn die Kundschaft ist eine besondere Klientel.

Davon kann auch Laura Major ein Lied singen. Die Twitter-Nutzerin aus England, die als @fairycakes auf der Plattform unterwegs ist, jobbte vor elf Jahren bei HMV. Dabei handelt es sich um eine britische Ladenkette, in der CDs, Platten und DVDs verkauft werden. Laura sind zahlreiche skurrile Szenen in Erinnerung geblieben, die sie nun mit der Welt teilt.

Laura Major füllt einen Twitter-Thread mit ihren Erinnerungen

"Vor elf Jahren arbeitete ich bei HMV und es ist bis heute einer der surrealsten Jobs, die ich je hatte. Hier kommen ein paar Highlights", beginnt sie ihren sehr unterhaltsamen Twitter-Thread. Und es fängt schon schräg an: "Da war ein alter Mann, der jede Woche hereinkam und nach der Abteilung für Erotikfilme fragte. Jedes Mal zeigte ich sie ihm, dann fasste er sich ans Herz, keuchte und tat so, als würde er ohnmächtig – damit eine der Verkäuferinnen ihm eine Mund-zu-Mund-Beatmung gab."

Das ist aber noch nicht mal das Merkwürdigste: "An Heiligabend, gegen 17 Uhr, kam ein Mann rein und fragte, ob wir das neue Girls-Aloud-Album da hätten. Ich sagte ihm, dass wir kurz zuvor die allerletzte CD verkauft hatten. Er wollte wissen, ob ich vor 19 Uhr noch ein Album bestellen könne, ich verneinte. Da trat er einen CD-Ständer um." Nicht die feine englische Art! Das war Laura aber gewohnt. Sie erinnert sich noch an einen ähnlichen Vorfall: "Eine Frau kam rein und fragte nach 'High School Musical 3' auf DVD. Ich sagte ihr, dass der Film gerade erst in den Kinos angelaufen sei und deshalb erst im Jahr darauf als DVD erhältlich sein würde. Sie packte mich am Kragen, zog mein Gesicht bis auf zwei Zentimeter an ihres heran, starrte mir in die Augen und sagte: 'Klugscheißerin'."

Manche Kunden sind unhöflich – andere verrückt

Unhöfliche Kunden hat man vermutlich im Einzelhandel überall. Verrückte vielleicht nicht ganz so häufig: "Einmal kam ein Kerl mit einer dunklen Sonnenbrille rein und behauptete, er sei Paul Weller. Er fragte, ob wir ihm eine Auswahl von The-Jam-CDs umsonst geben könnten, weil er seine verloren hätte." Netter Versuch, Kumpel. "Ein Typ bekam Ladenverbot, weil er ständig mit blauer Tinte an den Händen ins Geschäft kam und dann CDs anfasste. Er versuchte dann, einen günstigeren Preis zu verhandeln, weil sie ja beschädigt seien." Kreativer Trick, aber schnell zu durchschauen. Und manchen Leuten ist einfach nicht zu helfen: "Eine Frau kam drei Mal zu uns und wollte, dass wir im Computer nachschauen, ob sie das Buch, auf dem der Film 'Mamma Mia' basiert, bei uns kaufen könne." Die Erklärung, dass der Film nicht auf einem Buch, sondern auf einem weltbekannten ABBA-Song basiert, scheint nicht zu ihr durchgedrungen zu sein.

"Eine Stammkundin, die exakt wie die Queen aussah, kaufte vier Mal das Album von The Priests. Beim vierten Kauf fragte ich, warum sie so viele CDs bräuchte. 'Wie können Sie sich an mich erinnern? Ist es, weil ich wie die Queen aussehe? Ich werde nämlich SEHR wütend, wenn die Leute das sagen!'" Laura ergänzt: "Und das wurde sie wirklich. An einem anderen Tag sagte ihr ein Kunde, dass sie wie die Queen aussähe und sie schlug ihn mit ihrer Handtasche." Die Queen-Doppelgängerin war nicht die einzige Dame mit angestauten Aggressionen. "Eine Frau boxte einen Pappaufsteller von Cheryl Cole um, weil – so sagte sie – diese 'ein Gesicht wie eine Prostituierte' hätte", erinnert sich Laura.

Für Laura war der Job eine perfekte Grundlage

Aber auch rührende Situationen erlebte sie im Plattenladen: "Ein Mann kam jede Woche und kaufte alle neuen Singles aus den Top 40. Er war ungefähr 85 Jahre alt und hatte früher, ab den 60ern, als DJ gearbeitet. Seit Jahren war er in Rente, wollte aber trotzdem immer alle aktuellen Chart-Hits haben, 'nur für alle Fälle'."

Für Laura Major hat sich die Zeit als Verkäuferin bei HMV übrigens gelohnt. Dank all der skurrilen Szenen, die sie dort beobachten konnte, hatte sie die perfekten Voraussetzungen für ihren späteren Job: Sie arbeitet heute als Comedy-Autorin und schreibt unter anderem für einige der erfolgreichsten britischen Comedy-Quizshows.

Quelle: Twitter