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Urteil: Braut ruiniert ihre Hochzeitsfotografin - und muss nun 75.000 Euro Strafe zahlen

Der schönste Tag im Leben hat manchmal ein langes Nachspiel. Eine Braut aus Kanada wurde vom Gericht verdonnert, umgerechnet 75.000 Euro an ihre Hochzeitsfotografin zu zahlen, weil sie einen Online-Hass-Sturm gegen sie entfachte.

Jede Braut träumt von fantastischen Fotos und wäre enttäuscht, wenn die Bilder missraten sind.

Jede Braut träumt von fantastischen Fotos und wäre enttäuscht, wenn die Bilder missraten sind.

Der Braut gefallen die Hochzeitsfotos nicht – dumm gelaufen, aber kommt vor. Doch die Kanadierin Liao Chan setzte nach einem Streit wegen der Fotos zu einem Vernichtungsfeldzug gegen das Fotostudio "Amara Wedding" und dessen Besitzerin Kitty Chan an. Mit Verleumdungen und Lügen gelang es ihr, das Geschäft von Kitty Chan zu zerstören. Der Feldzug des Hasses konnte so erfolgreich sein, weil sich beide in der gleichen sozialen Gruppe bewegen, beide sind Kanadier chinesischer Abstammung.

Zerstörungsmission

Der Fall kam vor Gericht, Ende Februar wurde das Urteil gesprochen, wie lokale Medien berichten. Richter Gordon Weatherill befand, dass Liaos "Mission darin bestand, etwas aufzudecken, was sie irrtümlicherweise als betrügerisches Geschäft wahrgenommen hat". Der Richter sagte, dass Liao das Internet benutzt habe, um Chans Ruf und ihrem Geschäft "so viel Schaden wie möglich" zuzufügen. "Damit war sie erfolgreich", betonte Weatherill in der schriftlichen Entscheidung. 

Das ganze Drama begann schon vor der eigentlichen Hochzeit. Liao hatte Chan angeheuert, um die Hochzeit am 4. Juli 2015 zu fotografieren. Das ganze Paket sollte etwa 6000 Dollar kosten, aber als Liao die ersten Fotos aus der Zeit vor der Hochzeit sah, war sie enttäuscht und wollte nicht zahlen.

Firma am Ende

Die Mitarbeiter Chans erfüllten dennoch den Vertrag und behielten Fotos und Videos aber zurück, bis die Rechnung beglichen würde. Dieses Dilemma führt zum ersten Rechtsstreit, der bereits 2016 zugunsten der Fotografin entschieden wurde. Doch neben dem Kampf vor Gericht hat Liao einen "unerbittlichen", fast ein Jahr andauernden Feldzug auf chinesisch- und englischsprachigen Social-Media-Seiten geführt. Sie beschuldigte ihre Kontrahentin zu lügen, auch der Vorwurf der "Erpressung" bis zum "Betrug" wurde geäußert. 

Vor dem Richter war Liao wenig einsichtig. Sie glaubte, dass sie ihre Postings gerechtfertigt waren, weil sie betrogen und belogen worden sei. Das Problem war nun, dass Liao nicht beweisen konnte, dass die Beschuldigungen wahr seien. Der Richter meinte nur: "Die Beweise sind überwältigend, dass keine Behauptung von ihnen wahr war." Er verstehe, dass ihr die Bilder nicht zugesagt hätten. Aber das wäre noch kein Betrug.

Der Richter erkannte, dass es "kein Zufall" sei, dass mit Beginn von Liaos Cyber-Tirade Chans zuvor gesundes Studio keine Aufträge mehr bekam.

Zuschlag wegen Bosheit

Das Urteil soll eine Signalfunktion haben. "Liao und andere, die denken, dass es richtig sei, das Internet zu nutzen, um ihren Frustrationen freien Lauf zu lassen, sollen heute die Botschaft bekommen, dass es Konsequenzen geben wird, wenn ihre Veröffentlichungen verleumderisch werden", sagte Weatherill.

Weatherill sprach Chan 75.000 normalen Dollar Schadenersatz zu und stellte fest, dass Liaos "selbstherrliches oder hasserfülltes" Verhalten einen verschärften Schadenersatz von 15.000 Dollar rechtfertige. Weitere 25.000 Dollar Zuschlag gab es wegen "hartnäckiger Bosheit".

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