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Die NEON-Singles – Gemeinsam einsam: Als Single im Urlaub mit den vergebenen Freunden: Die Frau ist immer dabei

In unserer Kolumne "Gemeinsam einsam" schreiben die NEON-Singles über alle Tücken, die das ledige Leben so mit sich bringt. Heute berichtet unser Autor, wie es ist, mit verheirateten Freunden in Urlaub zu fahren.

Drei Männer im Urlaub

Männerurlaub – das Thema "Frauen" ist trotzdem ständig präsent

Getty Images

Urlaub mit Freunden – das kann in alle Richtungen gehen. Nicht nur, was die Himmelsrichtungen angeht, sondern auch stimmungsmäßig. Manche Reisen machen Spaß, erzeugen ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das noch Jahre anhält, und man erzählt sich die Geschichten noch lange Zeit. "Wir waren zwar alle dabei, wir haben die Story auch schon hundert Mal gehört, aber erzähl noch mal", heißt es dann, und man bekommt eine Ahnung davon, wie wir in einigen Jahrzehnten zusammensitzen und erzählen werden, wenn auch hoffentlich nicht vom Krieg. Aber so sicher kann man sich da auch nicht mehr sein.

Urlaub, die Zeit, in der man tage-, manchmal auch wochenlang 24 Stunden täglich aufeinanderhängt, kann aber auch zu einer echten Belastungsprobe für die Freundschaft werden. Es gibt Menschen, die seit Kindestagen unzertrennlich waren und dann irgendwo in Südostasien auf das Übelste aneinandergeraten sind. Und Paare, die sich mitten in einem lange erwarteten Urlaub am anderen Ende der Welt getrennt haben. Diese Extreme sind mir glücklicherweise bisher erspart geblieben – aber auch ich habe einige meiner engsten Freunde im gemeinsamen Urlaub noch einmal von einer anderen Seite kennengelernt. Und nicht selten spielte dabei auch der aktuelle Beziehungsstatus eine Rolle.

Einer hängt immer am Handy

Wir waren eine Gruppe von drei Typen um die 30, die sich in heimischen Gefilden regelmäßig zu – wie wir es nannten – "großen Gesprächen und toxischen Getränken" trafen. In manchen Dingen waren wir uns sehr ähnlich, in anderen sehr verschieden. Kurzer Überblick in Sachen Beziehungsstatus: Ich, Single mit bisweilen beträchtlicher emotionaler Verwirrung. Michael, den ich schon lange kenne und der noch länger verheiratet ist, zwei Kinder. Stefan, ebenfalls Ehemann, noch nicht so lange und noch ohne Kinder. Wir waren eine Gruppe von drei Typen – aber irgendwie waren die Frauen immer dabei.

Es vergingen keine fünf Minuten, in denen nicht irgendein Handy Geräusche von sich gab – und es war in den allermeisten Fälle nicht meines. Zumindest bei Michael war mir nicht klar, wie oft er tatsächlich an seinem Smartphone hing. Jedenfalls dann, wenn er nicht in der Nähe seiner Familie war. In regelmäßigen Abständen kamen Videos der Kinder aufs Handy, flogen Chatnachrichten mit der Frau hin und her oder mussten wichtige Haushalts- und Familienangelegenheiten per Sprachmitteilung erörtert werden. Dabei gab es eigentlich mal die ungeschriebene Regel, dass nur Menschen mit ungeklärtem Beziehungsstatus am Handy schreiben dürfen, während sie sich mit anderen unterhalten. Aber damit ist es in der allgemeinen Handysucht ohnehin schon lange vorbei.

Stefan blieb an jedem Souvenirstand stehen, um endlich das perfekte Mitbringsel für die Partnerin zu finden. Und das dauerte. In den Läden, die alle die gleichen Schnitzereien, Teller und Süßigkeiten in den Regalen stehen hatten, führten wir ausgiebige Beratungsgespräche durch, bei denen wir wie selbstverständlich davon ausgingen, dass sie niemand verstand.

Endlich mal Probleme, die man als Single nicht hat

Es waren diese Momente, in denen ich dachte: "Endlich ein Problem, das ich nicht habe". Und in denen ich mir gleichzeitig doch ab und zu wünschte, genau solche Probleme zu haben. Denn mir fielen nur Menschen zu Hause ein, bei denen ein Geschenk zu einer ziemlich seltsamen Situation geführt hätte. Und so ertrug ich die Verzögerungen mit dem mir gegebenen Gleichmut und scrollte abends, während meine Begleiter in die Heimat berichteten, auf dem Hotelbett gelangweilt meine Twitter-Timeline hoch und runter.

Das alles hat mich weniger genervt als es womöglich klingt. Eigentlich war es eine interessante Erfahrung: zu sehen, was Ehe und Familie mit sich bringen. Ich kenne schließlich auch die anderen Extreme: Reisen mit einer Gruppe von Single-Jungs, die nicht erwachsen werden wollen und nur Quatsch im Kopf haben. Das kann lustig sein, aber es kann auch schnell belastend werden, wenn man im Sommer keine 50 Meter zusammen gehen kann, ohne dass jemand sagt: "Hast du die gesehen?"

Es tut gut, auch mal nicht über Frauen zu reden

Mit Freunden, für die solche Dinge keine Rolle mehr spielen (zumindest würden sie es nicht zugeben oder zeigen), kann man nicht ständig über Single-Themen sprechen. Aber man muss es eben auch nicht. Man kann auch mal über die großen und kleinen Fragen der Welt philosophieren, über Literatur, Filme, Politik, die fremde Stadt um einen herum. Manchmal tut das auch mal ganz gut – das Männer-Frauen-Thema ist ja im Kopf und in den Gesprächen schon omnipräsent genug.

Stefan hat nach langem Hin und Her endlich ein Geschenk gefunden, das seiner Partnerin ganz sicher gefallen würde. (Erzähler: Es gefiel ihr nicht.) Michael machte sich solche Gedanken gar nicht erst. Als ich ihn fragte, ob er denn seiner Frau nichts mitbringen wollte, meinte er: "Für sie ist es das beste Geschenk, wenn ich zurückkomme." Und ich dachte, dass das doch etwas sehr Schönes sein müsste.