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Interview

Mobbing: Prinz Pi: "Wenn dich jemand fertig machen will, findet er einen Grund"

Prinz Pi hat zusammen mit Bosse und Capital Bra einen neuen Track über Mobbing rausgebracht - "Messer". Mit NEON spricht er über seine Erfahrungen mit dem Thema.

Prinz Pi auf dem Hurricane Festival 2018

Prinz Pi auf dem Hurricane Festival 2018

Picture Alliance

Als Bosse bei Prinz Pi und Capital Bra im Studio vorbei kommt und und bei einem Song ihre Hilfe braucht, überlegen die beiden nicht lange. Ein Track über Mobbing soll es werden und dazu können auch die Rapper etwas beitragen. Herausgekommen ist "Messer", der Titelsong zu einer Anti-Mobbing Kampagne des Radiosenders 1live. Wir haben mit Prinz Pi über seine persönlichen Erlebnisse gesprochen und darüber, wie er bei Mobbing seinen Kindern hilft.

Hast du selbst Erfahrungen mit Mobbing gemacht?

Also jetzt nicht so richtig schlimm, aber ich bin natürlich jemand, der immer in einer Außenseiterrolle war. Ich wurde nicht krass verprügelt oder so, aber ja, natürlich hab ich die gemacht.

Warum warst du in einer Außenseiterrolle?

Ich weiß nicht, ich finde, man sollte als jemand, der zum Außenseiter gemacht wird nicht die Gründe bei sich suchen. Manchmal ist es vielleicht die Hautfarbe, manchmal ist es, weil man anders spricht, manchmal, weil man weniger schlau ist, eine Brille trägt oder weil man keine trägt. Das sind ja immer die Leute, die dich mobben, die entscheiden, warum du ein Außenseiter bist. Ich denke schon, dass man selbstkritisch sein sollte, aber wenn dich jemand fertig machen will, dann findet der einen Grund, auch wenn keiner da ist.

Hast du in der Schule mitbekommen, dass andere gemobbt wurden?

Bei mir an der Schule wurde niemand krass verprügelt oder so. Aber ich habe mal mitbekommen, wie eine schwarze Mitschülerin gemobbt wurde, unter anderem von einem Lehrer. Ich habe mich dann mit ihm angelegt und dafür fast einen Schulverweis bekommen. Er hat sie Schokokrossi genannt oder sowas.

Wie gehst du mit Hate in den sozialen Medien um?

Es ist ganz gut, dass ich aus einer Generation komme, in der das Internet auch einfach nur das Internet ist. Es ist für mich eher wie ein Chatroom oder ein Forum. Es ist nicht meine Lebensrealität und ich messe dem Ganzen nicht so viel Bedeutung bei.

Für viele deiner Fans ist das sicher anders. Glaubst du, dass soziale Medien Mobbing begünstigen?

Sie machen es definitiv effizienter und skalieren es hoch: Sowohl was die reine Anzahl an geht, die Menge an Hass. Aber auch die Intensität. Die Leute schreiben Sachen, die sie im echten Leben nie sagen würden. Ein Kommentar im Internet kann ja jeder schnell schreiben. Die Menschen im Internet wissen gar nicht, was sie damit anrichten.

Du hast eine Tochter im Grundschulalter, hat sie Erfahrungen mit Mobbing gemacht? Hast du mit ihr darüber gesprochen?

Sie selbst nicht soweit ich weiß, aber es gibt immer Kinder, die andere fertig machen. Aber die Frage ist auch: Wann beginnen Kinder mit Eltern und Lehrern zu reden, wenn etwas passiert? Ich hätte ja auch als Jugendlicher niemals die Gespräche mit meinen Freunden mit meinen Eltern geteilt. Allgemein habe ich mit meiner Tochter darüber natürlich geredet. Ich glaube, dass das total wichtig ist, sich damit auseinander zu setzen.

Erlaubst du deinen Kindern Zugang zu den sozialen Medien?

Also meine Kinder kommen damit nicht in Kontakt und werden es so lange wie möglich auch nicht. Speziell Instagram, was eine Plattform ist, die sehr kompetitiv ist. Es geht immer ums Zurschaustellen. Was hat man? Wo ist man? Das ist ein großer Wettbewerb, in der Regel mit positiven Sachen, aber es gibt ja auch Schubladen bei Instagram, wie #thinstagram, wo Leute zum Beispiel um die Wette hungern. Der überwiegende Teil ist ein gelebter Materialismus und ich will meine Kinder so lange davor bewahren, wie ich kann. Filme haben ja auch nicht umsonst eine Altersbegrenzung.

Den neuen Track "Messer" kannst du dir auf Spotify anhören.

NEON-Redakteurin fragt Menschen auf der Straße

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