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Filmkritik: "Lommbock": Ein würdiger Nachfolger des Kiffer-Klassikers?

2001 zeigte "Lammbock", dass deutsches Kino seine Zuschauer zum Lachen bringen und trotzdem ernst nehmen kann. In dieser Woche kommt die Fortsetzung ins Kino und beweist: 15 Jahre sind eine verdammt lange Zeit.

Trailer: So witzig wird die Fortsetzung vom Kultfilm "Lammbock"

Zukunftsängste, Silikonimplantate, Cannabis-Konsum und Oralverkehr mit Mehmet Scholl, die Probleme des Lebens eben. Das waren die Themen, die " " ansprach und die ihn in den frühen Nullerjahren zum Kultfilm machten.

Das Film-Plakat zu "Lommbock".

Das Film-Plakat zu "Lommbock".

"Lammbock" erzählte die Geschichte der beiden Slacker Kai und Stefan, gespielt von Moritz Bleibtreu und Lucas Gregorowicz, die zwischen Studium und Grasplantage noch nicht genau wussten, was das Leben überhaupt von ihnen will. Das konnte der Film nicht beantworten und das war in Ordnung, schließlich ist das Problem zeitlos. Aber was machen 15 Jahre mit Typen wie Kai und Stefan? Eine würde ohne Antwort darauf nicht funktionieren.

Der Überraschungshit als Unikat

Auch Regisseur hatte seine Zweifel an der Fortsetzung. "Der erste Lammbock war ein Einzelstück und ich wollte das nicht durch eine blöde Fortsetzung verderben", sagte er dem BR. Er habe dann widerwillig mit dem Schreiben angefangen, damit ihm niemand mehr mit dem Thema auf die Nerven gehen würde.

"Lammbock" lag Zübner immer besonders am Herzen. Die Komödie war sein erster Kinofilm, gewürzt mit Anekdoten aus seiner Jugend und seiner Heimatstadt als Kulisse. Dabei orientierte sich Zübner auch an den New-Jersey-Filmen von Kevin Smith, der 2001 gerade ein kreatives Hoch hatte. Vor allem Lammbocks Dialoge sind stark von Filmen wie Clerks oder Chasing Amy inspiriert, und gerade diese ziellosen Gespräche zwischen Kai und Stefan machten "Lammbock" so charmant.

Und Zübner tat gut daran, bei "Lommbock" nicht daran zu sparen. Nur sind die Akteure keine Studenten mehr, sondern Männer um die 40, die eigentlich mitten im Leben stehen sollten. Der Kai von heute ist bemühtes Oberhaupt einer Patchwork-Familie. Stefan lebt in Dubai und macht dort irgendetwas Wichtiges mit Geld. Außerdem plant Stefan seine Hochzeit, weswegen er zurück in seine Heimatstadt fliegt, um seine Geburtsurkunde abzuholen. Erwachsenenkram eben.

Süßer Rauch und graue Haare

Blauer Dunst weht auch durch die "Lammbock"-Fortsetzung.

Blauer Dunst weht auch durch die "Lammbock"-Fortsetzung.

So treffen sich Stefan und Kai nach langer Zeit wieder. Beide sind beeindruckt, was aus dem alten Freund geworden ist. Als beide ihrem ehemals gemeinsamen Hobby nachgehen, fallen die Fassaden. Kai versucht seinen Alltag zu überleben und er selbst zu bleiben, und Stefan muss sich in seiner Heimat ein paar alten Dämonen stellen. Aus planlosen Mittzwanzigern sind planlose Mittvierziger geworden. Wer konnte das erwarten?

Leider sind die beiden Hauptdarsteller etwas zu tough für ihre Rollen. Rolle als Slacker saß 2001 wie ein Maßanzug. Als Daddy wirkt er aber wie verkleidet. Ansonsten sind die Auftritte der Darsteller aus dem ersten Teil gut inszeniert. Auch Wotan Wilke Möhring und Antoine Monot jr. Sind wieder als Tourette-kranker Kiffer und schweigsamer Genießer zu sehen. Die beiden Schauspieler, die mittlerweile als Tatortkommissar und Elektrofachhandel-Testimonial "Tech Nick" bekannt sind, sind eine Versinnbildlichung dafür, wie Menschen sich in 15 Jahren verändern können.

Der eine hat immer noch Tourette, der andere will endlich Verantwortung übernehmen. 

Der eine hat immer noch Tourette, der andere will endlich Verantwortung übernehmen. 

Ebenfalls eine Art Nebendarsteller ist der besagte Zeitraum seit 2001. Ein Jahr, in dem Pizza, Gras und Schwangerschaftstests noch mit D-Mark bezahlt wurden, in der Cannabis-Konsum noch lustig war und T-Shirts mit Kiffersprüchen im EMP-Katalog bestellt wurden. Der Song "Wir kiffen" von einem gewissen Stefan Raab hielt sich im selben Jahr ganze 14 Wochen in den Deutschen Charts. Mit anderthalb Dekaden Abstand wirkt das sehr putzig. Diese Zeit klebt noch immer etwas an den Protagonisten und genau das befeuert die Konflikte, die ihnen in 2017 zusetzen.

Der kleine "Ich-bin-nicht-zufrieden"-Mann im Kopf

"Die beiden sind erwachsener geworden, aber das Umfeld ist viel erwachsener geworden und die beiden haben Mühe, damit Schritt zu halten", sagte Moritz Bleibtreu über die Rollen Stefan und Kai. Das reicht um Lommbock zu einem unterhaltsamen Film zu machen, bei dem sich die Zuschauer gelegentlich ertappt fühlen, aber selten aus der Comfort-Zone gerissen werden.

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Denn Lommbock kann genau in einer Hinsicht nicht liefern und das sind Überraschungen, egal ob positiv oder negativ. Und das, obwohl er es mehrfach versucht. Unter anderem wird die Schwarz-Weiß-Szene aus dem ersten Film reproduziert. Die Schärfe des ersten Teils wird aber nicht getroffen. Was bleibt, ist netter Fanservice. Und selbst Mehmet Scholls Cameo-Auftritt war mehr Pflicht als Überraschung.

Trotzdem werden die Zuschauer Lommbock diese Punkte verzeihen. Langweilig ist die Komödie zu keinem Zeitpunkt. Dafür bietet das Wiedersehen mit alten Freunden einfach zu viel Unterhaltung.

Trailer: So witzig wird die Fortsetzung vom Kultfilm "Lammbock"


Lommbock läuft ab dem 23.3.2017 im Kino.