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Ukraine-Krieg Studie zeigt: Indien kauft günstiges Öl aus Russland und verkauft es an die EU weiter

Eine indische Frau vor einem Tanklaster. Indien profitiert von den Sanktionen der EU gegen Russland.
Eine indische Frau vor einem Tanklaster. Indien profitiert von den Sanktionen der EU gegen Russland.
© Imago Images
Seit dem Angriffskrieg in der Ukraine wird Russland zunehmend mit Sanktionen belegt. Im Juni hat sich die EU verpflichtet, kein russisches Erdöl mehr zu importieren – diese Regelung hat allerdings Schlupflöcher, wie eine Studie zeigt.

Die Botschaft der EU klang Anfang Juni klar: "Sanktionen gehören zu den sichtbarsten, unmittelbarsten und wirkungsvollsten Reaktionen der EU auf den brutalen und unprovozierten Angriff Russlands auf die Souveranität der Ukraine." Im neuesten Sanktionspaket war das herausstechende Element das Einfuhrverbot von russischem Erdöl.

Konkret hieß es in der Mitteilung der EU: "Das vorgelegte Paket enthält ein vollständiges Einfuhrverbot für alle russischen Erdöle und Erdölerzeugnisse auf dem Seeweg. Dies deckt 90 Prozent unserer derzeitigen Ölimporte aus Russland ab."

Schon damals wurden in das Verbot kleine Schlupflöcher eingebaut: So ist der Import über Erdöl-Pipelines nach wie vor möglich, nur per Schiff darf Öl nicht mehr importiert werden. Außerdem unterliegt das Verbot "bestimmten Übergangszeiträumen", die es "dem Sektor und den globalen Märkten ermöglichen, sich anzupassen."

Seit Beginn der Invasion: Indien, China, die Arabischen Emirate und Saudi-Arabien kaufen günstiges russisches Öl

Damit nicht genug: Eine Studie des finnischen "Centre for Research on Energy and Clean Air" zeigt nun, dass die Sanktionen auch auf andere Art und Weise umgangen werden können. So haben Länder wie Indien, China, die Arabischen Emirate und Saudi-Arabien immer mehr günstiges Erdöl aus Russland importiert – Indien habe das Öl dann sogar, weiterverarbeitet, an die EU verkauft.

Für Indien ein lukratives Geschäft: Am Weltmarkt wird Öl in unterschiedlichen Sorten gehandelt, als Referenz gilt dabei das aus der Nordsee stammende Brent Oil. Wenn der Preis für Brent Oil steigt oder fällt, steigen und fallen auch die Preise für andere Ölsorten um einen ähnlichen Wert.

Die Preise für Brent Oil und Ural Oil im Vergleich: Seit dem Beginn der Invasion in der Ukraine ist russisches Öl deutlich günstiger geworden.
Die Preise für Brent Oil und Ural Oil im Vergleich: Seit dem Beginn der Invasion in der Ukraine ist russisches Öl deutlich günstiger geworden.
© Neste / Reuters

Seit Kriegsbeginn ist diese Logik für das russische Ural Oil ausgesetzt: Gegenüber Brent hat Ural Oil um 30 bis 40 Prozent an Wert verloren, ist also im Vergleich deutlich günstiger geworden. Verlockend für Länder wie Indien, die sich den Sanktionen der EU nicht angeschlossen haben!

Indien kauft günstiges Öl in Russland und exportiert es dann wieder

Wie sehr sich Indien auf russisches Öl stürzt, kann man gut an den Export-Anteilen Russlands sehen: Vor der Invasion in der Ukraine ging gerade einmal ein Prozent des russischen Öls nach Indien. Seitdem stieg der Anteil auf bis zu 18 Prozent im Mai an. Das gleiche Bild gilt für indische Raffinerien: Der größte Importeur ist die Jamnagar-Raffinerie, die inzwischen 27 Prozent ihres Öls aus Russland bezieht – vor der Invasion waren es gerade einmal fünf Prozent.

Indien ist inzwischen einer der größten Importeure von russischem Öl (blaue Balken).
Indien ist inzwischen einer der größten Importeure von russischem Öl (blaue Balken).
© Centre for Research on Energy and Clean Air

Das weiterverarbeitete Öl aus Jamnagar geht dann laut "Centre for Research on Energy and Clean Air" zu mehr als 50 Prozent ins Ausland.

Quellen:"Centre for Research on Energy and Clean Air", Ural vs. Brent Oil, Informationen zum Sanktionspaket der EU

tvm

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