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Börse: Die Börse ist cooler als du denkst: Mach was aus deinem Geld

Wer sein Geld unterm Kopfkissen versauern lässt, verliert. Denn Inflation sorgt dafür, dass es immer weniger wert wird. An die Börse trauen sich nur Wenige. Aber wieso? Börse heißt nicht gleich volles Risiko.

Von Johannes Zimmermann

Ein Bildschirm zeigt einen bunten Graphen und einige zugehörige Aktienwerte

Was an der Börse passiert, ist für viele Menschen völlig fremd. Sie haben nicht genügend Mut, ihr Geld anzulegen. Dabei ist das Risiko für jeden Anleger sehr gut steuerbar.

Spießige Anzugträger und riskante Zocker – aber keine Studenten. An der Börse handelt nur, wer die Millionen auf dem Konto hat, glauben viele. Börse sei nur was für die Großkupferten. Filmszenen von Champagner-Partys mit und Prostituierten wie aus "Wolf of Wallstreet" schießen gerne in die Köpfe. Die meisten Deutschen glauben, ihr Geld sei an der Börse nicht sicher und kann in Nullkommanichts den Bach runter gehen. 

Richtig ist: Börsenhandel ist mit einem Risiko verbunden. Kurse können abstürzen. Geld kann den Bach runter gehen.

Aber: Wie viel Risiko man eingehen möchte, kann jeder Anleger selbst steuern. Unsichere Anleger können ihr Risiko auf unter zehn Prozent bringen.

Inflation macht weniger aus deinem Geld

Wer sein Geld in einer unscheinbaren Dose im Küchenschrank bunkert oder sein komplettes Erspartes auf dem Konto lässt, verliert ständig etwas davon. Denn unser Geld wird jedes Jahr weniger wert. Grund dafür ist die Inflation: Die Preise für alles, was wir im Leben kaufen, werden jedes Jahr ein bisschen teurer. Und zwar um ein bis zwei Prozent – das ist die Inflationsrate. Umgekehrt ausgedrückt: Das Geld in der Sparbüchse wird also jedes Jahr ein bis zwei Prozent weniger wert, weil wir uns – aufgrund der steigenden Preise – weniger davon kaufen können als noch im Jahr davor. 
Daher solltest du dein Erspartes auf keinen Fall für mehrere Jahre irgendwo aufbewahren. Denn Inflation macht in fünf Jahren bis zu zehn Prozent weniger daraus. Damit dein kleines Vermögen auf lange Sicht nicht weniger wird, solltest du mindestens zwei Prozent Zinsen dafür bekommen. Damit würdest du die Inflationsrate ausgleichen. Wenn du mehr als zwei Prozent bekommst, machst du auf lange Sicht sogar Gewinn. 

Das Problem ist: Keine Bank dieses Landes zahlt dir auch nur annähernd zwei Prozent Zinsen. Diese Zeiten sind vorbei.

Von der Hausbank aufs Börsenparkett

Die Alternative: Lege dein Geld an der Börse an. Keine Panik: Das heißt nicht, dass du dein Geld in eine Aktie investierst, die in wenigen Tagen abstürzt und dich zu einem armen Schlucker macht. Anleger können an der Börse sehr gut steuern, wie viel Risiko sie in Kauf nehmen. Umso riskanter eine Aktie ist, umso mehr Rendite, also Gewinn, bringt sie meistens. Man kann mit solchen riskanten Papieren also wahnsinnige Gewinne einfahren, aber auch viel verlieren. Es gibt aber auch das genaue Gegenteil: Staatsanleihen und andere festverzinsliche Papiere sind sehr sicher, bringen aber möglicherweise nur ein oder zwei Prozent Gewinn ein – immerhin deutlich mehr als ein Sparbuch. Das Risiko, dass Anleger ihr Geld bei solchen Papieren verlieren, ist aber fast Null. Und natürlich gibt es nicht nur diese sehr riskanten und die sehr sicheren Papiere: Dazwischen liegen noch unzählige andere Aktien mit verschieden hohem Risiko und verschieden hohen Renditen.


Wenn du dein Geld an der Börse anlegst, ist es wichtig, zu wissen, wie viel Risiko du eingehen möchtest. Willst du nur gerade so die Inflation ausgleichen und bist mit zwei Prozent pro Jahr zufrieden? Oder willst du jedes Jahr zehn Prozent einfahren? Dann wirst du Aktien mit höherem Risiko wählen müssen und die Wahrscheinlichkeit, dass du auch mal Geld verlierst, ist höher.

Für jeden das passende Risiko

Idealerweise splittet man seine Investitionssumme (dein Erspartes oder Teile davon) in einen risikofreien Teil und in einen risikobehafteten Teil. Du kannst beispielsweise 90% deiner Ersparnisse risikofrei anlegen (bspw. in Staatsanleihen, die ein Prozent Rendite bringen) und nur zehn Prozent risikobehaftet (bspw. in Aktien, die acht Prozent Rendite bringen). Dann würden am Jahresende eine Rendite von 2,6 Prozent stehen und du hättest auch nach Abzug der noch einen kleinen Gewinn gemacht. 
Wenn du mehr Risiko in Kauf nehmen kannst, weil du dein Erspartes in den nächsten zehn Jahren sowieso nicht brauchst oder noch andere Reserven hast, dann kannst du deinen Risiko-Anteil erhöhen und beispielsweise halb und halb in risikofreie und riskante Papiere (risikofrei mit ein Prozent, risikobehaftet mit acht Prozent Rendite) investieren. Dann hättest du am Jahresende 4,5 Prozent dazuverdient. Das ist schon ordentlich.

Mit Vorsicht beginnen

Wichtig ist: Sei dir bewusst darüber, dass eine Investition an der Börse nur sinnvoll ist, wenn du das angelegte Geld längere Zeit nicht brauchst. Die Börse ist nicht dazu geeignet, 900 Euro mal für ein halbes Jahr anzulegen. Das Risiko ist zu hoch, dass in dieser Zeit eine Krise aufkommt und die Kurse stürzen. Wenn du zehn Jahre oder länger nicht auf dein Geld zurückgreifen musst, dann gleichen sich schlechte Jahre aus und am Ende steht mit hoher Wahrscheinlichkeit ein ordentliches Plus.

Im Internet findest du viele weitergehende Tipps und Ratgeber zu deiner erster Börseninvestition. Wer anlegen möchte, sollte sich unbedingt ein wenig über die Börse informieren. Der YouTube-Kanal Finanzfluss zum Beispiel erklärt die Börse sehr detailliert. 

Besonders interessant für unerfahrene Anleger sind sogenannte ETFs (Exchange-traded Funds). Dabei entscheidest du dich nicht für einzelne Aktien, sondern für ein ganzes Aktien-Paket. Darin enthalten sind alle Aktien eines Aktienindex, wie zum Beispiel dem Dax. Damit kannst du das Risiko deiner Anlage auf viele verschiedene Aktien streuen und überstehst es unbeschadet, wenn einzelne große Aktien mal an Wert verlieren. Informationen zu ETFs bekommst du etwa bei JustETF.

Übrigens: Wer ethische und moralische Bedenken beim Börsenhandel hat, findet auch eine Lösung. Dass viele Aktienfonds auch an der Rüstungsindustrie und anderen zwielichtigen Branchen beteiligt sind, ist für manche ein entscheidendes Detail. Wer diese Geschäfte auf keinen Fall unterstützen möchte, kann aber gezielt nach Papieren suchen, die bestimmte Branchen wie die Rüstungsindustrie ausschließen. Viele Aktiensuchmaschinen bieten solche Filter an. 

Viele Börsen-Anfänger machen einen großen Fehler: Sobald die eigenen Aktien mal fünf Prozent verloren haben, bekommen unerfahrene Anleger oft Muffensausen und verkaufen ihre Papiere wieder. Das solltest du auf keinen Fall tun. Denn nach einem Tief kommt ein Hoch. An der Börse wird nicht über Nacht das große Geld gemacht, sondern mit viel Geduld - außer du zockst. Und das ist gefährlich.

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