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Nina Brockmann NEON Traumjob: Wie wird man eigentlich ... Zootierpflegerin?

Zootierpflegerin Nina füttert Jimmy, das Humboldtpinguinküken
Zootierpflegerin Nina füttert Jimmy, das Humboldtpinguinküken im Zoo Osnabrück
© Zoo Osnabrück
Nina macht eine Ausbildung als Zootierpflegerin im Zoo Osnabrück – ein Traumjob für viele. Aber wie wird man das eigentlich? Und wie sieht so ein Arbeitsalltag aus? Mit NEON hat sie darüber gesprochen, warum sie nicht den ganzen Tag nur Tiere streichelt.

Um wen geht’s?

Nina Brockmann ist 26 Jahre alt, kommt aus Steinfurt in Nordrhein-Westfalen und arbeitet im Zoo Osnabrück als Auszubildende zur Zootierpflegerin im ersten Lehrjahr. Bevor sie ihre Ausbildung begonnen hat, studierte sie Biologie.

Was machst du den ganzen Tag?

Das kommt ganz auf den Bereich an, in dem ich gerade arbeite. Unser Zoo ist aufgeteilt auf mehrere Reviere, zum Beispiel das Elefantenrevier oder das Vogelrevier. Für jedes davon gibt es eine Handvoll Leute, die fest dafür zuständig sind. Generell fange ich morgens an zu checken, wie es den Tieren geht, ob alle gesund und vollzählig sind. Danach mache ich die Ställe sauber und schneide das Futter. Das ist die tägliche Routine. Dazu gibt es noch Extraarbeiten wie passende Beschäftigungen für das jeweilige Tier zu finden. Da bastelt man dann etwas, um den Tieren ein bisschen Abwechslung zu bieten.

Jedes Revier hat seinen Revierleiter und dessen Vertretung. Der Revierleiter ist immer in seinem Revier und dort quasi der Chefpfleger. Seine Vertretung arbeitet meist auch immer fest dort. Und dann gibt es noch die Springer: Die haben eine Handvoll Reviere, in denen sie eingesetzt werden – je nachdem, wo gerade Not am Mann ist. Wir Auszubildenden gehen in den ersten zwei Jahren einmal jedes Revier durch – und im letzten Jahr werden wir dann auch wie ein Springer eingesetzt.

Ich fand bis jetzt das Südamerika-Revier besonders toll, weil man da Umgang mit den Flachlandtapiren hat. Die sind einige der wenigen Tiere, mit denen man direkten Kontakt haben kann. Das kommt im Zoo sonst selten vor – anders als viele Leute sich das vorstellen. Man hat als Pfleger wirklich wenig direkten Tierkontakt. Aber bei den Tapiren ist er möglich. Das sind wirklich besondere Momente.

Wie wird man das eigentlich?

Generell ist es ein Ausbildungsberuf. In meinem Fall habe ich vorher erst Biologie studiert und auch dort meinen Abschluss gemacht. Aber das war mir alles zu theoretisch – ich wollte gerne etwas Praktischeres machen. Da ist mir natürlich der Zoo in den Sinn gekommen, weil man dort das erlernte Wissen über die Tiere praktisch anwenden kann. Ich habe mich für ein Praktikum beworben und im Anschluss glücklicherweise die Stelle auch bekommen. Die Ausbildung dauert drei Jahre.

Quereinsteiger, die gar keine Ausbildung gemacht haben, gibt es bei uns im Zoo selten bis gar nicht. Mir persönlich fällt die Schule durch mein Studium leichter, weil ich bei vielen Dingen den Zusammenhang verstehe.

Den Unterricht hat man in einer Berufsschule einmal die Woche, beziehungsweise alle zwei Wochen noch einen zweiten Tag. Dort haben wir ganz normale Fächer wie Deutsch und Wirtschaftslehre, aber eben auch unsere speziellen Fächer. In denen lernen wir schon eine ganze Menge, aber eben nur Grundlagen – nicht zu vergleichen mit einem Biologie-Studium. Was wir in der Schule mehr machen, ist, dass wir sehr viel auf die einzelnen Tiere eingehen, einmal komplett das ganze Tierreich durch. Vor allem über die, die wir auch in unserem Zoo haben. Das hat man dagegen im Studium gar nicht.

Welchen Satz kannst du nicht mehr hören?

"Ihr streichelt ja sowieso den ganzen Tag nur Tiere." Viele vergessen, was für ein harter Job das ist. Es ist wirklich körperlich anstrengend. Wir sind den ganzen Tag mit Saubermachen beschäftigt. Wie ich schon gesagt habe, kommt es in den seltensten Fällen vor, dass man die Zootiere streicheln darf.

Wie ist die Bezahlung?

Natürlich wird man als Zootierpfleger nicht reich. Aber wir bei uns im Zoo haben das Glück, dass es einen Haustarif gibt. Der orientiert sich am TVöD, also am Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst. [Anm. d. Red.: Das Einstiegsgehalt liegt beim TVöD (VKA) bei ca. 1900 Euro brutto.] Außerdem haben wir überdurchschnittlich viele Urlaubstage und bekommen Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Hier in Osnabrück trifft es uns schon sehr gut.

Was ist das Beste an deinem Job?

Wir haben zwar eine gewisse Routine, die jeden Tag abgearbeitet werden muss – aber man weiß vorher nie, was einem alles dazwischen kommt. Wir arbeiten ja mit Lebewesen und die passen sich deiner Routine nicht an. Dadurch wird der Tag immer abwechslungsreich.

Ein besonderes Highlight ist der Nachwuchs bei den Humboldtpinguinen. Ich kam nach dem Wochenende zur Arbeit, als meine Revierleiterin meinte, dass sie eine Überraschung für mich habe. Ich dachte mir schon, dass es um den Pinguin geht. Das Ei war am Abend vorher vom Küken angepickt worden und ist dann im Laufe der Nacht geschlüpft. Das Gefühl, dieses nicht mal Handvoll Leben zu sehen, war überwältigend.

Die ersten zwei Wochen sind immer relativ kritisch. In der Zeit haben sich hauptsächlich zwei ausgelernte Pfleger um das  Küken  gekümmert. Danach durfte ich auch ran und das war total schön. In den folgenden Wochen zu sehen, wie toll er frisst und zunimmt war echt spannend. Und dann kam meine Revierleiterin auf mich zu und sagte, ich dürfe den Namen aussuchen. Ich habe ein paar Vorschläge gemacht. Jimmy und Juna schafften es in die Endauswahl. Das Geschlecht konnten wir aber erst später über eine DNA-Analyse bestimmen lassen. Ich bin jetzt stolze Patentante von Jimmy.

Was das Nervigste?

Natürlich ist der Job total cool, wenn gutes Wetter ist und man den ganzen Tag draußen arbeiten kann – aber es ist nunmal nicht 365 Tage im Jahr gutes Wetter. Wenn es eine Woche lang regnet und man jeden Tag patschnass wird, ist das schon ziemlich ätzend.

Dein Tipp für Newcomer?

Die sollten sich auf jeden Fall um Praktika kümmern, möglichst in vielen verschiedenen Zoos. Man sollte echt jede Erfahrung, die man sammeln kann, mitnehmen. Denn oft kommt man nur so an die Ausbildungsstellen ran. Das Ding ist: Sehr, sehr viele Leute bewerben sich auf diese Stellen – die Zahlen, die man da aus manchen Zoos hört, sind wirklich unglaublich. Und man sollte immer im Hinterkopf behalten, dass es wirklich ein sehr anstrengender Job ist – und man nicht nur den ganzen Tag Tiere streichelt.

Mehr Traumjobs findet ihr unter neon.de/traumjob.


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