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Die Ära der Klingeltöne: Crazy Frog, Sweety und Co.: Was wurde eigentlich aus Jamba?

Zum Glück sind die Zeiten von "SCHICKE JETZT 'FROSCH EINS' AN FÜNF MAL DIE DREI!!!" vorbei. Aber was ist eigentlich aus Jamba, der Quelle allen Übels geworden? Und fährt der Crazy Frog immer noch auf seinem unsichtbaren Moped?

Da kommen Erinnerungen hoch: Als der Crazy Frog und Sony Ericsson noch heißer Scheiß waren

Da kommen Erinnerungen hoch: Als der Crazy Frog und Sony Ericsson noch heißer Scheiß waren

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"SCHICKE JETZT 'FROSCH EINS' AN FÜNF MAL DIE DREI!!!"

Wenn du bei diesen Worten kein Flashback bekommst, gehst du entweder noch zur Grundschule oder hast das letzte Jahrzehnt hinterm Mond gelebt. In jedem Fall: Herzlichen Glückwunsch!

Die Nullerjahre brachten zwar viele technische Innovationen hervor, doch die Ära der Klingeltöne wünsche ich mir trotzdem nicht zurück. Tanzende Nilpferde, gelbe Küken, fluchende Tassen, "Der kleine Nils" ... die Liste der Grausamkeiten lässt sich schier unendlich fortsetzen. Zu jedem Klingelton gab es ein Video, das im Musikfernsehen bis zum Erbrechen in Dauerschleife lief. Eine Todesspirale der Aggressivität: Die Ansagen für "JAMBA SUCHT DEN KLINGELTONSTAR! HEUTE AM START: SWEETY, DAS KÜKEN!" machten aggressiv, Sweetys Gesang machten aggressiv, die ständigen Wiederholungen machten AGGRESSIV!!!11!

Gibt es Jamba eigentlich noch?

Nachdem ich mich von Sweety, dem Küken erholt hatte, habe ich mich gefragt: Gibt es Jamba noch? Und viel wichtiger: Hat tatsächlich noch jemand ein Jamba-Sparabo? 

Die aktuelle Webseite des einstigen Klingelton-Imperiums sieht auf den ersten Blick aus, wie das Gehirn eines Dreijährigen. Alles bunt und süß. Da wird für etwas Werbung gemacht, das sich Baby Vuvu nennt und aussieht wie ein singender Säugling im Bärenkostüm. Sogar den Hasen Schnuffel gibt es noch. Yay! Und das Jamba-Logo hat ein Facelift bekommen. 

Screenshot von Jamba.de

Ja, den Hasen Schnuffel gibt es (leider) immer noch

Man sollte meinen, in Zeiten von Millionen kostenlos verfügbaren Apps wären Internetseiten, die Handy-Spiele verkaufen überflüssig. Sind sie vielleicht auch - Jamba.de gibt es trotzdem noch. Wer sich ein bisschen durch das Angebot klickt, stößt auf alte Bekannte: der Love Calculator und der Babynamen-Generator. Eine schnelle SMS mit dem eigenen Namen reicht, und schon bekommt man den Namen des Traumpartners oder Traumbabys. Nur das kleine Sternchen (gefühlt extra für Jamba erfunden) hinter der "FÜNFMALDIEDREI" signalisiert: Bei Jamba gibt es noch immer nichts ohne Abo, das man praktischerweise mit einer Kurznachricht abschließt. Für 4,99 Euro pro WOCHE ein echter Schnapper.

Im bunten Jamba-Kiosk gibt's aber noch mehr heißen Scheiß! Animierte Wallpaper, Emoticons, "Fun Sounds" ... Ich kann nicht glauben, dass tatsächlich noch jemand Geld für Emoticons ausgeben soll. (Vielleicht sind das die Menschen, die damals auch für WinRAR bezahlt haben.) 

Kauft immer noch jemand Klingeltöne?

Der Absatz von Klingeltönen in Deutschland ist in den letzten Jahren deutlich gefallen. Nach Daten von Statista wurden 2006 in Deutschland noch 13,2 Millionen Klingeltöne verkauft, 2008 waren es immerhin noch 7,7 Millionen. Ein Jahr später bricht der Verkauf auf 4,7 Millionen ab, 2014 fällt er unter eine Million. Tendenz fallend. Dass überhaupt noch jemand Geld für sowas ausgibt, überrascht mich. Ich mein: Hallo! Es ist das Zeitalter der Lautlos-Taste! Wer heute sein Smartphone noch auf laut stehen hat, gehört weggesperrt!

Auch das Jamba-Sparabo (wer daran sparen soll, ist mir immer noch ein Rätsel) ist noch nicht ganz ausgestorben, wie die Statistik von aboalarm.de beweist. Im vergangenen Jahr wurden über die Webseite immer hin 828 Sparabos gekündigt. 

Ja, der Crazy Frog, das größte Jamba-Phänomen aller Zeiten, fährt immer noch mit seinem unsichtbaren Moped. Und jetzt haltet euch fest: Das Video mit dem Ring-ding-ding und dem Beverly-Hills-Cop-Sound hat bei Youtube über eine Milliarde Klicks. Eine MILLIARDE. (Laut einem Online-Ranking übrigens der nervigste Song aller Zeiten.) Ihr macht euch Gedanken um Trump, während irgendwo in der Welt Millionen von Menschen immer noch diesen Song hören ...

Die Zeit, als man sein Handy noch in kleine Söckchen gesteckt hat, war zwar schön. Aber den Hype um Jamba vermisst wohl nur Jamba selbst.