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Meinung

Club legt Protest ein: Nach Wirbel um HSV-Profi Jatta: Warum das Verhalten des 1. FC Nürnberg schäbig ist

Der 1. FC Nürnberg verlor am Montag mit 0:4 gegen den HSV. Aber über Umwege reicht es für den Club vielleicht doch noch. Denn nach dem Wirbel um HSV-Profi Jatta legt der Verein nun Protest gegen die Wertung der Partie beim DFB ein. Äußerst unsportlich, findet unser Autor.

HSV-Profi Jatta

HSV-Profi Jatta (r.) kam am Montag beim 4:0-Auswärtssieg seines Teams gegen den 1. FC Nürnberg für 65 Minuten zum Einsatz

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Chaos oder wie es beim Hamburger Sportverein heißt: Alltag. Dabei schien die Welt für den HSV nach dem 4:0-Sieg am Montag bei Bundesliga-Absteiger 1. FC Nürnberg noch in Ordnung zu sein. Das Team von Dieter Hecking hatte mit dem Kantersieg ein Ausrufezeichen in der noch jungen Zweitligasaison gesetzt. Doch inzwischen geht es schon wieder drunter und drüber beim Nordklub.

Grund dafür ist ein Bericht der "Sport Bild", in dem die Identität von Hamburgs Mittelfeldspieler Bakéry Jatta angezweifelt wird. Dieser soll angeblich einen anderen Namen haben und Bakéry Daffeh heißen. Und er soll älter als – wie angegeben – 21 Jahre sein, so die Sportzeitschrift. Kurzum: Seine unglaubliche Geschichte, wie er als Flüchtling 2015 im Alter von 17 Jahren nach Deutschland kam und sich zum Fußballprofi hocharbeitete, soll auf einer Lüge beruhen.

1. FC Nürnberg legt wegen Jatta Protest ein

Indes bleibt Jatta bei seiner Darstellung. Es sei alles wahr, was er bei seiner Ankunft in Hamburg erzählt hatte. Damit steht Aussage gegen Aussage. Trotzdem sorgen der Bericht und die möglichen Zweifel am Lebenslauf des Gambiers für jede Menge Schlagzeilen. Es geht um gefälschte Papiere, angebliche Asylanträge und einen möglichen Verlust des Aufenthaltsrechtes. Teilweise irrwitzige und peinliche Spekulationen. Das Schlimmste an der ganzen Sache ist aber das Verhalten des 1. FC Nürnberg – genauer gesagt: das der Verantwortlichen.

Die legten tatsächlich "fristgerecht Einspruch gegen die Wertung des Zweitligaduells mit dem Hamburger SV" ein, wie der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Mittwochabend mitteilte. Kurz zuvor sagte der Sportvorstand der Clubberer, Robert Palikuca, dem "Hamburger Abendblatt": "Natürlich sollen die Punkte grundsätzlich auf dem grünen Rasen und nicht am grünen Tisch verteilt werden. Allerdings befinden wir uns in einem Wettbewerb, der durch Regeln und Vorgaben bestimmt wird, an die sich alle Beteiligten gleichermaßen halten müssen." Deshalb habe sich der Club mit dem Thema juristisch seriös auseinandergesetzt.

Eine schöne Formulierung für den schäbigen Versuch des Vereins, ein Spiel doch noch zu gewinnen, das man sang und klanglos verloren hatte. Denn während der gesamten 90 Minuten hatte der 1. FC Nürnberg gegen den HSV nicht den Hauch einer Chance. Die Niederlage war an diesem Abend absolut verdient – auch in dieser Höhe.

Umso unverständlicher ist es nun nach einer solchen Klatsche, das Spiel am grünen Tisch gewinnen zu wollen. Warum können die Verantwortlichen des Vereins den klaren Ausgang dieses Spieles nicht einfach akzeptieren? Wieso lassen sie die Sache nicht einfach ruhen? Nach dem Motto: Wir waren sportlich einfach schlechter als der HSV. Und das hatte auch überhaupt nichts damit zu tun, dass ein Spieler 65 Minuten lang gespielt hat, an dessen Lebenslauf es nun Zweifel gibt.

DFB entscheidet "zu gegebener Zeit"

Aus juristischer Sicht mag die Entscheidung des 1. FC Nürnberg möglicherweise Sinn ergeben, Einspruch einzulegen. Schließlich will sich der DFB des Themas annehmen. "Der Kontrollausschuss wird den Sachverhalt untersuchen", sagte der Gremiumsvorsitzende Anton Nachreiner dem Sport-Informations-Dienst. Das Sportgericht habe bereits um eine HSV-Stellungnahme gebeten und werde "zu gegebener Zeit" über den Einspruch befinden.

Nichtsdestotrotz ist das Handeln des Clubs in sportlicher Hinsicht beschämend und blamabel zugleich, weil die Posse um Jatta keinerlei Einfluss auf den Spielverlauf am Montag hatte. Und wie sagte schon Ruhrpott-Legende Alfred Preißler in seinem Zitat, das sogar an der Fassade des deutschen Fußball-Museums in Dortmund prangt: "Grau ist im Leben alle Theorie, aber entscheidend is' auf'm Platz."