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Bayernwahl: "Mia Ned!": Bayern-Song gegen die AfD wird zum Wahlkampf-Hit

Ein Anti-AfD-Musikvideo aus Bayern sorgt gerade online für Furore. Der Social-Media-Hit ruft zum Nachdenken auf – und zerpflückt das Wahlprogramm der AfD.

"Rudi, das kannst du nicht machen. Du musst dich doch ein bisschen erkundigen. Das gibt's ja wohl nicht. Mein Gott!", brüllt ein Mann mit schulterlangen Haaren seinen Kumpel am Telefon an. Der hat ihm gerade eröffnet, dass er die AfD wählen will. Da schnappt sich der Protagonist seine Gitarre und zieht durch die Straßen der Münchener Innenstadt. Dabei singt er in bayrischem Dialekt vom Rechtsruck in Bayern, der AfD und der Landtagswahl am 14. Oktober. Und davon, dass jeder genau hinschauen soll, wo er bei der Wahl sein Kreuzchen setzt.

Viraler Hit

"Mia Ned!“, heißen der Song und das Video, die gerade im Netz viral gehen. Im Clip finden sich an einem sonnigen Tag gut gelaunte Menschen zusammen, vereint von den Klängen bayerischer Volksmusik und der Meinung, dass das Deutschland, nach dem die AfD strebt, für Bayern nicht das Richtige ist. "Mia Ned", also "Wir nicht" – eine gesungene Antwort auf die Frage, wer in Bayern die AfD wählt. Sänger ist der Künstler und Liedermacher Roland Hefter. Er seziert dazu das Parteiprogramm der AfD, bricht die Botschaften in einfacher Sprache und zuweilen zugespitzt herunter. Sein Fazit: "AfD im Landtag - da vergeht mir echt der Durscht". Innerhalb der letzten Woche entwickelte sich der Song zum viralen Hit. Fast 200.000 Mal wurde er auf der Seite der Initiatoren bei Youtube aufgerufen, bei Facebook erreichen die Klickzahlen bald die Zwei-Millionen-Grenze. Sogar auf dem Münchener Oktoberfest wurde er zum Hit.

Antwort auf die AfD

"Dass es so reinhaut, haben wir uns gewünscht, aber nicht erwartet“, sagt Andrea Hailer im Gespräch mit NEON. Sie ist Sprecherin von "Künstler mit Herz", der Initiative, die hinter dem Video steht. Im Video wird getanzt und gesungen, viele begeisterte Menschen schließen sich dem Sänger an. Auf die düstere Untergangsstimmung, die die AfD oft verbreitet, kontern die Künstler mit fröhlich bunten Bildern. Sie sind das Gegenprogramm zu all den Bildchen und Videos, die sich AfD-Mitglieder in ihren Facebook- und Whatsapp-Gruppen tagtäglich zusenden.

Das Künstlerkollektiv will mit dem Video vor allem eines: aufmerksam machen. "Wir merken, dass gerade vor der Wahl sehr viel Angst geschürt wird“, sagt Hailer. "Dabei ist es doch egal, welchen Dialekt man spricht, solange das Gefühl stimmt." 

Wahlprogramm lesen statt motzen

Mehr als 200 Künstler, Musiker und Medienschaffende gehören mittlerweile zu "Künstler mit Herz". Sie wollen sich "gegen den Rechtsruck" und für ein "tolerantes und weltoffenes Bayern" einsetzen, wie es in einem offiziellen Statement heißt. Ins Leben gerufen wurde die Initiative im Mai dieses Jahres von Schauspielerin Johanna Bittenbinder, die man unter anderem aus dem "Tatort" kennt, zusammen mit dem Kabarettisten Harald Helfrich. Fast täglich kommen neue Unterstützer dazu, darunter bekannte Namen wie der Schauspieler Hannes Jaenicke. Ziel ist es, etwas zu bewegen: "Nur mit Motzen ist es eben nicht getan", sagt Andrea Hailer. Man wolle die Menschen zum Nachdenken anregen und auch erreichen, dass sie vor der Bayernwahl am 14. Oktober die Wahlprogramme lesen.

AfD glaubt nicht an Wirkung des Videos

Martin Sichert, Landesvorsitzender der AfD in Bayern, sieht das Ganze etwas anders. "Ich habe das Video in meinem Facebook-Feed entdeckt", sagt er auf Nachfrage von NEON. Zu Ende geschaut habe er es allerdings nicht, sondern sich ziemlich aufgeregt. "Dort werden Fake News verbreitet und Sachen behauptet, die so nicht im Programm der AfD stehen", sagt Sichert. So sei zum Beispiel die Aussage aus dem Video, die AfD setze sich nicht für die Gleichberechtigung von Mann und Frau ein, falsch. "Die Initiatoren kennen wohl den Unterschied zwischen Gleichstellung und Gleichberechtigung nicht." Worin genau dieser besteht, erklärt er allerdings nicht. Auch, dass das Video die Wahl in Bayern beeinflusst, glaubt Sichert nicht. "Bis jetzt hat mich kein Wähler darauf angesprochen." Er glaube nicht, dass die Initiative unter den AfD-Anhängern Resonanz finde.

Diese Wahrnehmung deckt sich zumindest mit den offiziellen Zahlen vor der Landtagswahl. Lagen die Rechtspopulisten vor drei Jahren noch unter der Grenze von fünf Prozent, die für den Einzug in den Landtag notwendig ist, sehen sie alle Umfragen seit 2017 im zweistelligen Bereich. Auch der Landesverband der AfD in Bayern hat sich in den letzten Jahren deutlich vergrößert: Mitte September gab Landeschef Sichert die Aufnahme des fünftausendsten Mitglieds bekannt.