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Pink Tax: Frauen werden beim Einkaufen benachteiligt – was man gegen "Gender Pricing" tun kann

Frauen müssen spezielle Hygieneprodukte wie Binden oder Tampons kaufen. Darüber hinaus bezahlen sie aber auch für alltägliche Hygieneprodukte oftmals mehr als Männer. Was es mit der sogenannten Pink Tax auf sich hat.

Gender Pricing Frauen Männer

Identisches Produkt, andere Farbe, anderer Preis – beim "Gender Pricing" zahlen vor allem Frauen mehr für Produkte, die speziell auf sie zugeschnitten sind. Saskia Kroschewski erklärt im NEON-Interview, was dahinter steckt.

Ein Pop-Up Store im szenigen Hamburger Schanzenviertel: Im Regal einer hippen Boutique stehen Cremetuben mit bunter Aufschrift – links pink-farbene, rechts blaue. Die pinken "Smooth Sensation Sensitive" kosten 6,90 Euro, die blauen "Deep Care Men" nur 4,90 Euro. "Einige Besucher hätten die Cremes zu diesem Preis wirklich gekauft", sagt Saskia Kroschewski von der Agentur Serviceplan Campaign International. Was die Käufer nicht wussten: In beiden Tuben ist dasselbe Produkt. Und wer die Tube um 180 Grad dreht, hat auf der Rückseite statt der pink-farbenen die blaue Aufschrift oder umgekehrt.

Was ist "Gender Pricing"?

Mit ihren besonderen Produktlinien für Frauen und Männer wollen die Hamburger Agentur Serviceplan Campaign International und die Hamburger Verbraucherzentrale die Praktiken des sogenannten "Gender Pricing" verdeutlichen: Vor allem Frauen zahlen teilweise über 100 Prozent mehr für Drogerieartikel, wenn ein Produkt bewusst auf ihre Zielgruppe zugeschnitten ist.

"Hersteller und Händler nutzen aus, dass Frauen häufiger als Männer bereit sind, für Pflegeprodukte mehr Geld auszugeben, vor allem wenn sie sich von der Gestaltung der Verpackungen angesprochen fühlen", erläutert Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. Das zeigt auch ein aktueller Marktcheck der Verbraucherzentrale: Bei elf unterschiedlichen Rasierprodukten aus Drogeriemärkten waren die Preise durchschnittlich knapp 38 Prozent höher für die Frauenvariante. Ein Rasierschaum der Marke Isana wird bei Rossmann sogar mit einem Frauenaufschlag von über 100 Prozent verkauft. Für zwei Eau de Toilette wurden in der Stichprobe Aufpreise von 24 Prozent (Bruno Banani) und 57 Prozent (Eau de Toilette von Mexx) für die "Frauen-Version" dokumentiert.

Diskriminierung von Frauen beenden

Das sogenannte "Pink Taxing" ist vielen Kunden zwar bekannt, aber oftmals werden Frauen- und Männerprodukte bewusst nicht nebeneinander platziert und es liegt bei den Käuferinnen, die Preise zu vergleichen. "Ich dachte irgendwie immer, dass die Rasierer vielleicht mehr Klingen haben oder die Cremes bessere Inhaltsstoffe", sagt eine Kundin zu NEON. Auch sie hätte wohl zu den teureren Frauen-Produkten im Pop-Up Store gegriffen.

"Auch wenn Verbraucherinnen heute informierter und sensibilisierter sind als noch vor einigen Jahren und neutrale Ersatzprodukte kaufen könnten, haben sie nicht immer eine Wahlmöglichkeit", so Valet. "Wir fordern daher von Herstellern und Händlern, die Preisdiskriminierung von Frauen in jeglicher Hinsicht zu unterlassen, denn sie sind doppelt benachteiligt, weil sie durchschnittlich weniger verdienen als Männer."

Was Frauen so lange tun können, um das Gender Pricing zu umgehen? Am besten Produkte vergleichen und im Zweifel auf teures Pink im Badezimmer verzichten.