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Meinung

Danke, Sarah Silverman!: Komikerin zeigt sich nackt auf Instagram – und beweist, wie bescheuert die Richtlinien sind

Die Doppelmoral bei Nacktfotos auf Instagram und Co. ist nicht neu: Frauennippel werden gelöscht, die von Männern nicht. Komikerin Sarah Silverman prangert das mit einem Nacktfoto gerade wieder an. Genau richtig, findet unsere Autorin.

Sarah Silverman wehrt sich gegen die Doppelmoral bei Nacktfotos auf Instagram

Komikerin Sarah Silverman wehrt sich gegen die Doppelmoral bei Nacktfotos auf Instagram

Getty Images

Komikerin Sarah Silverman hat ein Spiegel-Selfie aus ihrem Badezimmer auf Instagram gepostet, so wie es schon tausende Menschen vor ihr gemacht haben. Nur gibt es bei ihrem Foto ein Detail, das gegen die Richtlinien des sozialen Netzwerkes verstößt: Man kann – zwischen den ganzen Beautyartikeln, die in ihrem Spiegelschrank stehen – ihre Brüste inklusive Brustwarzen sehen. Zu viel für das US-amerikanische Unternehmen. 

"Instagram hat dieses Foto gelöscht, weil es obszön sei. Nicht sexualisierte Frauenbrüste sind obszön. Wenn sie eingeölt und von, sagen wir mal, sexy Hosenträgern gehalten werden, die gerade so die Nippel bedecken, ist das nicht obszön. Das ist sexy", schreibt sie auf Twitter und postet demonstrativ das unzensierte Selfie. "Noch einmal: Frauenbrüste sind obszön, Männerbrüste sind nicht obszön." Auf Instagram postet Silverman einen Screenshot der Nachricht, die sie bekommen hat, als das Foto gelöscht wurde. Dazu schreibt sie: "Sorry, Instagram! Du bringst unseren Mädchen so viel bei! Danke für die Führung! Was ich gelernt habe: Mädchen, schämt euch. Schämt euch sehr." 

Aus Protest postete sie anschließend mehrere Fotos von Männerbrüsten und zensierten Frauenbrüsten, die sie jeweils mit "nicht obszön" oder "obszön" kommentierte. Das Lustige: Einmal versagte selbst der Instagram-Algorithmus und löschte ein Bild von einem männlichen Nippel. Ein weiterer Beweis dafür, wie absurd die Doppelmoral bei Nacktfotos in den sozialen Medien ist. 

Doppelmoral bei Nacktfotos auf Instagram

Weibliche Brüste sind so dermaßen sexualisiert wie kein anderes Körperteil. Aber warum? Ist es, weil Männer keine haben? Daran kann es nicht liegen, denn es gibt auch Männer, die relativ große Brüste haben – sei es nun wegen einer Hormonstörung oder aus einem anderen Grund. Und es gibt Frauen, die viel kleinere Brüste haben. Trotzdem werden die einen gelöscht und die anderen nicht. Dabei ist die Brust eigentlich eines der unschuldigsten Körperteile, die wir Frauen haben. Schließlich haben wir sie hauptsächlich, um ein Baby damit zu füttern. Wenn Mütter ihre Kinder früher nicht hätten stillen können, würde es uns wahrscheinlich gar nicht mehr geben. Weibliche Brüste sind also überlebenswichtig für die Menschheit. Warum müssen wir sie dann auf Instagram verstecken?

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Not Obscene vs Obscene. GOT IT

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Miley Cyrus hat die ganze Doppelmoral in einem Interview bei Jimmy Kimmel 2015 sehr gut auf den Punkt gebracht: "Menschen haben keine Angst vor der menschlichen Brust, der Nippel ist das Problem." Sie selbst trug während des Gesprächs oben rum ein glitzerndes Cape und darunter nur ein Paar herzförmige Nippel-Aufkleber. "Ich zeige meine Brüste und niemand hat ein Problem damit. Solange die Nippel bedeckt sind, ist es irgendwie okay. Amerika hat kein Problem mit Titten, sondern mit Nippeln. Das ist verrückt, denn genau die sind es, die jeder Mensch hat. Den Teil, den nicht alle haben, darf man zeigen. Ich habe noch nie verstanden, wie das funktioniert." Da hat sie vollkommen recht. Das, was alle Menschen haben, gilt als obszön – aber nur bei Frauen. Der Rest der weiblichen Brust, der ja eigentlich viel mehr Platz einnimmt ist, stellt dagegen kein Problem dar – solange die böse, böse Brustwarze bedeckt ist.

Danke, Miley Cyrus, Micol Hebron und Sarah Silverman!

Schon ein Jahr zuvor prangerte die Künstlerin Micol Hebron mit ihrer Aktion die Doppelmoral in den sozialen Medien an. Sie teilte ein Foto von einem männlichen Nippel und forderte die Community auf, diesen Nippel einfach auf die Frauennippel zu kleben oder zu photoshoppen, so dass die Nacktbilder nicht mehr gegen die Richtlinien von Facebook, Instagram und Co. verstoßen. Sie selbst demonstrierte dies mit einem Foto von einer Vernissage, bei der zwei Frauen und zwei Männer oben ohne zu sehen sind. Über die Brüste der beiden Frauen photoshoppte sie einen riesigen Männernippel. Und tatsächlich ist das Foto von 2014 immer noch auf Facebook. Ein Riesennippel von einem Mann ist also kein Problem – die von zwei Frauen aber schon. Dank Frauen wie Miley Cyrus, Micol Hebron und nun Sarah Silverman werden wir immer wieder daran erinnert, wie bescheuert dieser ganze Nippel-Zirkus ist. 

Dear Instagram, Here, I fixed it:

Gepostet von Micol Hebron am Montag, 4. August 2014

Es gibt bei der Diskussion darum, wieso auch außerhalb des Internets überhaupt so ein Stigma auf der weiblichen Brust liegt, das Totschlag-Argument: "Na, dann lauft halt einfach oben ohne rum. Es ist ja nicht verboten." Ja, könnten wir. Aber weibliche Brüste sind in unserer Gesellschaft immer noch viel zu krass sexualisiert. Ich persönlich hätte kein Problem damit, mich oben ohne an den Strand zu legen. Ich habe aber sehr wohl ein Problem damit, wenn Menschen anfangen würden, mich anzugaffen, blöde Sprüche oder womöglich noch Fotos zu machen. Denn das ist auch so ein Ding: Mit Oben-ohne-Fotos können Frauen leider auch 2019 noch erpresst werden. Männer nicht. Oder habt ihr schon mal gehört, dass solche Fotos von Promi-Männern geleaked wurden?

Frauenbrüste = Sex?

Frauenbrüste werden schnell mit Sex in Verbindung gebracht, und damit mit etwas, das als obszön oder peinlich gilt, weil es zu intim für die Öffentlichkeit sei. Bei primären Geschlechtsmerkmalen kann man das vielleicht noch nachvollziehen, weil sie in den meisten Fällen maßgeblich beim Sex beteiligt sind. Aber Brüste? Klar, die können auch beteiligt sein, aber das können Finger auch. Muss man deswegen jetzt seine Finger bedecken? Wir müssen aufhören, weibliche Brüste und Nippel in die Schmuddelecke zu stecken. Das Problem sind nicht die Brüste, sondern die, die bei jeder nackten Brust spitz werden und sich nicht mehr beherrschen können. Oder die, die stillende Mütter anstößig finden. Keine Frau sollte sich für ihre Brüste schämen müssen. Sie sollten endlich als das gesehen werden, was sie sind: ein Körperteil. Ein verdammt cooles Körperteil.

NEON-Redakteurin fragt Menschen auf der Straße