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Sexismus im Radsport: Streit um die "Podium Girls" bei der Tour de France

Küsschen hier, Blumen da und bitte nett lächeln – das ist die Aufgabe der sogenannten "Podium Girls" bei der bekanntesten Radrennfahrt der Welt. Doch eine Berliner Initiative will die Tradition der Tour de France ins Wanken bringen.

Mann auf dem Siegerpodest bei der Tour de France

Blumen verteilen und Trikos übergeben - das ist die Aufgabe der "Podium-Girls" bei der Tour de France

Picture Alliance

Sie heißen "Grid Girls", "Nummern Girls" oder eben "Podium Girls": Bei großen Sportveranstaltungen vergeben oftmals gut aussehende und meist leicht bekleidete Frauen die Siegerpreise, feuern die Sportler an und sorgen bei Fernsehübertragungen für dekorative Bilder. Bei der Tour de France, der bekanntesten Radrennfahrt der Welt, überreichen sie seit Anbeginn die Trikots der Gewinner, verteilen Präsente und Küsschen. Doch das soll sich nun endgültig ändern - zumindest wenn es nach "She36", einer Berliner Initiative von Rennradfahrerinnen geht. Unter dem Titel "Get rid of Podium Girls" haben sie eine Petition gestartet, die mittlerweile über 17.000 Unterschriften gesammelt hat.

Frauen sind keine Sieg-Prämie

"Podium-Girls als Dekoration, gar als Preis für den Fahrer? Frauen sind nichts davon: keine Objekte, kein Siegespreis! Ich, als Mutter, Fahrradkurierin und Gründerin einer etablierten Berliner Frauen* Fahrradgruppe finde es eine Schande, dass diese Tradition immer noch existiert", schreibt Initiatorin Tamara Danilov in ihrer Petition. Pünktlich zum Start der Tour am 6. Juli machten die Fahrerinnen auch offline auf ihr Anliegen aufmerksam: In gelben Trikots und teilweise auch leicht bekleidet, protestierten sie auf dem Potsdamer Platz in Berlin dagegen, dass Frauen bei der Tour schmückendes Beiwerk statt ernst zu nehmende Sportlerinnen seien.

"Seit Jahrzehnten sind die Berichterstattungen der Sportmedien männerdominiert. Egal ob im Fußball, Basketball oder Fahrradsport. Es gibt zahlreiche Frauenteams und Frauenligen in nahezu allen Sportarten, in TV und Presse sind sie nur leider wenig präsent. Im Radsport gibt es Formate, die nur für Männer existieren. Es gibt die Tour de France. Aber eben nur für Männer", heißt es daher in der Petition. Das war nicht immer so: Bis 2009 gab es die "Grande Boucle Féminine", eine an die Tour angelehnte Rundfahrt für Frauen, die jedoch aufgrund mangelnder Sponsoren und Streit um den Tournamen eingestellt wurde. Seitdem sind Frauen bei der Siegerehrung nur noch als Gratulantinnen zu finden.

Ab nach Brüssel

Damit sich das ändert, wollen die Initiatorinnen von "She36", die nach eigenen Angaben die Liebe zum Radfahren teilen und auch selber Rennen fahren, nun den Direktor der Tour de France, Christian Prudhomme, unter Druck setzen – denn dieser habe schon 2018 versprochen, die "Podium Girls" abzuschaffen. Geschehen sei dies jedoch bisher nicht, so die Initiatorinnen. Eine offizielle Stellungnahme der Tour-Verantwortlichen zu den Protesten und der Petition gab es bisher nicht. Wie der "rbb" berichtet, blockierte der offizielle Instagram-Account der Tour de France jedoch den Account von "She 36" und löschte ihre Kommentare. Einige Mitglieder der Gruppe planen daher nun, die gesammelten Unterschriften am Ende der Tour in Brüssel an die Verantwortlichen zu übergeben.

Andere Sportarten wie Dart oder die Formel Eins sind schon einen Schritt weiter. Dort gibt es keine "Walk-On" beziehungsweise "Grid-Girls" mehr. Bei anderen Radrennen, wie der Tour Down Under, werden die Preise mittlerweile von Nachwuchsfahrern und –fahrerinnen übergeben.

lau