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US-Justiz: Dieser Mann hat Migranten mit Brot und Wasser versorgt. Dafür drohen ihm nun 20 Jahre Haft

Scott Warren arbeitet in der Wüste von Arizona als ehrenamtlicher Mitarbeiter einer Hilfsorganisation. Weil er zwei Migranten Unterschlupf gewährt und sich um sie gekümmert hat, wird ihm nun der Prozess gemacht. Aber warum?

Scott Daniel Warren

"No More Deaths" – keine weiteren Todesfälle in der Wüste von Arizona! Das ist das Motto, dem sich der Menschenrechtsverteidiger Scott Warren verschrieben hat. "No More Deaths", so lautet auch der Name der humanitären Hilfsorganisation, für die Warren in besagter Wüste unterwegs war, als er im Januar 2018 in der Stadt Ajo, seinem Heimatort, von Beamten der US-Grenzpolizei festgenommen wurde.

Wie unter anderem der "Guardian" berichtet, wurde anschließend ein Strafverfahren gegen den 36-Jährigen eingeleitet. Der Prozess beginnt am heutigen Donnerstag in Tucson – und er erzählt eine Menge über die USA des Präsidenten Donald Trump.

Bis zu 20 Jahre Haft drohen ihm bei Verurteilung

Warren wird vorgeworfen, zwei Migranten, die nicht im Besitz gültiger Pässe seien, Unterschlupf gewährt und sie mit Essen und Wasser versorgt zu haben. Jetzt drohen ihm bei einer Verurteilung in allen Anklagepunkten bis zu 20 Jahre Haft.

Zum besseren Verständnis: Ein Mann, der seine Freizeit schon lange in der heimtückisch-heißen Wüste von Arizona verbracht hat, um den zahlreichen Migranten dort zu helfen, soll dafür nun womöglich mit seiner Freiheit bezahlen.

Laut einer aktuellen Statistik seien in jenem Wüstenabschnitt seit 1990 insgesamt rund 8000 Menschen umgekommen bei dem Versuch, in die USA einzuwandern. Es ist ein Landstrich, der für gestrandete und geflüchtete Menschen tödliche Gefahren birgt. Die Witterungsverhältnisse sind unmenschlich: Im Sommer steigen die Temperaturen hier gerne über 45 Grad, im Winter sinken sie unter den Gefrierpunkt. Flüssigkeit ist rar, Schatten nicht existent.

Warren wollte dem Sterben nicht länger tatenlos zusehen. Also verteilte er zusammen mit seinen Kollegen Wasser in der Wüste. Nur Tage vor seiner Verhaftung hatte "No More Deaths" schwere Vorwürfe gegen die Grenzpolizei erhoben: Beamte hätten Tausende der mit Wasser gefüllten Behälter für die Migranten mutwillig zerstört. Die Aktivisten belegten dies mit Fotos und Videos.

Doch die Polizisten handelten letztlich ganz im Sinne der Trump-Administration. Schon Justizminister Jeff Sessions stand für eine restriktive Einwanderungspolitik, aber die Vorbehalte des inzwischen geschassten Hardliners gehören auch heute noch heftiger denn je zur Denkweise von Donald Trump und seinen Regierungsmitgliedern.

Kein Respekt, keine Würde, keine Gnade

Das bedeutet in der Praxis: Migranten darf kein Respekt, keine Würde, keine Gnade gezeigt werden. Wer, wie Warren, dennoch versucht zu helfen, muss ebenso abgeschreckt und eingeschüchtert werden wie die Migranten selbst.

Denn: Die Grenzgebiete im Südwesten der Vereinigten Staaten sind Todesfallen für die Einwanderer – und die Regierung wolle offenbar, dass dies auch so bleibt, schrieb Justine Orlovsky-Schnitzler, eine weitere Hilfsarbeiterin von "No More Deaths", in einem Essay für die "New York Times" bereits im Dezember 2018. Die Anklage gegen Warren sei dabei Teil einer Langzeitstrategie: "Humanitäre Hilfe für Migranten ist ein Verbrechen."

Noch ist unklar, ob und wie lange Scott Warren für seinen Einsatz büßen muss. Aber schon jetzt steht dieser Fall exemplarisch für eine Politik der Kriminalisierung und Einschüchterung, die längst keine Grenzen mehr kennt – erst recht nicht im Grenzgebiet, in dem sich niemand mehr sicher fühlen soll: nicht die Migranten, und auch nicht die Freiwilligen, die ihnen helfen wollen.