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Perioden-Petition: Ermäßigter Steuersatz auf Periodenprodukte – das sagen Gegner und Befürworter

NEON und einhorn fordern den ermäßigten Steuersatz auf Periodenprodukte – und das polarisiert, wenig überraschend. So diskutiert die Community.

Frau mit Tampon

81425 Menschen haben die Online-Petition unterschrieben – jetzt können wir vorm Petitionsausschuss des Bundestags sprechen (Symbolbild)

Getty Images

Wir haben es geschafft: Über 80.000 Menschen haben unsere Petition mitgezeichnet. Das lief natürlich nicht ohne eine doch recht ordentliche Debatte nebenher im Netz ab – sei es auf Twitter, Facebook oder direkt im Kommentarbereich der Onlinepetition. Wer etwas dazu zu sagen hatte, hat es oft auch getan.

Dabei sind es immer wieder zwei Argumente der Gegner, die aufkommen: Die Sache mit dem Klopapier – und wie wenig Frauen* doch sparen würden. Doch das lassen die Befürworter natürlich nicht auf sich sitzen und es entstehen wundervolle Diskussionen. Hier nur einige Auszüge:

Die Geldersparnis wäre ja nur minimal!

"Um was geht es eigentlich? Wie viel geben Frauen für Monatshgiene aus? Eine Packung Tampons kriegt man für 4-5 Euro. Damit kommt frau länger als einen Monat aus. Eine Steuersenkung würde den Preis um 10% [sic! Anmerkung der Redaktion: 12 %] senken. Wie groß wäre dann die Ersparnis? 50 Cent!"

Hierzu müssen wir uns gar nicht erst äußern (auch wenn klar in der Petition steht, dass es uns um die systematische Diskriminierung von Menstruierenden geht), denn andere Kommentierende sprechen uns bereits aus der Seele: "Es geht hier auch viel weniger um die konkrete Ersparnis, sondern viel mehr darum, dass die Menstruation einfach kein "Luxus" ist, der einer Luxussteuer bedarf. [...] Abgesehen von der preislichen Ersparnis, die dann doch nicht "nur" 50 Cent beträgt, soll hier viel mehr darauf aufmerksam gemacht werden, dass, wie bereits oben erwähnt, die Menstruation kein Luxus à la "Ach, ich gönn mir das jetzt mal und eigentlich hab ich grad keinen Bock auf die Regelblutung", sondern eben "monatlicher Alltag"", schreibt ein männlicher Nutzer.

Es ist vor allem immer wieder schön zu sehen und auch unheimlich wichtig (im Petitionsausschuss sitzen weniger Frauen als Männer), dass Männer sich für Frauen bzw. Menstruierende einsetzen. Ein Mann schreibt als Antwort auf einen empörten Kritiker: "Es kann einem doch egal sein, wenn man nichts damit zu tun hat. Ich rege mich doch auch nicht künstlich darüber auf, dass Tiernahrung mit 7% besteuert wird. Ich habe keine Haustiere, es betrifft mich also nicht", womit er wiederum beweist, dass es ihm nicht egal ist und er sich gegen eine systematische Diskriminierung ausspricht.

Und was ist mit anderen Hygieneprodukten?

Immer wieder vergleichen Kritiker Periodenprodukte mit anderen Hygieneprodukten, die sowohl von Frauen, als auch von Männern genutzt werden. "Und wie sieht es bei Männern aus, bekommen wir auf Rasierer, Messer, Pflegeprodukte dies auch. Eine solche Petition kann man nicht mitzeichnen, weil Sie u.a. gegen das Verbot der Gleichbehandlung verstößt", schreibt ein User direkt auf der Online-Petitionsseite. (Wir hoffen, er meint mit "Messer" Rasiermesser und stellt den Besitz eines Messers als Mann nicht mit dem Bedarf einer Frau an Periodenprodukten gleich.)

Wir lassen darauf einfach mal, wie im Kommentarbereich, die Nutzer antworten: "Wir benutzen auch Rasierer, Rasierschaum und Pflegeprodukte für unsere Körper, meistens sogar viel mehr als Männer. Die zahlen wir ganz normal, wie die Männer: Als Luxusprodukte. Es geht aber nicht um diese Pflegeprodukte", schreibt eine Nutzerin. Ein anderer Kommentar hat noch einen ganz anderen Einwand: "Ein Rasierer ist, zumindest außerhalb medizinischer Einrichtungen, ein Kosmetikprodukt – kein Hygieneprodukt. Meine Körperhygiene leidet gewiss nicht unter meinem Bartwuchs. Ich möchte behaupten, dass Menstruationsprodukte eher nicht kosmetischer Natur sind." Dem stimmen wir nur zu gerne zu. Oder habt ihr schon mal eure beste Freundin gebeten, einen Blick zwischen eure Beine zu werfen und gesagt: "Schau mal bitte kurz – ist der Bändel an meinem neuen Tampon nicht wunderschön?" Schon passiert? Dann: You Go Girl!

Auch auf Twitter stellen sich, wie es aussieht, einige ähnliche Fragen:

Aber nicht nur Hygieneartikel, die sowohl von Männern als Frauen genutzt werden, bringen Petitions-Gegner ins Spiel, sondern oft auch Verhütungsmittel wie Kondome.

Brillenträger scheinen sich auch etwas angegriffen zu fühlen:

"Dürfen sich vielleicht auch Brillen-Träger zukünftig über eine verminderte Steuer freuen?", schreibt ein User.

Du denkst dir jetzt vielleicht: "Ja, kann ich alles verstehen, aber was hat das mit eurer Petition zu tun?" Genau, nichts. Dieses "Phänomen" nennt sich "Whataboutism" ("Was ist eigentlich mit ...?"). Diese rhetorische Taktik wird oft mit der ehemaligen Sowjetunion und ihrem damaligen Umgang mit westlicher Kritik in Verbindung gebracht, aber auch US-Präsident Donald Trump beherrscht sie aus dem Eff-eff. Eine sachliche Kritik bleibt der Whataboutism-Gesprächspartner oft aber schuldig.

Solche Diskussionen führen genauso weit, wie ein Streit mit dem Partner, den vielleicht der ein oder andere so oder so ähnlich kennt: "Du gibst mir nicht genug Freiraum!" – "Und du machst die Zahnpastatube nie zu!" Sie führen am Thema vorbei. Umso glücklicher sind wir, so viele Unterstützer (wir können es gar nicht oft genug sagen: über 80.000!) für unsere Forderung, den Steuersatz auf Periodenprodukte zu senken, gefunden zu haben. DANKE!

Marie Sophie Kiepe
Themen in diesem Artikel
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(