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Kampf gegen Armut Neuseeländische Regierung stellt kostenlose Periodenprodukte an allen Schulen bereit

Viele Tampons in einer Glasschale, von oben fotografiert
Periodenprodukte wie Tampons sollen in Neuseelands Schulen in Zukunft umsonst bereitstehen 
© ALEXANDRA WEY/ / Picture Alliance
Ab Juni werden alle Schulen Neuseelands kostenlose Menstruationsprodukte zur Verfügung stellen. In ärmeren Regionen des Landes hatten Schülerinnen auf Zeitungs- und Toilettenpapier zurückgreifen müssen, weil sie sich keine Tampons und Binden leisten konnten. 

Alle Schulen in Neuseeland werden ab Juni kostenlose Periodenprodukte für menstruierende Schülerinnen zur Verfügung stellen. Das bestätigte die Premierministerin Jacinda Ardern am Donnerstag in einer Präsentation der Initiative. Schulen und Organisationen hatten seit Jahren um einen entsprechenden Vorstoß gebeten: Immer mehr Mädchen würden dem Unterricht während ihrer Menstruation fernbleiben, weil sie sich die nötigen Hygieneprodukte nicht leisten könnten. 

"Junge Menschen sollten ihre Ausbildung nicht wegen einer Sache verpassen, die für die Hälfte der Bevölkerung ein normaler Teil des Lebens ist", erklärte Ardern bei der offiziellen Vorstellung ihres Plans. Zuvor hatte es bereits ein Pilotprojekt an 15 Schulen mit erhöhtem Bedarf gegeben. 

Marie Sophie Kiepe

Besonders in ärmeren Regionen des Landes hatten Schulleitende von schwerwiegenden Problemen der Schülerinnen während der Blutung berichtet. So sollen Jugendliche aus finanzieller Not auf Zeitungspapier, Toilettenpapier und sogar Telefonbücher als Alternative für Periodenprodukte zurückgegriffen haben. 

Periodenarmut: Viele Betroffene bleiben regelmäßig dem Unterricht fern

Jacinda Ardern zufolge verpasse eine von zwölf Jugendlichen in Neuseeland sogar regelmäßig den Unterricht, weil das Geld für Menstruationsprodukte fehlt. Eine Nichtregierungsorganisation beziffert die Gesamtzahl der Neun- bis 18-Jährigen, die wegen der sogenannten "Periodenarmut" zuhause bleiben, mit rund 95.000.

Schülerinnen und Schüler aus dem ganzen Land hätten von ihr gefordert, Menstruationsprodukte für alle und immer verfügbar zu machen, sagte Premierministerin Ardern am Donnerstag. Sie bezeichnete die Entscheidung der Regierung als effizienten Vorstoß im allgemeinen Kampf gegen Armut in dem Land: Gratis Periodenprodukte in Schulen seien ein direkter Weg, das Problem anzugehen und das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen zu verbessern. Von Armut Betroffene könnten so wieder regelmäßig zur Schule gehen, so die Regierungschefin. 

Projekt soll Menstruationsblutung entstigmatisieren

Die Initiative soll allerdings auch das allgemeine Stigma um die Menstruationsblutung auflösen. Jan Tinetti, Frauenministerin und stellvertretende Bildungsministerin im Ardern-Kabinett, sagte, das Pilotprogramm habe unzählige Probleme mit der schulischen Behandlung des Themas hervorgehoben. Darunter gehörten neben Schamgefühlen und der Angst, ohne Periodenprodukte dazustehen, auch hohe Kosten für deren Anschaffung und fehlende Aufklärung darüber, wie sie genutzt werden. 

"Schüler und Schülerinnen haben uns mitgeteilt, dass sie mehr Informationen über die Menstruationsblutung und die dazugehörigen Produkte haben wollen", so Tinetti. Auch, wie man den Zyklus beobachtet und wann und wo sie sich Hilfe und Beratung holen könnten, hätten die Jugendlichen wissen wollen. 

Premierministerin Ardern: effektive Maßnahme gegen Kinderarmut

Die Ardern-Regierung will Kinderarmut in Neuseeland im nächsten Jahrzehnt halbieren. Die Corona-Pandemie habe den Weg zum Ziel zwar erschwert, sagte Ardern. Dennoch sei es wichtig, durch praktische Maßnahmen wie gratis Periodenprodukte an Schulen einen direkten Effekt auf das Leben benachteiligter Kinder und Jugendlicher auszuüben. 

In Deutschland startete der Verein "Social Period" im November eine Petition, in der Unterzeichnende kostenlose Periodenprodukte in allen öffentlichen Einrichtungen fordern. Über 35.000 Menschen haben sie bereits unterschrieben. 

Quellen:"BBC" / "The Guardian" / Social Period Instagram

reb

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