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"Neo Magazin Royale": "Wo kommen die Eier her?" – so hat sich Philipp Amthor bei Jan Böhmermann geschlagen

Philipp Amthor gilt als die neue konservative Hoffnung der CDU, bashte die AfD im Bundestag und wird gern für sein Alter und für seine Hornbrille veräppelt. Nun hat der CDU-Politiker bei Jan Böhmermann die inhaltliche "Planierraupe" gegeben.

Wer die Teilnehmer einer "Fridays for Future"-Demonstration nach Philipp Amthor fragt, wird wahrscheinlich verstohlene Blicke ernten. Der CDU-Abgeordnete aus Mecklenburg-Vorpommern ist in seiner Generation nicht unbedingt bekannt – doch das dürfte sich mit der aktuellen "Neo Magazin Royale"-Folge ändern. Hier wird der 26-Jährige seiner Rolle als neue CDU-Hoffnung gerecht – mit ein bisschen Konservativismus und viel Schlagfertigkeit.

Die "Palnierraupe aus Ueckermünde"

Zur Harry-Potter-Titelmelody zieht Amthor in den verbalen Wettkampf mit Jan Böhmermann – ein kalkulierter Gag, hatte die AfD den Hornbrillenträger doch vor kurzem im Bundestag als naseweisen Harry Potter beschimpft.  "Einer von der AfD hat versucht, mich zu dissen. Ich sagte: Gar nicht schlimm, das ist doch ein cooler Typ", kommentiert Amthor lässig. In welchem Haus er gelandet wäre: "Da, wo die Streber sind: bei Ravenclaw dann", reagiert der Bundestagsabgeordnete auf die Nachfrage von Böhmermann. Es wird schnell klar: Die beiden geben sich nichts.

Und als Böhmermann auf das Thema Uploadfilter und Artikel 13 zu sprechen kommt, legt Amthor erst richtig los. Im Fragen-Antwort-Spiel mit dem Moderator lässt der  Politiker diesen teilweise gar nicht zu Wort kommen. Der Hashtag #niewiedercdu, der in der Debatte teilweise der meistgenutzte auf Twitter war, müsse seiner Partei schon zu denken geben, so Amthor. "Schlecht für dich", wirft Böhmermann ein. "Da ärgere ich mich schon drüber", so Amthor. Man müsse nun versuchen, Vertrauen zurückzugewinnen. Neben dem "jüngsten CDU-Bundestagsabgeordneten der Welt", wie Böhmermann ihn bezeichnet, ist der Moderator teilweise zum Zuhören verdammt. "Philipp Amthor, die Planierraupe aus Ueckermünde. Selten hier so einem Maschinengewehrfeuer ausgesetzt gewesen. Fantastisch", stellt er sichtlich ernst gemeint fest.

"Fridays for Future" am Samstag

Generell ist die Stimmung zwischen Jan und Philipp, die sich vor der Sendung das Du angeboten hatten, freundschaftlich und locker. Natürlich kommt Böhmermann auch auf die Rede zu sprechen, die den Jung-Politiker über CDU-Kreise hinaus bekannt gemacht hat: Darin hatte Amthor der AfD vorgeworfen, einen Antrag einfach "dahingerotzt" zu haben. "Wo kommen die Eier her?", fragt Böhmermann. "Ich habe mich echt aufgeregt", sagt Amthor erneut. Doch der Moderator belässt es zum Glück nicht nur bei unterschwelligem Lob. "Würdest du bei Fridays for Future mitlaufen?", fragt er Amthor. Dieser weicht der Frage zwar geschickt aus, spricht sich aber generell für das Engagement der Schüler aus – Schulschwänzen könne jedoch kein Dauerzustand sein. Wenn es ihnen wirklich ernst sei, "könnten sie das ja auch einmal am Samstag machen".

Dann wird gespielt: Bei einer Neo-Magazin-Royale-Variante des Klassikers 1, 2 oder 3 müssen sich Amthor und Böhmermann entscheiden, wer der Autor eines vorgegebenen Zitates sein könnte. Der Moderator hüpft schwungvoll, der Politiker eher mäßig motiviert zwischen den Antworten – nach zwei Runden steht es 1:1. Bei der Entscheidung lernt Amthor, der sich selbst zu den Konservativen in der CDU zählt, noch einiges über seine Partei. "Ein Volk, dass diese wirtschaftlichen Leistungen erbracht hat, hat ein Recht darauf, nichts mehr von Auschwitz hören zu wollen!”, lautet das Zitat der Wahl. Politikwissenschaftler Werner Patzelt, der italienische Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi oder CSU-Übervater Franz Josef Strauß stehen zur Auswahl. "Auf jeden Fall ein Idiot", resümiert Amthor vor der Auflösung. Nur stammt das Zitat von CSU-Legende Strauß. "Das Spiel hätte besser sein können", schlussfolgert der Politiker im Teaser zur Sendung lachend.

Amthor kommt gern zu Wort

Natürlich ist es kein Zufall, dass Amthor bei Böhmermann zu Gast ist. Noch Ende 2017 hatte sich der Moderator über den Jung-Politiker lustig gemacht: "Wie konnte er dieses Gesicht nur über die Schulzeit retten?” Jede Zelle von Amthors Körpers würde förmlich schreien: "Hoffentlich stecke ich mich in Berlin nicht mit Hiphop und Haschisch an." 

Der Jung-Konservative Amthor spielt immer wieder mit seiner Rolle – noch vor kurzem sorgte ein Porträt im Spiegel bei Twitter für viel Aufregung, indem der Autor den Politiker zum Einstieg beim Reißen eines sexistischen Altherrenwitzes zitiert. Amthor selbst ließ die Debatte verhallen. Aber wie auch immer man dazu steht: Bei Böhmermann fühlt sich der Politiker zwar sichtlich wohl in seiner Rolle und hört sich bei seinen Aussagen, die durchaus inhaltsstark waren, auch gern reden – selbstgefällig wirkt er jedoch nie. Ob er genug zu Wort gekommen sei, fragte Böhmermann im Einspieler zur Sendung. "Als Politiker kann man ja nie genug zu Wort kommen", entgegnet Amthor lachend.

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