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Rindfleisch-Abkommen: Dieser Bauer fühlt sich von der Politik verkauft – und seine Wutrede geht viral

Ein Bauer aus Schleswig-Holstein ist wütend. Auf Facebook macht er der Politik schwere Vorwürfe wegen des neuen EU-Handelsabkommens mit den USA. Doch was ist dran?

"Ihr seht mich heute morgen ziemlich sprachlos, ziemlich ratlos und ziemlich verzweifelt" beginnt Landwirt Thomas Andresen vom Hof Barslund in Schleswig-Holstein in seinem Facebook-Video. Der Grund ist das neue Rindfleisch-Abkommen zwischen der EU und den Vereinigten Staaten. Letzten Freitag wurde ein Handelsabkommen unterzeichnet, das den USA künftig erlaubt 35.000 Tonnen Rindfleisch in die EU zu liefern, zollfrei. Dafür darf Amerika keine Strafzölle auf Autos und Autoteile aus der Europäischen Union mehr verhängen.

Für Andresen ist dies Grund zur Besorgnis: Mehr Fleisch aus den USA bedeute für ihn weniger Arbeit für deutsche Bauern. "Wieder wurden die Bauern verkauft zugunsten der Autoindustrie", schimpft er in dem Video. Er bekomme Anrufe von Kollegen, die sich vom Bauernverband verraten fühlen. Was er den Kollegen antworten soll, wisse er nicht: "Mit jedem Betrieb, der stirbt auf dem Land, stirbt auch ein Dorf. [...]" Anschließend wendet er sich an die Agrarministerin Julia Klöckner: "Liebe Frau Klöckner, mich würde mal interessieren [...], sind wir Bauern überhaupt noch gewollt und wenn ja, was soll in den nächsten 30 Jahren unsere Aufgabe sein?" Der Bauer fordert Klartext: Sollten er und seine Kollegen in Zukunft nur noch Landschaftspfleger sein, dann möge es die Politik doch bitte auch genau so sagen. 

Andresen ist besorgt, dass bald nur noch minderwertige Produkte aus den USA, Argentinien und Uruguay für die Versorgung der deutschen Bevölkerung genutzt werden. Wenn die Landwirtschaft unseres Landes am Boden liege, werde "vielleicht der eine oder andere wach werden und merken, dass man das Geld, was wir verdienen mit den Autos und der Industrie da drüben, dass man das nicht essen kann." Einigen dürfte der Bauer aus dem Video bekannt vorkommen. Erst kürzlich hielt er eine ähnliche Wutrede, die die Speisekarte im Bundestag zum Ziel hatte.

Landwirt Thomas Andresen regt sich auf Facebook über die Speisekarte der Bundestags-Kantine auf

Der eigentliche Verlierer ist Südamerika

Doch die Menge des importierten Rindfleisches wird sich nicht ändern. Jährlich erlaubt die Europäische Union den Import von 45.000 Tonnen Rindfleisch. Neu ist, dass davon 35.000 Tonnen für die USA reserviert sind. Die eigentlichen Verlierer sind also südamerikanische Länder, die nach dem neuen Abkommen weniger Fleisch liefern dürfen. Doch beispielsweise Argentinien dürfte das Rindfleisch-Abkommen weniger stören. Nur zwölf Prozent ihres Fleisches geht in die EU. Deren größter Abnehmer ist China, wie aus den Zahlen des nationalen Statistikamtes INDEC hervorgeht. Die Sorgen des Bauern sind also nachvollziehbar, jedoch ist es unwahrscheinlich, dass deutsche Betriebe wegen der neuen Verteilung der Importländer schließen müssen.

Auf Fleisch verzichten, der Umwelt zuliebe?

Der viel problematischere Effekt des Imports von Fleisch sind die Folgen für die Umwelt. Emissionen durch weite Transporte und die Energie, die für die Kühlung notwendig ist, schaden dem Klima enorm. Forscher von der Oxford University fanden mithilfe einer Studie sogar heraus, dass die Treibhausgasemissionen um 63 Prozent senken würde, wenn alle Menschen Vegetarier werden würden. Das EU-Handelsabkommen kann zwar festlegen, welche Länder wie viel Rindfleisch importieren dürfen, es kann aber nicht das Konsumverhalten regulieren. Dem Verbraucher bleibt es frei, welches Fleisch er im Supermarkt kauft.

Quelle: Facebook, "Utopia"