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Datenmissbrauch: Muss ich mich jetzt endgültig abmelden? Die 5 drängendsten Fragen zum Facebook-Skandal

Die Affäre um Facebook und Cambridge Analytica zeigt vor allem, dass im Internet noch Regeln wie im Wilden Westen gelten. Aber was bedeutet der neueste Daten-Skandal eigentlich für jeden von uns?

Facebook

Mark Zuckerberg, Gründer von Facebook, am Firmensitz vor dem leuchtenden Logo

DPA

Big Data, Profilbildung und Microtargeting: Der Skandal um Cambridge Analytica und hat ins Licht gerückt, wie potenzielle Wähler durch eine geschickte Auswertung und Verknüpfung ihrer persönlichen Daten mit passgenauen Botschaften versorgt werden können. So soll Cambridge Analytica nicht nur die Brexit-Entscheidung beeinflusst, sondern auch Donald Trump zum Sieg bei der US-Präsidentenwahl 2016 verholfen haben.

Die britische Datenanalyse-Firma war illegal an einige Informationen von bis zu 50 Millionen Facebook-User gekommen - ohne das Wissen der Nutzer. Die Affäre sorgt seit Tagen für große Empörung. Sie rückt das Geschäftsmodell in den Blickpunkt, Daten zusammenzuführen und mit Hilfe von Algorithmen Profile zu erstellen. Dieses Vorgehen ist vor allem im Konsumbereich längst nicht mehr ungewöhnlich. Und auch Facebooks laxer Umgang mit den persönlichen Informationen über seine Nutzer ist schon lange ein offenes Geheimnis.

Facebook: Laxer Umgang mit Daten ist bekannt

Was also bedeuten die neuen eigentlich für jeden von uns? Ist jetzt etwa der Zeitpunkt gekommen, seine Anmeldung beim Social-Media-Riesen endgültig zu überdenken?

Fünf Fragen zum Daten-Skandal: 

Wie konnte Analytica an die Daten der Facebook-User gelangen?

Mit einer relativ simplen Masche: Gegen Bezahlung sollten Menschen bei Facebook  einen Persönlichkeitstest machen. Dafür mussten sie einer App Zugriff auf ihr Facebook-Profil - und auf die Profile ihrer Freunde erteilen. So reichten 320.000 Teilnehmer im Schnitt 160 Profile pro Person an Cambridge Analytica weiter. Rund 50 Millionen Psychogramme konnten auf diese Weise erstellt werden, ohne dass die Nutzer es überhaupt bemerkt hätten.

Wie reagiert Facebook?

Offiziell mit Bedauern. Firmenchef Mark Zuckerberg und alle Verantwortlichen seien sich des Ernsts der Lage bewusst, lässt der Internetgigant mitteilen. Eigene Fehler räumt Facebook aber nicht ein. Stattdessen sieht sich das soziale Netzwerk in der Affäre selbst als Betrogenen. "Das gesamte Unternehmen ist entsetzt darüber, dass wir hintergangen wurden", heißt es in der Mitteilung.

Facebook versichert, sie werden alles tun, um ihre Richtlinien durchzusetzen und die Informationen der Nutzer zu schützen. Die US-Verbraucherschutzbehörde FTC leitete nach Informationen der "Washington Post" eine offizielle Untersuchung gegen den Konzern ein. Zudem haben Aktionäre Facebook verklagt. Das Unternehmen habe "sachlich falsche und irreführende Aussagen" zur Firmenpolitik gemacht, heißt es in der Klageschrift, die US-Medien zufolge bei einem Bundesgericht in San Francisco eingereicht wurde. Facebook habe mitteilen müssen, dass es Dritten Zugriff auf Daten von Millionen Nutzern ohne deren Zustimmung gewährt habe, argumentieren die Kläger. Da das Unternehmen das nicht getan habe, hätten sie große Verluste erlitten. Facebook verlor seit Montag zeitweise bis zu 50 Milliarden Dollar an Wert an der Börse. Diesmal geht es offenbar wirklich um den Ruf des Unternehmens.

Sind meine Daten auch durch andere gefährdet?

Ja. Weil sie viel über uns verraten, greifen viele Apps sie auch gerne ab. Welche Apps das sind und was sie über dich wissen, erfährst du hier.

Wie kann ich mich schützen?

Zunächst solltest du wissen, welchen Apps du Zugriff auf deine Facebook-Daten gewährt hat. Wie das funktioniert, erfährst du unter dem Link im vorherigen Absatz. Sehr viel zeitaufwendiger und umständlicher ist es zu checken, mit welchen Daten du eine App fütterst. Bei Unsicherheit gilt generell: Lieber App löschen - dann hat sie auch keinen Zugriff mehr auf deine Daten.

+++ Facebook-Chef Zuckerberg gesteht Fehler im Daten-Skandal ein +++

Ist jetzt endgültig der Moment gekommen, mich bei Facebook abzumelden?

Dass Facebook keine größeren Skrupel im Umgang mit deinen Daten hat, ist eigentlich nicht neu. Wer diesen neuesten Skandal trotzdem zum Anlass nehmen will, seinen Account zu löschen, macht damit aber sicher nichts falsch. Schließlich haben viele von uns schon häufiger mit diesem Gedanken gespielt und es am Ende dann doch nur aus Bequemlichkeit gelassen. Das Konto lässt sich schon mit wenigen Klicks deaktivieren - wie das funktioniert, könnt ihr dieser Anleitung für Ausstiegswillige entnehmen. Konsequenterweise solltet ihr dann aber auch euer Instagram-Konto löschen.

Wenn ihr euch nicht endgültig abmelden möchtet, könnt ihr euch alternativ an den Rat von Jim Killock halten. Der Sprecher der Open Rights Group, einer Organisation zum Schutz der Online-Privatsphäre, empfiehlt in der englischen Zeitung "Guardian": "Weniger posten, weniger teilen, und - am wichtigsten - Likes löschen, da Facebook vor allem durch sie versucht ein Profil von dir zu erstellen."

tim mit Agenturen