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Neuer Massenansturm 350 Flüchtlinge stürmen Grenze in Ceuta

Flüchtlinge in der spanischen Exklave Ceuta
Flüchtlinge in der spanischen Exklave Ceuta
© Jesus Moron/DPA
In Spanien haben mehrere hundert Flüchtlinge die Grenzbefestigungen zur Exklave Ceuta an der Grenze zu Marokko gestürmt. Es gelang ihnen, den sechs Meter hohen doppelten Grenzzaun zu erklimmen.

Mehrere hundert Flüchtlinge haben die Grenzbefestigungen zur spanischen Exklave Ceuta an der Grenze zu Marokko gestürmt: "Von rund 700 sind 356 durchgekommen", sagte ein Behördenvertreter am Montagmorgen nach der nächtlichen Aktion. Den Flüchtlingen gelang es demnach, mit Hämmern und Drahtschneidern die Tore an der sechs Meter hohe und mit messerscharfem Nato-Draht bewehrte Befestigungsanlage zu durchbrechen. Erst am Freitag waren knapp 500 Migranten nach Ceuta durchgekommen.

"Gelobt sei Gott!", "Danke, Spanien!" und "Ich bin in Europa!", riefen die Ankömmlinge. Einige verletzten sich bei der Erstürmung, sie hatten blutige Hände und Füße. Die Erstürmung ereignete sich nach Angaben der spanischen Polizei um 03.30 Uhr Ortszeit.

Dutzende Kameras überwachen die Anlage

Flüchtlinge aus Afrika versuchen immer wieder, über die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla an der Mittelmeerküste EU-Boden zu erreichen. Die beiden Exklaven haben die einzigen EU-Außengrenzen auf dem afrikanischen Kontinent. Die Grenzanlage dort besteht aus zwei acht Kilometer langen und sechs Meter hohen Zäunen. Dutzende Infrarotkameras überwachen die Anlage.

Beim Versuch, das Bollwerk zu überwinden, riskieren Flüchtlinge immer wieder ihr Leben. Menschenrechtsorganisationen fordern regelmäßig von der UNO und der EU, Druck auf Spanien auszuüben, damit Flüchtlinge einen Asylantrag stellen können. Im Jahr 2016 kamen nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) rund 18.000 Flüchtlinge in Spanien an.

Verletzte in Silvesternacht

Die jüngsten Erstürmungsaktionen hängen möglicherweise mit einem Handelsstreit zwischen der Europäischen Union und Marokko zusammen. Die marokkanische Regierung erklärte am 7. Februar, ein neuer "Flüchtlingsstrom" könne sich Richtung Europa in Bewegung setzen.

Der Europäische Gerichtshof hatte Ende 2016 entschieden, ein Handelsabkommen für Landwirtschaft und Fischerei zwischen Marokko und der EU gelte nicht für die West-Sahara. Marokko beansprucht die Westsahara, die von Marokko in den 80er Jahren weitgehend besetzt wurde. Die Westsahara war früher eine spanische Kolonie.

In der Nacht zum Neujahrstag versuchten mehr als tausend Migranten über den Absperrzaun nach Ceuta zu gelangen, was sie jedoch nicht schafften. Beim Zurückdrängen der Flüchtlinge wurden 50 Mitglieder der marokkanischen Sicherheitskräfte und fünf spanische Polizisten verletzt.

jek AFP

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