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Angst vor gewalttätigen Protesten nach Freitagsgebeten

Westliche Staaten blicken voller Sorge in die muslimische Welt, wo nach den Freitagsgebeten neue gewaltsame Proteste gegen einen Anti-Islam-Film und Mohammed-Karikaturen befürchtet werden.

Westliche Staaten blicken voller Sorge in die muslimische Welt, wo nach den Freitagsgebeten neue gewaltsame Proteste gegen einen Anti-Islam-Film und Mohammed-Karikaturen befürchtet werden. Die USA kündigten an, am Freitag ihre diplomatischen Vertretungen in Indonesien zu schließen, Frankreichs Botschaften bleiben in rund 20 muslimischen Ländern geschlossen. Neue Proteste gab es am Donnerstag unter anderem in Afghanistan.

Es seien neue "große Demonstrationen vor unseren Einrichtungen" zu erwarten, teilte die US-Botschaft in Jakarta mit. In den vergangenen Tagen hatten in dem größten muslimischen Land Gläubige gegen den in den USA produzierten Film "Die Unschuld der Muslime" protestiert. Die US-Vertretung in der Stadt Medan ist deshalb schon seit Mittwoch geschlossen.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte, es seien "überall in der Region" die Sicherheitsvorkehrungen für deutsche Botschaften verschärft worden. Teilweise sei auch das Sicherheitspersonal verstärkt worden. An Freitagen seien in muslimischen Ländern ohnehin deutsche Botschaften geschlossen, es könnten aber noch weitere Botschaften geschlossen werden.

Die Proteste in mehreren muslimischen Ländern richten sich inzwischen auch gegen die umstrittenen Mohammed-Karikaturen, die von der französischen Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" am Mittwoch veröffentlicht worden waren. In der afghanischen Hauptstadt Kabul gingen am Donnerstag hunderte Demonstranten gegen den Film und die Karikaturen auf die Straße. Rund 300 Studenten skandierten bei einer Kundgebung "Tod Frankreich, Tod den USA", wie ein AFP-Fotograf berichtete. Diese und eine weitere Kundgebung verliefen ohne Zwischenfälle.

In der pakistanischen Hauptstadt Islamabad wurden bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften mindestens elf Menschen verletzt. Vor der französischen Botschaft in der iranischen Hauptstadt Teheran versammelten sich rund hundert Demonstranten, sie riefen "Tod den USA", "Tod Israel" und "Tod Frankreich". Sicherheitskräfte hielten die Protestierer auf Abstand.

Seit Auszüge aus dem Anti-Islam-Film bekannt wurden, sind bei gewaltsamen Protesten und Angriffen in muslimischen Ländern bislang mehr als 30 Menschen getötet worden. Die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in "Charlie Hebdo", die in erster Linie eine Reaktion auf diese Proteste war, wurde von westlichen Regierungen angesichts der angespannten Lage teils heftig kritisiert. Das französische Außenministerium hatte nach der Veröffentlichung angekündigt, am Freitag seine Botschaften, Konsulate, Auslandsschulen und Kulturinstitute in rund 20 muslimischen Ländern zu schließen.

Die französischen Behörden verfolgen die Entwicklung auch im eigenen Land mit Sorge. Am Donnerstag kursierten im Internet Aufrufe zu Demonstrationen in mehreren großen Städten unter dem Motto "Fass meinen Propheten nicht an". Eine für Samstag vor der Großen Moschee von Paris angemeldete Demonstration wurde untersagt, wie es am Mittwoch bereits Regierungschef Jean-Marc Ayrault angekündigt hatte. Die Behörden befürchten aber offenbar unangemeldete Demonstrationen und haben für Samstag die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt.

AFP / AFP

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