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Schlag 12 - der Mittagskommentar aus Berlin: Wir gegen den IS-Wahnsinn

Nach dem muslimischen Freitagsgebet in dieser Woche haben wir alle die Chance, ein Zeichen zu setzen: gegen den Wahnsinn der IS. Gegen den Hass. Tun wir es.

Von Franziska Reich

Ein Zeichen gegen religösen Hass und für ein friedliches Miteinander in unserer Gesellschaft.

Ein Zeichen gegen religösen Hass und für ein friedliches Miteinander in unserer Gesellschaft.

Es muss ein furchtbares Gefühl sein, wenn im Namen der eigenen Religion monströse Verbrechen geschehen. Es muss kaum zu ertragen sein, wenn die eigene Religion missbraucht wird, um weltweit Angst und Schrecken zu verbreiten. Es muss der Horror sein, wenn Muslime in Deutschland, in Europa, weltweit erleben müssen, dass Terroristen den Islam als Vorwand benutzen, um die Hölle in einer ganzen Region zu errichten.

Das, was in Irak und Syrien geschieht, hat nichts mit dem Islam zu tun - und doch haben diese Verbrechen furchtbare Auswirkungen auf den Islam weltweit. Auch in Deutschland. In den vergangenen drei Wochen wurden Brandanschläge auf fünf Moscheen verübt. Menschen islamischen Glaubens werden beäugt, beargwöhnt, beschimpft.

Brüchiges Miteinander der Religionen

Mit Sorge beobachten die religiösen Führer sowohl die drohende Radikalisierung in ihren Gemeinden als auch die wachsenden Vorurteile gegenüber ihrer Religion in der westlichen Welt. Sayed Ali Abbas Razawi, ein Londoner Imam, hat am vergangenen Sonntag erklärt: "Alle Imame sind zusammengekommen und es ist das erste Mal, dass sowohl religiöse als auch zivile Muslimführer mit einer Stimme sprechen und öffentlich verurteilen, was der Islamische Staat tut." Der Großmufti von Ägypten, die höchste Autorität der Sunniten, hat verkündet, dass der IS unislamisch sei. Und führende Imame Großbritanniens haben schon Anfang September eine Fatwa gegen den "Islamischen Staat" verhängt mit den Worten: "IS ist eine häretische, extremistische Organisation, und es ist religiös verboten, sie zu unterstützen oder sich ihr anzuschließen. Weiterhin ist es für britische Muslime eine Pflicht, sich dieser giftigen Ideologie aktiv entgegenzustellen."

Die religiösen Führer des Islam haben erkannt, dass die Terrormiliz IS mehr zerstören kann als Menschenleben und Landstriche in Syrien und Irak. Der Terror, die Angst, der Schrecken bedrohen das ohnehin brüchige Miteinander der Religionen. In Europa. In den USA. Weltweit.

Gelebte Gemeinsamkeit gegen Hass

Heute ruft der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland zu einer bundesweiten Aktion auf: Unter dem Motto "Muslime stehen auf gegen Hass und Unrecht" sollen sich Bürgerinnen und Bürger in über 2000 Moscheen nach dem Freitagsgebet zu einer Mahnwache und Friedenskundgebung zusammenfinden. Ali Kizilkaya, der Sprecher des Koordinationsrat erklärt: "Wir rufen alle dazu auf, sich friedliebend zu verhalten, die Stimme gegen Rassismus zu erheben, gemeinsamen einzustehen für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung und Extremismus jeglicher Couleur eine Absage zu erteilen."

Genau darum geht es in diesen von Kriegen und Konflikten gezeichneten Zeiten: Um gelebte Gemeinsamkeit, um Zeichen des Friedens, die Menschen egal welcher Religion gemeinsam setzen: gegen den Hass. Für ein friedliches Miteinander in unserer Gesellschaft. Von Muslimen, Hindus, Yesiden, Juden, Christen, Sunniten, Buddhisten, Schiiten – von all den Millionen Menschen, die miteinander in Frieden und Toleranz leben wollen. Vielleicht wird die Aktion am Freitag der Anfang dieser tatsächlich gelebten Gemeinschaft. Ein Zeichen des "Wir" in Zeiten des Terrors. Wir alle sollten uns am Freitag treffen!

Franziska Reich, Reporterin im Berliner stern-Büro, will sich von der IS auch nicht psychologisch terrorisieren lassen. Sie glaubt an den interreligiösen Dialog.