Das WEF hatte Anfang Februar eine Untersuchung der Verbindungen von Brende zu Epstein angekündigt. Zuvor hatte das US-Justizministerium im Januar zahlreiche weitere Dokumente zum Fall Epstein veröffentlicht, in denen auch Brendes Name vorkommt. Eine Nennung in den Epstein-Akten bedeutet nicht automatisch ein Fehlverhalten.
Das WEF teilte am Donnerstag mit, dass die Untersuchung zu Brende abgeschlossen sei. Dabei sei herausgekommen, dass es "keine weiteren Bedenken" gebe, die über das hinausgingen, was bereits bekannt gewesen sei. Geschäftsführer Alois Zwinggi sei zum Interims-Präsidenten ernannt worden, während die Suche nach einem dauerhaften Nachfolger für Brende beginne.
Brende stammt aus Norwegen und war dort lange Abgeordneter der konservativen Partei, sowie Umwelt-, Handels- und Außenminister. Seit 2017 war er Präsident des WEF, das jedes Jahr im Januar das berühmte Treffen in Davos in den Schweizer Bergen ausrichtet.
Brende hatte erklärt, bei einem Besuch in New York 2018 eine Einladung vom stellvertretenden Ministerpräsidenten Terje Röd-Larsen zu einem Abendessen mit anderen Führungskräften erhalten zu haben. Dabei sei auch jemand gewesen, der ihm als US-Investor Jeffrey Epstein vorgestellt worden sei. 2019 habe er an zwei ähnlichen Abendessen mit Epstein und anderen Diplomaten und Wirtschaftsvertretern teilgenommen.
Diese Abendessen und einige E-Mails und SMS-Nachrichten seien seine Interaktion mit Epstein gewesen, fuhr Brende fort. "Ich war mir Epsteins Vergangenheit und seiner kriminellen Aktivitäten überhaupt nicht bewusst." Hätte er Epsteins Hintergrund gekannt, hätte er die Einladungen abgelehnt.
Der US-Finanzberater Epstein war weltweit in höchsten Kreisen vernetzt und soll nach Erkenntnissen des Justizministeriums und der US-Bundespolizei FBI mehr als tausend Minderjährige und junge Frauen missbraucht und teils an Prominente vermittelt haben. Er wurde 2008 erstmals verurteilt, weil er eine Minderjährige zur Prostitution angestiftet hatte. Wegen eines umstrittenen Deals mit der Staatsanwaltschaft erhielt er damals aber nur eine 18-monatige Haftstrafe.
Einen Monat, nachdem Epstein 2019 unter anderem wegen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen erneut festgenommen worden war, wurde er tot in seiner New Yorker Gefängniszelle gefunden. Nach offiziellen Angaben nahm er sich das Leben.
Im Januar veröffentlichte das US-Justizministerium auf Druck des Kongresses mehr als drei Millionen Dokumentseiten zum Epstein-Skandal, in denen die Namen zahlreicher einflussreicher Persönlichkeiten auftauchen.
Die neu veröffentlichten Akten zogen weite Kreise und erschütterten Norwegen. Für besondere Empörung sorgten in dem Königreich die Verbindungen der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit zu dem Sexualstraftäter. Mitte des Monats wurden zudem Immobilien des ehemaligen Regierungschefs Thorbjörn Jagland durchsucht. Die norwegische Polizei ermittelt im Zusammenhang mit den Epstein-Enthüllungen auch gegen die bekannte Diplomatin Mona Juul wegen des Verdachts der Korruption.
Derweil gab es in den USA neue Vorwürfe gegen die Regierung im Umgang mit den Epstein-Akten. US-Medien berichteten, die Regierung halte Teile der Akten zurück, in denen eine Frau Missbrauchsvorwürfe gegen Präsident Trump erhebt.
Nach Angaben des Rundfunksenders NPR und der "New York Times" gibt es Hinweise, dass sich in den bisher nicht veröffentlichten Dokumenten zu dem Fall Memos der Bundespolizei FBI befinden. Darin sollen Befragungen einer Frau zusammengefasst sein, die 2019 nach der Verhaftung Epsteins angegeben habe, als Minderjährige sowohl von Epstein als auch von Trump sexuell missbraucht worden zu sein.
Der führende Abgeordnete der Demokraten im Aufsichtsausschuss des Repräsentantenhauses, Robert Garcia, warf der Regierung den "größten Vertuschungsskandal einer Regierung in der jüngeren Geschichte" vor. Das Justizministerium bestritt dagegen, Akten gezielt zu verbergen.
Trumps Name taucht in den Epstein-Akten ebenso auf wie der von Ex-Präsident Bill Clinton. Clinton soll am Freitag von Kongressabgeordneten angehört werden. Seine Frau Hillary Clinton ist bereits am Donnerstag per Videoschalte vorgeladen. Ein Fehlverhalten konnte weder dem demokratischen Politikerpaar noch dem Republikaner Trump nachgewiesen werden.