HOME

Französische Truppen nehmen weitere Stadt in Mali ein

"Die Franzosen haben Position bezogen", sagte ein Vertreter der Tuareg-Gruppe Islamische Bewegung für Azawad (MIA).

"Die Franzosen haben Position bezogen", sagte ein Vertreter der Tuareg-Gruppe Islamische Bewegung für Azawad (MIA). "Unser Chef spricht gerade mit ihnen." Am Flughafen von Kidal waren zudem nach Angaben von Sicherheitskräften französische Hubschrauber zur Luftüberwachung im Einsatz.

Islamisten hatten seit April 2012 den Norden Malis unter ihrer Kontrolle. Als sie weiter in Richtung Süden vorrückten, griff Frankreich am 10. Januar militärisch ein. Ende der vergangenen Woche erklärte die MIA, sie habe sich von der Islamisten-Gruppe Ansar Dine abgespalten und setze sich für eine "friedliche Lösung" des Konflikts in Mali ein.

Der französische Außenminister Laurent Fabius bekräftigte, die französischen Truppen sollten "schnell" wieder aus Mali abgezogen werden. Es habe zu den Planungen der Regierung in Paris gehört, "Gao und Timbuktu zu befreien", sagte Fabius dem "Parisien" (Mittwochsausgabe). "Nun müssen die afrikanischen Länder den Stab übernehmen."

Der französische Premierminister Jean-Marc Ayrault sagte, sein Land wünsche "den raschen Einsatz internationaler Beobachter" zur Vermeidung von Menschenrechtsverletzungen. Allerdings habe das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) bislang keinen der Berichte bestätigt, nach denen es in den von französischen und malischen Truppen eingenommenen Gebieten Menschenrechtsverletzungen gegeben habe. Einer dieser Vorwürfe bestand darin, dass laut der Internationalen Föderation für Menschenrechte (FIDH) in Sévaré elf Menschen umgebracht worden sein sollen.

Die US-Regierung sagte derweil logistische Hilfe für den Einsatz in Mali über die Zusammenarbeit mit Frankreich hinaus zu. Pentagon-Sprecher George Little sagte, die US-Transportmaschinen würden auch für Truppen aus dem Tschad und aus Togo eingesetzt. Togo hatte die Entsendung von mindestens 700 Soldaten nach Mali zugesagt, der Tschad, der nicht zur westafrikanischen Staatengemeinschaft ECOWAS gehört, die Entsendung von rund 2000 Soldaten. In Zusammenarbeit mit Frankreich seien 391 Tonnen Material und 500 Passagiere befördert worden, ergänzte Little.

Nigrische und malische Truppen nahmen am Dienstag nach Berichten von AFP-Reportern unter Jubelrufen der Bevölkerung auch die Ortschaft Ansongo im Norden Malis ein. Ein Konvoi von mehr als hundert gepanzerten Fahrzeugen, Gelände- und Lieferwagen mit aufmontierten Maschinengewehren traf am Nachmittag von der nigrischen Grenze kommend in Ansongo ein.

Auf einer internationalen Geberkonferenz für Mali in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba gab es Zusagen in Höhe von 455,5 Millionen Dollar (340 Millionen Euro) für den Militäreinsatz gegen islamistische Kämpfer und für humanitäre Hilfe. Die Afrikanische Union (AU), an deren Sitz die Konferenz stattfand, versprach einen Beitrag von 50 Millionen Dollar. Deutschland sagte 20 Millionen Dollar (14,9 Millionen Euro) zu.

Der Leiter des Projekts Timbuktu-Manuskripte an der südafrikanischen Universität Kapstadt, Shamil Jeppie, sagte der Nachrichtenagentur AFP, er sei überzeugt, dass "mehr als 90 Prozent" der Manuskripte hätten gerettet werden können. Die Kulturschätze seien bereits vor der Einnahme der Stadt durch die Islamisten im vergangenen Jahr an einen sicheren Ort gebracht worden.

Auf der Flucht vor heranrückenden französischen und malischen Truppen hatten die Islamisten vor wenigen Tagen das Ahmed-Baba-Zentrum für Dokumentation und Forschung (CEDRAB) in Timbuktu in Brand gesteckt. In dem Gebäude wurden Manuskripte aus der antiken muslimischen Welt und dem alten Griechenland aufbewahrt. Die Islamisten hatten in Timbuktu und Umgebung in den vergangenen Monaten bereits zahlreiche zum UNESCO-Welterbe zählende Bauwerke zerstört.

Jeppie sagte, das Ausmaß der Zerstörung sei zunächst "stark übertrieben" worden. Es habe Schäden gegeben und Objekte seien zerstört oder gestohlen worden, aber sehr viel weniger als zunächst angegeben. Timbuktus Bürgermeister Halley Ousmane, der Zuflucht in der malischen Hauptstadt Bamako fand, hatte unlängst von einer "dramatischen" Situation und einem "kulturellen Verbrechen" gesprochen.

AFP / AFP