Das geistliche Oberhaupt "wurde gewählt", erklärte das Expertenratsmitglied Alamolhoda. Das Sekretariat des Gremiums werde den Namen später bekannt geben. Weitere Mitglieder des Expertenrats bestätigten die Entscheidung. Expertenratsmitglied Mohammed Mehdi Mirbagheri sprach in einem von der Nachrichtenagentur Fars verbreiteten Video von einer "klaren Meinung, welche die Mehrheitsposition widerspiegelt".
Expertenratsmitglied Mohsen Hejdari deutete an, dass der Chamenei-Sohn Modschtaba das Amt übernehmen werde. Der "geeignetste Kandidat" sei "ermittelt", erklärte Hejdari nach Angaben der Nachrichtenagentur Isna. Unter Verwendung der von Teheran gebrauchten Bezeichnung für die USA erklärte Hejdari: "Der 'Große Satan' hat die von den Vertretern getroffene Wahl auch erwähnt."
Hejdari bezog sich damit auf eine Aussage von US-Präsident Donald Trump, der nach der Tötung Chameneis dessen Sohn Modschtaba als Nachfolger ausgeschlossen und für sich selbst eine Mitsprache bei der Entscheidung beansprucht hatte.
Chameneis Sohn sei für ihn "inakzeptabel", hatte Trump am Donnerstag geäußert. "Wir wollen jemanden, der dem Iran Harmonie und Frieden bringt", zitierte ihn die Plattform Axios. Namen nannte er demnach nicht. Modschtaba Chamenei bezeichnete der US-Präsident zudem als "Leichtgewicht".
Ayatollah Chamenei war am 28. Februar, dem ersten Tag der US-israelischen Angriffe, in Teheran getötet worden. Seit einer Woche kursierte der Name seines Sohnes Modschtaba als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge. Auch Hassan Khomeini, Enkel des früheren Revolutionsfühers Ayatollah Ruhollah Khomeini, wurde als Kandidat gehandelt.
Israel hatte nach der Tötung Chameneis bereits erklärt, auch dessen Nachfolger werde getötet. Am Sonntag erklärte die israelische Armee im Onlinedienst X auf Persisch, Mitglieder des Rats zur Wahl des neuen Oberhaupts ins Visier zu nehmen. "Wir wollen Sie darüber informieren, dass der Staat Israel jeden Nachfolger und jeden, der einen solchen ernennen möchte, weiterhin genau beobachten wird." Die Armee erneuerte zudem ihre Warnung "an alle, die eine Teilnahme an dieser Versammlung zur Wahl des Nachfolgers erwägen". "Wir werden nicht zögern, Sie anzugreifen."
Das Amt des geistlichen Oberhaupts ist die höchste politische und religiöse Autorität im Iran. Der oberste Führer hat in allen Staatsangelegenheiten das letzte Wort.
Der 56-jährige Modschtaba Chamenei gilt als konservativ und den iranischen Revolutionsgarden nahestehend. Er hat kein offizielles Regierungsamt inne, doch die Frage nach dem tatsächlichen Einfluss des Chamenei-Sohns sorgte seit Jahren für Spekulationen.
Die USA und Israel hatten am 28. Februar massive Luftangriffe auf den Iran gestartet. Dabei wurden Chamenei und weitere Mitglieder der iranischen Führung getötet. Der Iran reagierte mit Gegenangriffen auf Israel, auf US-Einrichtungen in der Golfregion und Infrastruktur mehrerer Golfstaaten. Auch der Konflikt zwischen Israel und der vom Iran finanzierten Hisbollah eskalierte erneut.